Stefanie Gärtner (links) und Rabea Knippscheer

Die Hacker-Szene um Ikea wächst seit Jahren: Auf Blogs und Zeitschriften findet man etliche Ideen, wie man die Standard-Möbel individualisiert und aufmotzt. Limmaland aus Köln will Ikea-Möbel nicht schöner und individueller machen, sondern findet ganz neue Verwendungszwecke für sie: Mithilfe von Klebefolien können Regale und Tische von Ikea zu bunten Spielflächen umgestaltet werden. So wird beispielsweise das Billy-Regal zum bunten Kaufmannsladen und die Malm-Kommode zum Puppenherd.

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Die Gründerinnen Stefanie Gärtner und Rabea Knippscheer sind langjährige Freundinnen. Ihre Jobs bei der Deutschen Telekom und Procter & Gamble kehrten beide 2014 den Rücken als ihnen in Gesprächen mit Freunden die Idee für Limmaland kam. Viele Eltern schwärmten von den kreativen Do-It-Yourself-Anleitungen auf Blogs und in Zeitschriften, mit denen aus einfachen Ikea-Regalen zum Beispiel ganze Puppenhäuser wurden. Aber: Vielen von ihnen fehlte schlichtweg die Zeit für solche Basteleien.

Also erfanden Gärtner und Knippscheer die maßgeschneiderte Klebefolien, deren Name vom schwedischen limma, zu Deutsch kleben, kommt. „Die Geschäftsidee entwickelte sehr schnell eine Eigendynamik“, erzählt uns Gründerin Stefanie Gärtner im Gespräch. Beide Gründerinnen hatten genügend Eigenkapital gespart und viel Elan, um etwas eigenes zu starten.

Auch wenn die beiden keine eigenen Kinder haben, dienen ihnen die Kinder aus dem Freundeskreis als Inspiration. „Wir lieben Kinder und lassen uns gerne von ihrer kindlichen Kreativität anstecken“, sagt Rabea Knippscheer. Bei der Entwicklung der Folien, befragten sie ständig die Kinder, was sie sich überhaupt wünschen. Zum Beispiel bei der Flugzeug-Landebahn: Ein Junge in ihrem Bekanntenkreis habe genaue Vorstellungen gehabt, welche Funktionen sie erfüllen müsse und lieferte so schließlich die Vorlage für die entsprechende Klebefolie.

Den Eltern war es wichtig, dass die Folien frei von Chemikalien sind und sich ohne den Untergrund zu beschädigen von Wänden und Möbeln wieder ablösen lassen. Deshalb werden die Folien mit Öko-Farbe von einem deutschen Marken-Hersteller gefertigt und entsprechen den hohen EU-Auflagen für Kinderspielzeug. „Kinderspielzeug wie Lego oder Schleich-Tiere haben einen riesigen Absatzmarkt. Aber passende Untergründe dazu, auf denen man spielen kann, gibt es eigentlich gar nicht“, sagt Gärtner.

Limmaland wollen die beiden mit vielfältigen weiterführenden Webseiten-Inhalten als Marke etablieren. Kunden sollen nicht nur Folien kaufen, sondern Teil einer Fan-Gemeinde werden. Trotz vorgefertigter Folien wollen die Gründerinnen zu mehr Kreativität anzuregen.

Mit anderen Unternehmern aus dem Umfeld sei man in gutem Kontakt. Mit New Swedish Design, einem Startup aus Potsdam, das Zubehör wie Wickelauflagen zu Ikea-Möbeln verkauft, kooperiert Limmaland im Marketing. Die beiden Gründerinnen sehen bisher keine Konkurrenz: Die Szene der Ikea-Hacker sei zwar groß, die Nische Kinderzimmer sehen sie aber als ihr Hoheitsgebiet.

Zwar ist Deutschland der größte Markt für Ikea, die Gründerinnen haben aber auch schon mehrere Anfragen aus dem dem Ausland erhalten. Deswegen verkaufen die beiden ihre Folien auch über den DaWanda-Konkurrenten Etsy. Angaben zu Umsatz oder Kundenzahlen wollen die Gründerinnen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht machen. Nur so viel: 2016 würde das Umsatzvolumen um mindestens 300 Prozent zum Vorjahr wachsen. In den nächsten Monaten wollen die Gründerinnen ein Limmaland-Team aufbauen.

Bilder: Limmaland