Na, Startupszene. Ich bin der Christian. Zu Dir oder zu mir?

Das neue Jahr war erst drei Tage alt, da konnte man bereits auf Xing lesen, dass FDP-Chef Christian Lindner bei seiner Linie bleibt. Mehr Startups braucht das Land. Diesen Sound pflegte der Mann, der die FDP zurück in den Deutschen Bundestag bringen will, bereits im vergangenen Jahr. Zum Beispiel auch auf der Heureka-Konferenz von Gründerszene. Zur DNA der Freien Demokraten gehört unter anderem eine unternehmerfreundliche Politik. Lindner will zurück zu diesen Wurzeln. Aber vor allem zurück zum Erfolg und in die Parlamente. In der jungen Szene der neuen Unternehmergeneration vermutet der Politiker seine potentiellen Wähler und umwirbt sie mit Aussagen wie: „Höchste Zeit, dass wir den Pionieren der deutschen Wirtschaft nicht länger Steine in den Weg legen, sondern sie auf ihrem Weg ermutigen. Denn die Weichen für ein Leben von morgen im Wohlstand werden schon heute gestellt.“

Viel Neues fiel dem FDP-Frontmann dabei allerdings nicht ein – was vielleicht auch ein Beleg dafür ist, wie wenig sich in den vergangenen Monaten hinsichtlich Gründungen und Digitalisierung getan hat. Auf dem Weg zu einem startupfreundlichen Land sieht Lindner vor allem vier Missstände, die es zu beseitigen gilt:

  • 1. Uns fehlt eine Kultur des Scheiterns.
  • 2. Uns fehlen angemessene Regeln für Investitionen in Startups und ein Wagniskapital-Gesetz.
  • 3. Uns fehlt ein modernes Lernumfeld mit Lehrerinnen und Lehrern, die genauso vertraut mit den neuen Technologien sind, wie wir es uns von den Kindern wünschen.
  • 4. Uns fehlt ein Einwanderungsgesetz, das an den Interessen des Arbeitsmarkts ausgerichtet ist und aktiv auf der ganzen Welt um die besten Köpfe wirbt.

Die fehlende Kultur des Scheiterns hatte Lindner am eigenen Leib erfahren, als ein Landtagsabgeordneter ihn während einer Debatte süffisant an sein gescheitertes  Startup erinnerte. Lindners Replik auf diesen Angriff wurde im vergangenen Jahr zum Hit auf Youtube. Lindner: „Seither versuchen politische Wettbewerber immer wieder, mir dieses Scheitern eines Unternehmens vorzuwerfen. Leider kein Einzelfall.“ Resultat dieser fehlenden Kultur des Scheiterns ist laut Lindner mangelnder Unternehmergeist und Mut. Junge Leute in Deutschland wollten eher in die sicheren Arme eines großen Unternehmens oder des Beamtentums, als selber eine Firma zu gründen.

Das Geld für Investitionen in Startups sei laut Lindner in Deutschland vorhanden. Gerade in unseren Zeiten von niedrigen Zinsen. Zwei Billionen Euro hätten die Deutschen auf der hohen Anlagekante. Eine „Allianz für Venture Capital“ würde für Abhilfe sorgen und nur „bei adäquaten Rahmenbedingungen landet das Geld dort, wo es hilft und Chancen schafft“, so der FDP-Chef.

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Ein Update bräuchten laut Lindner auch die Köpfe in unserem Land: „Blickt man in die Schulen, herrscht trotz Smartphones und Tablets immer noch im wahrsten Sinne des Wortes Kreidezeit.“ Es mangele bei der Ausstattung, aber auch bei der Lehrerschaft, die beim digitalen Knowhow den eigenen Schülern hinterherhinken würde.

Zudem müsste fehlendes Personal weltweit angeworben werden und mit einem neuen Einwanderungsgesetz die Immigration von gut ausgebildeten Arbeitnehmern erleichtert werden.

Auch Politiker anderer Parteien haben inzwischen verstanden, dass die Digitalisierung ein Hebel sein kann, um jüngere Menschen an die eigene Partei zu binden. Und um die eigene Karriere zu befördern. Peter Tauber, Generalsekretär der CDU, oder Lars Klingbeil, Bundestagsabgeordneter der SPD, sind auf diesem Gebiet sehr aktiv, haben sich als Freunde der Startup-Szene etabliert und versuchen, ihre Parteien für dieses Thema zu sensibilisieren und zu begeistern. Ein steiniger Weg, wie sich im vergangenen Jahr auf Digital-Konferenzen der großen Volksparteien gezeigt hat.

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