LeWeb 2010, Loic LeMeur, Geraldine LeMeur

Tag zwei der LeWeb, Tag zwei des Powernetzwerkens in der Internetszene. Leider auch Tag zwei des Verkehrschaoses in Frankreichs Hauptstadt Paris. Diejenigen, die es jedoch zur LeWeb geschafft haben, konnten auch heute wieder prominenten Speakern zuhören und relevante Akteure der Szene treffen.

Paris – Eine Stadt im Chaos

Es ist beinahe etwas ironisch: Während andere Konferenzen unter mangelndem W-LAN, unmotivierten Speakern oder schlechter Organisation leiden, ist es bei der LeWeb vor allem der eigene Standort, der das Leben der beiden Organisatoren Loic und Geraldine LeMeur erschweren dürfte. Nach einigem Schneefall war es schon ein Glück, wenn man es überhaupt zur LeWeb geschafft hat. Zahlreiche Flüge wurden abgesagt, andere landeten nach zwei Stunden in der Luft wieder am Ausgangsflughafen.

Fast noch härter traf es diejenigen, die es dann doch schafften: Voll beladen mit dem eigenen Reisegepäck und mit nassen Füßen galt es, durch knöchelhohen Schnee zur nächsten (nicht ausgeschilderten) Metro-Station zu stapfen, schloßen doch schon bald alle Taxiunternehmen ihre Leitungen – „Zu viel Schnee“. Nass und bepackt dauerte es so teilweise drei Stunden, das eigene Hotel zu erreichen. Doch ein Internetgründer wäre kein Internetgründer, wenn er nicht mit jeder Widrigkeit fertig würde!

Clash of (Internet-)Cultures auf der LeWeb 2010

Okay, wenn das Rumgeheule über Wetter und Hotels mal beiseite gelassen wird, bleibt als Fazit zu ziehen, dass sich der Weg auf die LeWeb durchaus lohnt. Die Frage ist hier – wie eigentlich bei jedem Event – mit welchen Ambitionen und mit welchen Erwartungen wird die LeWeb besucht. Hört man sich beim deutschen Publikum um, gibt es meist wenig zu bemängeln, dennoch haben die meisten ein anderes Jahr LeWeb zum Favoriten. Hilfreich ist die LeWeb für jeden Gründer, der einmal die Ligen jenseits der deutschen kennen lernen möchte.

Denn je länger man durch die Gänge der LeWeb flaniert, desto deutlicher wird, welche Kulturunterschiede sich jenseits der deutschen Grenzen bemerkbar machen. Speziell die ausstellenden französischen StartUps leben eine wesentlich offensivere Kultur des Marketings, von der sich deutsche StartUps das eine oder andere abschauen könnten. Währendessen wird den bekannten Speakern teilweise Kultstatus attestiert. So schafft es ein Dennis Crowley oder ein Shai Agassi praktisch nicht ohne Gesprächsanfrage durch die Gänge.

Natürlich waren auch die Unterschiede zwischen Europa und den USA wieder Thema dieser LeWeb und man war sich praktisch einig: Europa und speziell Deutschland hätten ein zu negatives Verhältnis gegenüber dem Scheitern und würden zu lange zögern, ihre Ideen umzusetzen. Womöglich kann ein Besuch der LeWeb helfen, einen Hauch des internationalen Flairs zu atmen. Lohnen tut sich ein Besuch für diejenigen, die sich auf europäischem Level etablieren, andere Unternehmenskulturen kennenlernen oder andere Speaker als die üblichen (deutschen) Verdächtigen hören möchten. Unter professioneller Organisation ist es dann womöglich nur noch eine Frage der Kosten (und des Wetters!), ob man es zur LeWeb schafft.

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