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Mikko Alasaarela, Chef der Softwareschmiede Linko

Linko, ein finnisch-amerikanisches Startup in Berlin

Bei Linko sind die Hierarchien flach und die Mitarbeiter haben viel zu sagen. Wer eine Weile in der Firma ist, wird automatisch mit Unternehmensanteilen belohnt. Für Gründer Mikko Alasaarela war klar, dass nicht er allein über die Standortwahl entscheiden würde. Alasaarela ist ein finnischer Seriengründer und Investor, er hat in London, Berlin, San Francisco und Helsinki gelebt, das Sales-Software-Startup Linko ist seine siebte Gründung. „Wo wollt ihr arbeiten?“, fragte er sein Team. „Finnland, Deutschland, USA?“ Linko ist in den USA registriert, die Entwickler kommen aus Holland, Polen, Finnland und Irland. Niemand kommt aus Deutschland.

Die Mehrheit entschied sich für Berlin.

Also ging Linko im Herbst 2013 in die deutsche Hauptstadt, mietete ein Penthouse an der Torstraße und stopfte die Räume voll mit Sofas und Sitzecken. „Es soll bloß nicht nach Büro aussehen“, sagt Alasaarela, als er während der Einweihungsfeier durch den Sitzungsraum führt, der tatsächlich eher wie eine Ikea-Küche aus dem Edelsegment wirkt.

Linko kann sich solchen Luxus leisten. Eine Reihe von Business Angels haben in einer Seed-Runde 2,6 Millionen US-Dollar in das Startup investiert. Alasaarela organisierte die Finanzierung, nachdem er das finnische Sales-Software-Startup Deal Machine übernommen hatte. Deal Machine wollte Customer Relationship Management (CRM) zu einem spielerischen Wettbewerb und damit attraktiver machen für Sales-Leute – fand jedoch nicht genügend zahlende Nutzer.

Die Idee: CRM über das Smartphone

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Auch mit Linko will Mikko Alasaarela die Art und Weise verändern, wie Firmen ihre Verkaufsaktivitäten organisieren. „Linko sammelt die Aktivitäten der Sales-Leute in den verschiedenen Apps auf ihren Smartphones und streamt diese Daten zum jeweiligen Unternehmen. Im Prinzip packen wir um den ganzen Content, den die Leute generieren – in Dokumenten, Emails, Anrufen, Meetings und so weiter – einen Metadaten-Briefumschlag: Um wen und was geht es, wo passiert es und wann, welchen Wert hat es und wie lange hat es gedauert.“

Der Vorteil: Weil die Nutzer ihre eigenen, bisherigen Apps nutzen und selbst entscheiden können, was sie mit der Firma teilen, kommen letztlich mehr Daten für das Unternehmen zusammen. Alasaarela glaubt: „Wenn eine Firma auf ihre Sales-Statistik guckt und da ist nichts bei einer bestimmten Person, dann wird sie sich überlegen, sie zu feuern. Linko bringt die Leute dazu, so viel wie möglich mit ihrem Unternehmen zu teilen.“

Diesmal scheint der Ansatz aufzugehen. Ein Jahr nach der offiziellen Gründung im Januar 2013 ist die Nachfrage überwältigend: Fast 2.000 Firmen stehen auf der Warteliste, denn mehr als 50 Unternehmen kann das Startup derzeit im Test-Betrieb nicht unterbringen. Kam der Ansturm überraschend? „Total“, sagt Alasaarela. „Wir hatten ja keine Vorstellung.“ Und er erzählt von einem spanischen Weingut, das von Linko gehört hatte und sie kontaktierte. „Wir haben sie gefragt: Nutzt ihr überhaupt Mobile? Und sie haben geantwortet: Oh ja, alle unsere Sales-Leute nutzen iPads als Hauptcomputer und dazu Androids, iOS und Blackberrys.“

Eine Übernahme und Reibereien mit der Bürokratie

Linko rüstet zudem seine Technologie auf: Zum Jahresbeginn wird das Berliner Startup Localstream der beiden Ex-Nokia-Entwickler Mark MacMahon und Jilles van Gurp aufgekauft. Das Zwei-Mann-Team werkelt an einer Lösung, mit der Ortsdaten und Web-Inhalte, die zu diesem Ort verfügbar sind, sinnvoll verknüpft werden. „Localstream ist ein Technologie-Unternehmen“, erklärt MacMahon. Wir waren eher schwach, was das Business Development anging.“ Das soll nun mit der Integration in die Linko-Software gelingen, die damit um ortssensitive Informationen ergänzt wird. Alasaarela kündigt an: „Das wird nicht die letzte Akquisition gewesen sein. Wir kennen einige coole tech folks hier in Berlin.“

Das war auch ein Grund, warum Mikko Alasaarela nicht unzufrieden war mit der Mehrheitsentscheidung seiner Mitarbeiter. Berlin als vermeintliche Startup-Hype-Stadt war ihm egal. „Es ging eher darum, dass wir Top-Entwickler finden wollten“, sagt der Finne. „Helsinki hat einen guten Ruf, aber es ist unglaublich schwierig, talentierte Leute zu finden, weil es nur wenige Superstars gibt – und die arbeiten bereits bei Supercell. In Berlin ist das einfacher.“

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Was in Berlin nicht einfacher ist: der Umgang mit der Bürokratie. Fast einen Monat brauchte Alasaarela für die Registrierung seiner Firma. „Die Bürokratiebelastung ist eine ziemliche Bürde, verglichen mit den USA und Finnland.“ Dort könne man die meisten Sachen online erledigen. „Hier wird immer mit Papier gearbeitet. Und immer geht man zuerst zum falschen Amt.“ Für die Gewerbeanmeldung marschiert Alasaarela zu fünf verschiedenen Ämtern. „Immer wurde ich zum nächsten Büro geschickt. Und es war nie das richtige. Was soll das alles?“

Dann die Suche nach einem Steuerberater: Er versucht es beim bundeseigenen Investorenservice Germany Trade & Invest. „Das sind nette Leute dort, aber konkrete Ratschläge? Nichts. Nutzloser Scheiß.“ Er bekommt eine Liste mit den größten Wirtschaftsprüfern. „Was soll das? Die kann ich selbst googlen. Ich suche einen Englisch sprechenden, auf international aufgesetzte Startups spezialisierten Steuerberater. Ich habe immer noch keinen.“

Die Krönung: Weil Linko als in der USA gemeldete Firma keine Handelsregister-Nummer hat, konnte das Startup kein Bankkonto bekommen. Und ohne Bankkonto drohte der Stromversorger, die Elektrizitätsversorgung abzudrehen. Die Hausverwaltung sprang ein. Die langfristige Lösung des Problems bringt dann kurioserweise die Übernahme von Localstream: Das Startup ist als deutsche UG verfasst und hat natürlich ein Bankkonto – das Linko nun übernehmen kann.

Bild: Gründerszene