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Die Lendico-Gründungsmannschaft: Philipp Petrescu (links, ist mittlerweile aus dem Unternehmen ausgeschieden), Dominik Steinkühler, Christoph Samwer, Clemens Paschke

Frisches Geld für den Geldverleiher: Um 20 Millionen Euro stockt der Berliner Kreditmarktplatz Lendico seine Kapitalbasis auf. Neben den bestehenden Investoren Rocket InternetAccess Industries und Holtzbrinck Ventures habe sich ein weiterer Investor an der Runde beteiligt. Wer das ist, will Lendico zwar offiziell nicht verraten. Aus dem Unternehmensumfeld ist allerdings zu hören, dass es sich um den Hedgefonds Arrowgrass Capital handelt.

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Arrowgrass wurde im Jahr 2008 von früheren Deutsche-Bank-Händlern gegründet und besitzt Niederlassungen in London und New York. Neben dem neuen Kapital dürfte sich Lendico vom neuen Geldgeber nicht zuletzt einiges Know-how versprechen: Seit gut einem Jahr ist Arrowgrass mit 25 Millionen US-Dollar beim britischen Lendico-Wettbewerber Zopa investiert. Da wundert es nicht, wenn Lendico-Chef Dominik Steinkühler sich zitieren lässt: „Gemeinsam teilen wir die Überzeugung, dass die Kreditvergabe – an Privatpersonen wie Unternehmen – in Zukunft keine Banken brauchen wird.“

Mit dem neuen Geld will das von Steinkühler, Christoph Samwer sowie Clemens Paschke geführte Lendico – Mitgründer Philipp Petrescu hat das Unternehmen im März verlassen – das internationale Angebot ausweiten und das Team aufstocken. Zuletzt hatte der Kreditmarktplatz auf magere Ergebnisse vor allem in Spanien, Polen und Südafrika reagiert und Niederlassungen geschlossen. Vor allem die Qualität der Kreditanfragen soll niedriger als gedacht gewesen sein. In Spanien seien zum Beispiel nur zwei Prozent der Kreditgesuche nach Prüfung für Privatanleger freigeschaltet worden (normal sind etwa zehn Prozent). Aus Mitarbeiterkreisen hieß es gegenüber Gründerszene, das Geschäft in Südafrika und Polen sei sogar „praktisch tot“ gewesen.

Lendico reagierte darauf und legte die Möglichkeit für Privatanleger, in diesen Ländern über den Marktplatz zu investieren, auf Eis. Kredite werden dort weiter vergeben, allerdings kommen die Mittel nun von institutionellen Anbietern, darunter unter anderem zwei deutsche Banken und zwei angelsächsische Hedgefonds, die gemeinsam „einen dreistelligen Millionenbetrag in Kredite von Lendico“ investiert hätten.

In anderen Ländern stünden Privatanleger weiterhin Fokus, versicherte Lendico. Besonders in Deutschland gebe es weiterhin einen sehr aktiven Kreis von Anlegern. Währenddessen hatte sich bereits zum Jahresbeginn auch auf der Kreditnehmer-Seite ein Umbau des Geschäftsmodells angekündigt: Statt nur an Privatpersonen vergibt Lendico bereits seit Januar Kredite auch an Selbständige. In Zukunft will das Rocket-Startup seine Zielgruppe nach eigenen Angaben zudem um kleine und mittelgroße Unternehmen erweitern. Den ebenfalls auf diese Zielgruppe fokussierten Kreditgeber Zencap hatte Rocket Internet bereits vor einem Jahr mit Lendico unter einem gemeinsamen Dach vereint.

Bild: Rocket Internet

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Erst im Januar konnte Westwing 25 Millionen Euro einsammeln. Im April gingen noch mal 30 Millionen an den Möbelshop. Das Geld kommt unter anderem vom Berlusconi-Clan. Im Bild: Die Westwing-Gründer Stefan Smalla und Delia Fischer; Quelle: Westwing