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Über den Dächern von Hamburg: Xing-Gründer Lars Hinrichs

Als Lars Hinrichs zum ersten Mal online gegangen ist, war er 13 Jahre alt. Es war das Jahr 1989 und Hinrichs versuchte sich in seinem Kinderzimmer in Hamburg mit einem Akustikkoppler ins Internet einzuwählen. Seitdem ist viel passiert, das Internet wurde mit dem ersten Browser massentauglich, Hinrichs gründete das Business-Netzwerk Xing und verkaufte es dann wieder für 48 Millionen Euro an die Burda Digital GmbH, aber eines ist geblieben: Hinrichs liebt Technik.

Heute lebt er das auf seinem Grundstück im feinen Hamburger Stadtteil Rotherbaum aus. Hier hat er ein Mehrfamilienhaus aus dem Jahr 1908 gekauft – und das baut er zu dem wohl intelligentesten Wohnhaus Deutschlands um: einem Smart Home namens Apartimentum, das seinen Bewohner das Leben mit moderner Technik vereinfachen soll. Aufzüge, Lampen, Türen lassen sich beispielsweise mit dem Smartphone bedienen, Musik verfolgt die Bewohner durch die Räume, Waschmaschine und Trockner können aus der Ferne gesteuert werden. Die Intelligenz liegt in der Cloud.

Für solche Spielereien zahlen die betuchten Kunden 4.000 bis 11.500 Euro Miete im Monat, je nach Größe des Apartments. Sämtliche Nebenkosten sind da dann schon mit drin – ebenso Internet. Ende des Monats sollen die ersten Mieter einziehen.

20 Wohnungen sind hier bereits fertig, 25 weitere sollen im selben Gebäudekomplex entstehen. Und im Keller baut Hinrichs insgesamt 20 Ladestationen für Elektroautos. Auch wenn da bisher nur Hinrichs Tesla auflädt, soll es die größte E-Tankstelle Deutschlands werden.

Hier erzählt Hinrichs, wer in die Wohnungen einziehen soll, was dort sein Lieblingsgadget ist und welche Technik er gerne noch erfinden würde.

Lars, die Wohnungen sind mit einer Miete von mehreren Tausend Euro sehr teuer, wer wird dort wohnen?

Vor allem Expatriates, die von ihren Unternehmen eine Zeit lang nach Hamburg geschickt werden. Einige Firmen wollen dort auch Onbording-Wohnungen für neue Fachkräfte einrichten. Und es werden Leute einziehen, die nicht direkt von einem Unternehmen gesendet werden, aber dennoch viel Geld verdienen und sich diesen Luxus leisten wollen, weil sie es sich wert sind.

Warum sind alle Mietverträge befristet?

Warum nicht, wenn man es machen kann? Wir haben die Verträge auf vier Jahre befristet und es wird auch kein Problem sein, sie nach dieser Zeit zu verlängern.

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Wie teuer ist die Ausstattung einer Wohnung?

Die genauen Preise kommunizieren wir nicht. Wir haben viele Deals mit Premiumpartnern, die uns Geräte günstiger zur Verfügung stellen als normalerweise. Nur so viel: Die Wohnungen sind mindestens zehn Prozent teurer als wenn wir sie ohne diese intelligente Technik ausgestattet hätten.

Dann anders gefragt: Kann sich nur die Elite ein Smart Home leisten?

Das Gute ist ja, dass Geräte neuerdings offene Standards haben und sich dadurch vernetzen können. Das macht sie billiger. Während man früher alle Geräte von einem Hersteller kaufen musste und das sehr teuer war, hat man durch das Internet der Dinge (IoT) mehr Anbieter zu Auswahl. Das hat einen gigantischen Preisverfall von mindestens 50 Prozent zur Folge. Ein Beispiel: Mein Kamerasystem Zuhause hat mal 11.000 Euro gekostet, es funktioniert über einen lokalen Festplattenspeicher. Heute bekomme ich ein besseres System in der Cloud für ein Zehntel des Preises.

Welches ist dein Lieblingsgadget?

Die Tür, weil ich sie selbst erfunden habe. Wenn man sich ihr mit einem Handy in der Hosentasche nähert, öffnet sie sich. Das funktoniert über Bluetooth LE, in dem ganzen Gebäude gibt es kein Schloss mehr. Das hat viele Vorteile: Man kann keinen Schlüssel verlieren und hat beispielsweise keinen Ärger, wenn der Lebensabschnittspartner mal nicht mehr dabei ist. Den Schlüssel braucht man dann nicht mehr einzutreiben, man programmiert einfach die Tür übers Handy neu.

Praktisch.

Bald schon sind die Türen so weit entwickelt, dass man sie von überall in der Welt übers Smartphone öffnen kann. So kann man zum Beispiel den Putzdienst über Fernsteuerung hereinlassen. Die Türen merken sich, wie lange die Reinigungskraft in der Wohnung war und übermitteln die Daten an ein Google-Docs-Dokument. So kann man einfach eine Stundenabrechnung erstellen. Ich habe die Technik zusammen mit Hörmann, einem großen Türenhersteller und dem Berliner Startup 1Aim entworfen – und Anfang 2017 kann man sie ganz normal im Handel kaufen. Zwischen 6.000 und 8.000 Euro wird eine Tür dann kosten.

Was können deine Apartments noch nicht?

Der Kühlschrank ist ein bisschen schlicht, wobei jetzt bei der IFA neue Geräte vorgestellt wurden, die beim Öffnen der Tür ein Foto von den Lebensmitteln machen. Damit kann man im Supermarkt nachschauen, ob man noch mehr Milch braucht. Diese Kühlschränke werde ich wohl noch nachrüsten. Generell wird sich die Technik für jeden Raum exponentiell weiterentwickeln – bei gleichzeitigem Preisverfall. Das Badezimmer wird beispielsweise mehr und mehr zum Gesundheitszimmer werden.

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Es macht einen gesund?

Es kann dazu beitragen. In wenigen Jahren wird die Toilette beispielsweise konstant die Ausscheidungen analysieren und Bescheid geben, wenn was nicht stimmt. Der Fußboden ist eine Waage und der Spiegel hat Kameras, die einem sagen, wenn man einen neuen Leberfleck hat und damit besser zum Arzt gehen sollte. Und das Wasser in der Dusche wird wiederaufbereitet, dadurch verwendet man deutlich weniger Frischwasser.

Wenn du dir eine Technik wünschen könntest, die noch entwickelt werden sollte, welche wäre das?

Worauf ich wirklich warte, sind Steckdosen, die wirklich IoT-fähig sind. Der Computer hängt dann nicht mehr an einer Schweinchensteckdose, sondern lädt mit einem USB-Anschluss direkt an der Wand. Ein Ladegerät braucht man dann nicht mehr. Ich habe schon jetzt die Wohnungen mit sehr guten Ethernet-Kabeln ausgestattet und die Steckdosen doppelt tief gelegt – dann kann ich sie schnell austauschen, wenn die USB-Anschlüsse kommen. Und die Multifunktionsschalter von Nuimo gehen genau in diese Richtung. Ein richtig smarter Schalter, das wäre auch ein Gerät, auf das ich warte.

Was passiert in deinem Apartimentum eigentlich bei einem Stromausfall?

Nichts. Einige Geräte, wie zum Beispiel die Türen, sind mit Batterien ausgestattet. Wir planen derzeit noch eine Gebäudebatterie: ein Photovoltaik-Speicher der Allgäuer Firma Sonnen. In den Wohnungen merkt man einen Stromausfall dadurch nicht mehr.

Vielen Dank für das Gespräch, Lars!

Bild: Apartimentum

So futuristisch sieht das Smart Home von Lars Hinrichs aus