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Das Liqid-Gründungsteam: Paul Becker, Arne Zeising, die Geschäftsführer Christian Schneider-Sickert und Kyros Khadjavi sowie Jonas Tebbe (von links)

Automatisierte Geldanlagen, etwa durch Robo-Adviser, sollen die Anlageform der Zukunft sein, heißt es immer wieder. Und zumindest auf dem Papier ist das schnell und schlüssig dargelegt: Weil Algorithmen Geld in Fonds investieren, die selbst auch nicht von echten Menschen gesteuert werden, fallen keine nennenswerten Kosten an – und die Computer können schnell auf alle möglichen Entwicklungen reagieren. Entsprechend gering sind Risiko und Gebühren und entsprechend hoch ist die Rendite beim Kunden.

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Während sich junge Unternehmen wie Scalable Capital oder das schweizerische Whitebox auch schon gut am Markt aufgestellt sehen, sieht die Realität allerdings noch etwas anders aus als das Konzept auf dem Papier. Zumindest was die Kosten im internationalen Vergleich angeht: So hat eine Untersuchung des Portals robo-advisor.de gerade ergeben, dass deutsche Anbieter im Schnitt 144 Prozent teurer sind als amerikanische Anbieter. So würden die Durchschnittskosten in den USA bei jährlich 0,24 Prozent des angelegten Vermögens liegen, hierzulande bei 0,61 Prozent. Um die Masse erreichen zu können, brauche es also einen Preiskampf hierzulande, folgert das Portal.

Liqid will bei wohlhabender Klientel punkten

Anderer Ansatz: der Schritt in die hochmargige Nische. Den ist das Berliner Startup Liqid bereits gegangen. Wer dessen Dienste in Anspruch nehmen will, muss schon mindestens eine sechsstellige Summe mitbringen. Entsprechend bezeichnet sich Liqid auch nicht als Robo-Adviser, sondern als digitaler Vermögensverwalter. „Wir sind zwischen der Bank an der Ecke und Privatbanken“, hatte es Firmengründer und Geschäftsführer Christian Schneider-Sickert gegenüber Gründerszene formuliert. Im Hintergrund werkelt dabei das Vermögensmanagement der Familie Harald Quandt – und ein zusammen mit den Universitäten in Zürich und St. Gallen entwickelter Algorithmus.

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Gerade hat das Fintech Liqid eine neue Finanzierungsrunde abgeschlossen. Insgesamt 4,5 Millionen Euro an Wachstumskapital fließen in das Anfang 2015 gegründete Jungunternehmen. Rund 10 Millionen Euro erhielt Liqid seit dem Start für den Aufbau seines Angebots für wohlhabende Privatanleger. Kapitalgeber der jüngsten Finanzierungsrunde sind die bestehenden Gesellschafter: der Berliner Frühphaseninvestor Project A Ventures, das Family Office der Familie Harald Quandt, Dieter von Holtzbrinck Ventures sowie der Corporate Venture Capital Fonds der Berliner Volksbank.

Neben der Produktpalette im Bereich illiquide Anlageklassen – etwa Private Equity oder Immobilien, beides seit Jahren im Fokus der Quandt-Erben – will das Startup vor allem das zurzeit 30-köpfige Team ausbauen. Klarer Fokus liege dabei auf „der Verpflichtung weiterer digitaler Kompetenz“. Erklärtes Ziel des Berliner Teams: die Technologie-Führerschaft unter den digitalen Vermögensverwaltern auszubauen.

Bild: Liqid