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Nachdem 2010 vor allem das Thema Groupon die deutschen Internet-Gemüter erhitzte, stellen Lieferdienst-Vermittler eines der Boomthemen dieses Jahres dar. Für alle, die diese Entwicklung bisher nicht aufmerksam genug verfolgt haben, hat Gründerszene die wesentlichen Geschehnisse im Wettstreit zwischen Pizza.de, Lieferheld und Lieferando in einer Übersicht zusammengefasst.

Pizza.de, Lieferheld und Lieferando – Ein Dreikampf

Es sind gleich drei Namen, die darum buhlen, in deutschen Haushalten die Nummer eins zu sein, wenn der Hunger ruft. Neben Branchenprimus Pizza.de (www.pizza.de) sind mit Lieferando (www.lieferando.de) und Lieferheld (www.lieferheld.de) zwei schnell wachsende Unternehmen aktiv, auf denen verschiedene Lieferdienste aggregiert werden.

Egal ob mobil oder aus dem Web, Nutzer haben mittlerweile die Wahl, wo und von wem sie beliefert werden wollen. Und während die Anzahl abgedeckter Restaurants so etwas wie die Währung der drei Wettstreiter geworden ist, wechseln sich praktisch im Wochentakt die Newsmeldungen rund um Finanzierungsrunden, Gerichtsausgänge und Akquisitionen ab. Wer dabei am besten aufgestellt ist, bleibt bisher offen. Zur besseren Einschätzung stellt Gründerszene deshalb für alle Leser eine Übersicht der großen Drei im Lieferdienste-Rennen zusammen.

Pizza.de, Lieferdienst, Lieferdienstvermittler, Lieferdienst-Vermittler

Pizza.de dominiert bisher das Segment

Lange Zeit war die Online-Vermittlung von Essensbestellungen in Deutschland so etwas wie eine reine One-Man-Show: Gegründet im Januar 2007 bearbeitet Pizza.de das Segment seit gut vier Jahren sehr erfolgreich, indem es online Bestellungen an Lieferdienste in ganz Deutschland vermittelt und dabei auch über White-Labeling an den Umsätzen der größten Pizza-Lieferdienste Joey’s, Call-a-Pizza und Pizza-Max partizipiert. Trotz des zunächst fokussiert erscheinenden Unternehmensnamens vermittelt Pizza.de auch Speisen anderer Küchen – eine Lücke in der Markenwahrnehmung, die sich spätere Dienste zunutze machen.

Dabei ist es nicht so, dass es keine anderen Versuche gegeben hätte. Um die Jahrtausendwende wollte Snacker.de ebenfalls unterschiedliche Gastronomiebetriebe auf seiner Plattform versammeln und wurde dafür vom Frankfurter Venture-Capitalist IVC mit dem entsprechenden Kapital ausgestattet. Doch trotz einer Abdeckung von bundesweit über 3.000 Restaurants und Bringdiensten musste Snacker im Mai 2001 aufgrund von Unzuverlässigkeiten bei den Partnern aus dem Gastronomiebereich seine Segel streichen und ging in die Insolvenz.

Pizza.de konnte sich also in den letzten Jahren einer mehr oder minder unangefochtenen Marktdominanz erfreuen und entsprechende Geschäftskontakte festigen. Dass die Braunschweiger dabei auch etwas bequem und innovationsscheu wurden, darf aber als eben so wahrscheinlich gelten – ein Umstand den die aufkommende Konkurrenz seither für sich nutzen will. Welche Chancen die frisch gegründeten Lieferdienst-Vermittler dabei haben, ist noch offen. Sicher ist hingegen, dass sie schon jetzt den Wettbewerb angeheizt und verschiedene Innovationen in den Markt gebracht haben.

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Lieferando wandelt Modell und Namen

So manches war beim Start von Lieferando anders gedacht, als die Zeit es dann mit sich gebracht hat. Gegründet im Februar 2009 firmierte das junge Unternehmen zunächst als YourDelivery (www.yourdelivery.de) und fokussierte sich auf die Essens-Vermittlung im B2B-Bereich. Gegründet wurde YourDelivery von Christoph Gerber, Jörg Gerbig und Kai Hansen in Zusammenarbeit mit dem Berliner Inkubator Rheingau Ventures (www.rheingau-ventures.com).

Als Software-as-a-Service-Dienst wollte YourDelivery die Onlinebestellung von Lebensmitteln gerade für Firmen unkompliziert gestalten. Investor Ingo Drexler, der als Verwaltungsrat von Mountain Super Angel (www.super-angel.ch) fungiert, ging Ende 2009 noch davon aus, dass YourDelivery sein Glück im Firmensegment suchen würde: „Wir glauben, dass YourDelivery die Firmenkantine von morgen sein wird.”

Doch das Modell von YourDelivery erwies sich anscheinend nicht als tragfähig: Neben der womöglich nicht ausreichenden Marktgröße ist die Operations-Seite herausfordernd, wenn versucht wird, deutschlandweit Büros abzudecken. Das Versenden verderblicher Produkte zählt zu den schwierigsten Unterfangen im E-Commerce und ein gutes Netzwerk an Zulieferern ist ebenso notwendig wie eine gut funktionierende Logistik-Lösung. So wurde das Modell von YourDelivery alsbald verändert.

Mittlerweile hat YourDelivery sein Modell größtenteils geändert und hört seit Januar letzten Jahres auf den neuen Namen Lieferando, während YourDelivery für die Internationalisierung beibehalten wurde. Wie auch Pizza.de hat sich Lieferando vor allem auf Endkunden spezialisiert und bietet diesen einen Marktplatz für Lieferdienste. Nutzer können zwischen verschiedenen Küchen in ihrer Stadt wählen und direkt über Lieferando Essen bestellen. Lieferando selbst erhält dafür eine Provision.

Zu den Finanzierungsrunden von Lieferando

In seinen gut zweieinhalb Jahren Bestehen hat Lieferando dabei schon einiges an Kapital eingefahren und bringt es auf immerhin vier Finanzierungsrunden. In einer Seed-Runde stattete zunächst der Schweizer Geldgeber Mountain Super Angel Lieferando mit einer Finanzierung im sechsstelligen Bereich im Tausch gegen zehn Prozent der Anteile aus.

Gut ein halbes Jahr später gesellte sich im Juli 2010 mit dem Kölner Investor DuMont Venture (www.dumontventure.de) ein weiterer Gesellschafter hinzu, der gemeinsam mit Altinvestor Mountain Super Angel erneut eine sechsstellige Summe aufbrachte. Während mit dieser zweiten Finanzierung inbesondere die regionale Expansion weiter vorangetrieben werden sollte, sicherte eine dritte Finanzierung im Januar 2011 auch Kapital für die internationale Ausweitung von Lieferando.

Mit dieser neuerlichen Finanzierung kam es auch zur Umbenennung in Lieferando und zur Anpassung des Geschäftsmodells gen B2C-Geschäft. Der luxemburgische Geldgeber Moraún Investments, der aus dem Dunstkreis von Mountain Super Angel zu Lieferando gestoßen sein soll, tätigte dazu ein Millionen-Investment, bei dem auch DuMont Venture erneut mitzog.

Seine vorerst letzte Finanzierungsrunde vollzog Lieferando im Juli 2011 und fuhr dabei vier Millionen Euro von der KfW Bank (www.kfw.de) sowie den bestehenden Investoren DuMont Venture, Mountain Super Angel und Moraún Investments ein. In insgesamt vier Finanzierungsrunden sollen so rund sechs Millionen Euro an Investmentkapital zusammengekommen sein.

Genutzt wurde diese Summe zum einen für intensives Marketing in Form von Posterkampagnen und TV-Spots auf kleineren Kanälen, während Lieferando im Juli 2011 auch seine erste Übernahme vollzog. Für eine nicht näher spezifizierte Summe akquirierte das Berliner Unternehmen den kleinen Anbieter Eat-Star (www.eat-star.de), dessen Shops unter das Dach von Lieferando wanderten. Das im Dezember 2009 von Daniel Bosch, Uwe Kampschulte und Mark Beyer gegründete Eat-Star wurde dabei als Marke erhalten, während Eat-Star-Gründer und -Geschäftsführer Daniel Bosch das Management von Lieferando verstärkte.

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Lieferheld holt schnell auf

Im Trio der großen Lieferdienstmarktplätze bildet Lieferheld zumindest chronologisch so etwas wie den Nachzügler, startete das Unternehmen seinen Dienst doch erst Ende 2010. Schon vor dem eigentlichen Launch von Lieferheld zeichnete sich damals ab, dass Finanzier und Partner Team Europe (www.teameurope.net) auf das Essensthema setzen könnte. Die bis dahin unter dem Label “Torpedo” geführte Gründung konnte noch vor dem Start seines Angebots eine Seed-Finanzierung über eine Million Euro einfahren, die von Team Europe, Holtzbrinck Ventures (www.holtzbrinck-ventures.com) sowie einigen Business-Angels getragen wurde.

Im November sollte es dann soweit sein: Mit dem ClickandBuy-Mitgründer Fabian Siegel als Geschäftsführer, schickte sich Lieferheld an, zu den bestehenden Essensvermittlern aufzuschließen und ermöglicht es seither, Essen online zu bestellen. Anfangs noch mit etwas holpriger Optik und Usability ging es dann Schlag auf Schlag bei Lieferheld. Einem Relaunch im Februar dieses Jahres folgte ein Wettbewerb auf der Kreativplattform Jovoto (www.jovoto.com), bei der die Berliner nach ihrem inzwischen typischen Maskottchen suchten.

Auch wirtschaftlich schlug sich diese Aufholjagd nieder: Der ersten Finanzierung zur Gründung folgte im März 2011 eine weitere Kapitalspritze in Höhe von vier Millionen Euro. Neben Lead-Investor Tengelmann (www.e-tengelmann.de), beteiligten sich auch das Lieferheld-Management, Altinvestor Holtzbrinck Ventures und Mitgründer Team Europe an dieser Finanzierungsrunde A und setzten damit insgesamt einen Kapitalstock von fünf Millionen Euro für Lieferheld auf. Genutzt werden sollte diese Finanzierung für das weitere Wachstum, die Programmierung einer iPhone-App sowie verschiedene Marketingkampagnen im Fernsehen und auf Posterwänden.

Sein Wachstum beschleunigte Lieferheld darüber hinaus auch durch die Übernahme des Hamburger Wettbewerbers Foodle, das im September 2011 unter das Dach der Berliner wanderte. Gerade einmal zwei Monate nach der Eat-Star-Übernahme durch Lieferando setzte so auch Lieferheld auf ein erkauftes Wachstum seines Restaurantportfolios und einen entsprechenden Know-how-Zuwachs.

Lieferheld erhitzt die Gemüter

Seit seinem Bestehen präsentiert sich Lieferheld als recht innovativ wenn es darum geht, das Vermitteln von Essensbestellungen über das Internet effizienter zu machen. Neben der Einführung einer entsprechenden iPhone-App, über die allerdings auch Lieferando und Pizza.de bereits verfügen, setzt Lieferheld seit Mai 2011 als erster und bisher einziger deutscher Anbieter auf den Vertrieb einer UMTS-Box. Mit besagter Lieferheld-Box ist es Lieferdiensten und Restaurants auf Basis einer UMTS-Verbindung möglich, zeitnah Kundenbestellungen entgegenzunehmen und die Lieferzeit zu bestätigen – wahlweise per E-Mail, SMS oder zum Teil direkt auf der Internetseite von Lieferheld. Bisher setzten Lieferdienste und Restaurants für diesen Prozess auf das Telefon oder Faxgeräte – mit der aus Schweden stammenden Innovation will Lieferheld dies fortan ändern.

Dass Lieferhelds Vorgehen nicht allen Wettbewerbern schmeckt, spiegelt sich in verschiedenen Gerichtsterminen wider. Bereits im Januar 2011 – gerade einmal zwei Monate nach der Gründung von Lieferheld – zeigte Pizza.de den Lieferdienst-Vermittler gemeinsam mit Lieferando an, weil beide Unternehmen Speisekartendaten von den Braunschweigern kopiert haben sollen. Das vorerst letzte Kapitel in Sachen Rechtsstreits fand im letzten Monat sein Ende. Im Streit um die Abwicklung von Online-Zahlungen bekam Pizza.de von gerichtswegen Recht, dass für Onlinezahlungen eine Zahlungsdienstleistungs-Lizenz von der BaFin (www.bafin.de) notwendig sei. Ein überaschendes Urteil, das auf Pizza.de das Bild eines innovationsfeindlichen Unternehmens wirft und durch das auch andere Onlineanbieter, die Zahlungen für Dritte vorhalten, ihre Onlinezahlungen einstellen müssten.

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Ob es so hitzig zwischen den Lieferdiensten weiter geht, wird die Zukunft zeigen. Schon jetzt hat die neue Konkurrenz auf jeden Fall für Bewegung im Segment gesorgt und einiges an Innovationskraft freigesetzt. Wer am Ende die Nase vorne hat, wird eine ebenso spannende Frage sein wie das anstehende Thema Internationalisierung – wann bläst der erste Lieferdienst-Vermittler auch international zum Großangriff?

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