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Die Lendico-Gründungsmannschaft: Philipp Petrescu, Dominik Steinkühler, Christoph Samwer, Clemens Paschke (von links)

Umbruchzeiten bei Lendico: Die von Samwer-Inkubator Rocket Internet Ende 2013 gestartete Kreditplattform verabschiedet sich vom Prinzip eines reinen Peer-to-Peer-Marktplatzes für Privatkredite, entlässt nach Gründerszene-Informationen knapp 20 Mitarbeiter und reagiert auf magere Ergebnisse in drei der sechs Lendico-Länder. In Spanien, Polen und Südafrika dürfen Privatanleger nicht mehr investieren – die Kredite werden nur noch von Profi-Investoren finanziert. Wieso der plötzliche Strategieschwenk?

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„Die Entwicklung in Spanien, Polen und Südafrika blieb hinter unseren Erwartungen“, sagt Lendico-Geschäftsführer Dominik Steinkühler gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Vor allem die Qualität der Kreditanfragen soll niedriger als gedacht gewesen sein. In Spanien seien zum Beispiel nur zwei Prozent der Kreditgesuche nach Prüfung überhaupt für Privatanleger freigeschaltet worden (normal sind etwa zehn Prozent). Aus Mitarbeiterkreisen hieß es gegenüber Gründerszene, das Geschäft in Südafrika und Polen sei sogar „praktisch tot“ gewesen.

Lendico reagiert darauf und legt die Möglichkeit für Privatanleger, in diesen Ländern über den Marktplatz zu investieren, auf Eis. Kredite werden dort allerdings weiter vergeben, die Mittel kommen nun aber von institutionellen Anlegern, „die höhere Investitionsrisiken tragen können“, so das Unternehmen in einem Blogbeitrag.

Zu diesen institutionellen Anlegern zählen seit kurzem auch zwei deutsche Banken und zwei angelsächsische Hedgefonds, die gemeinsam „einen dreistelligen Millionenbetrag in Kredite von Lendico“ investiert hätten. Was die Lendico-Macher als „Vertrauensbeweis für das Team und die Qualität der Kredite“ interpretieren, ist gleichzeitig auch eine Abkehr vom Prinzip des reinen Peer-to-Peer-Lending, bei dem Kredite nur von Privatperson zu Privatperson vermittelt werden.

Bei Lendico sieht man darin keinen radikalen Schwenk. Privatanleger stünden noch immer im Fokus, heißt es aus dem Unternehmen, vor allem in Deutschland gebe es weiterhin einen sehr aktiven Kreis von Anlegern.

Auch auf der Kreditnehmer-Seite kündigt sich ein Umbau des Geschäftsmodells an. Statt nur an Privatpersonen vergibt Lendico bereits seit Januar Kredite auch an Selbständige. In Zukunft will das Rocket-Startup seine Zielgruppe zudem um kleine und mittlere Unternehmen erweitern.

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Das ist allerdings mehr als nur eine Anpassung des Geschäftsmodells: Es ist gleichzeitig eine Kampfansage an ein weiteres Rocket-Startup, den Unternehmens-Kreditmarktplatz Zencap. Gemeinsam betreiben die beiden Plattformen das Portal Deutsche Kreditmarktplätze. „Wir werden um einige Kunden in diesem Business konkurrieren“, heißt es in einer Mail der Lendico-Führungsmannschaft um Philipp Petrescu, Dominik Steinkühler, Christoph Samwer und Clemens Paschke an die Mitarbeiter. In dem Schreiben, das aus dem vergangenen November stammt und das Gründerszene vorliegt, klingt durch, dass sich das Verhältnis der beiden Rocket-Startups deutlich abgekühlt hat: „Wir sind informiert worden, dass es überhaupt keinen Wissenstransfer [zwischen beiden Unternehmen] mehr geben wird und dass Zencap jede Art von Zusammenarbeit verweigern wird.“

Das Kreditgeschäft in Spanien, Polen und Südafrika sowie die Betreuung der verbleibenden Märkte Deutschland, Österreich und Niederlande erledigt Lendico in Zukunft zentral von Berlin aus. Die Länderbüros in Johannesburg und Madrid werden geschlossen. Mit der „Zentralisierung der lokalen Länderaufgaben“ geht auch die Entlassung von bis zu 20 Angestellten einher. Das Lendico-Team, ursprünglich mit 50 Mitarbeitern gestartet, soll aber etwa 100 Mann stark bleiben.

Bild: Rocket Internet