Lisa Jaspers ist die Gründerin von Folkdays

Für unser Treffen hat Lisa Jaspers ein neues Café im Berliner Stadtteil Kreuzberg vorgeschlagen. An der Theke bestellen wir Kürbissuppe und Wasser. Eine Frau tippt Jaspers an: „Wo haben Sie denn Ihr schönes Oberteil her?“, fragt sie vorsichtig und zeigt auf den leuchtend blauen Kimono, den die Gründerin trägt. „Der ist von meinem eigenen Label“, antwortet Jaspers. Sie zieht eine Visitenkarte  aus ihrer Tasche und überreicht sie der Frau. „Folkdays“ steht dort in großen Buchstaben, so heißt das Startup von Lisa Jaspers.

Über ihren Shop verkauft die 32-jährige Berlinerin Kissenbezüge, Ledertaschen, Ketten, Panama-Hüte oder Kaschmir-Schals – alles aus nachhaltiger und fairer Produktion. Besonders beliebt ist ein goldener Messing-Ring, der in Kambodscha aus alten Geschosshülsen hergestellt wird. Der Gedanke: Die Herstellung soll es den Produzenten ermöglichen, einen Gegenstand, der an schreckliche Zeiten erinnert, in etwas Schönes zu verwandeln.

Jaspers gründete Folkdays Ende 2013 gemeinsam mit der Textildesignerin Heidi Winge Strøm und dem Juristen Kimon Haars. 50.000 Euro von Freunden und ihrer Familie sowie 30.000 Euro aus eigenen Ersparnissen steckte Jaspers, die als einzige Gründerin Vollzeit für Folkdays arbeitet, in ihr erstes eigenes Unternehmen.

„Ich fand immer, dass es kaum schöne Mode gibt, die fair hergestellt ist“, erzählt Jaspers, die nach ihrem Studium an der London School of Economics mehrere Jahre für die Hilfsorganisation Oxfam arbeitete. „Mit Folkdays wollte ich diesem trutschigen Öko-Markt ein neues Gesicht geben und coole Mode anbieten, die auch junge Menschen tragen wollen.“ Über die World Fair Trade Organisation suchte Jaspers nach Händlern, die Produkte nach ihrem Geschmack herstellten. Sie reiste nach Bolivien, Indien und Bangladesch, um die Menschen vor Ort persönlich kennenzulernen, die Stoffe anzupassen und die Produktion abzustimmen. Für die Herstellung ihres blauen Kimonos betreute sie beispielsweise die Seidenmanufaktur Color Silk im kambodschanischen Phnom Penh.

Heute, etwa zwei Jahre nach dem Start, sind ingesamt 28 Hersteller aus 14 Ländern auf Folkdays vertreten. Nicht jede Produktionsstätte hat Jaspers besucht, sie kennt aber jeden Hersteller persönlich. Die Gründerin versucht, pro Jahr in ein bis zwei neue Länder zu reisen, um neue Produzenten zu treffen. Einfach ist die Suche nicht: Viele Hersteller treffen nicht Jaspers Geschmack – auch die Qualität stimmt nicht immer. „Es gibt zwar immer mehr Menschen, die darauf achten, wo ihre Sachen hergestellt werden“, ist Jaspers überzeugt. „Aber ich weiß auch, dass das Design der ausschlaggebende Grund für den Kauf ist.“

Mit ihren Produkten möchte Jasper Frauen überzeugen, die auch die gehypten Labels Acne und Mansur Gavriel oder die Naturkosmetik von Aesop schön finden. Trotz fairer Herstellung soll alles bezahlbar bleiben. „Folkdays soll für die Kunden eine Alternative zu Cos sein, auch wenn wir etwas über deren Preisen liegen“, sagt sie. So kostet der blaue Kimono beispielsweise 159 Euro, der goldene Ring aus Messing 45 Euro. Anfragen von Händlern, die ihre Produkte offline verkaufen wollen, hat die Gründerin bisher immer angelehnt. „Offline lohnt es sich für uns nicht, weil die Händler unsere Marge zu stark drücken würden.“ Jaspers größte Herausforderung ist, ihr Startup und die Marke bekannt zu machen. Einige Kunden gewinnt sie über Facebook oder Instagram, in Popup-Stores präsentiert sie ihre Produkte zeitweise auch offline. In Hamburg ist Ende November ein solcher Store geplant, in Berlin Mitte Dezember.

1.000 Kunden hat Folkdays bisher gewonnen, 45 Prozent kaufen wieder, die wenigsten Kunden schicken ihre Ware zurück. 2014 erwirtschaftete Jaspers 80.000 Euro, in diesem Jahr liegt der Umsatz bei rund 200.000 Euro. Investoren dürfte das Konzept von Lisa Jaspers nicht auf Anhieb überzeugen. Häufig werde sie gefragt, wie sie einen Shop mit ausschließlich handgefertigten Produkten skalieren will, erzählt sie schmunzelnd. „Das Gute ist: Ich suche gar nicht nach Investoren“, sagt Jaspers. „Ich war schon immer eine schlechte Angestellte und genieße es sehr, keinen Chef zu haben.“


Übrigens: Die Gründerin von Edition F, Nora-Vanessa Wohlert, hat Lisa Jaspers für ein Video-Interview getroffen.

Bild: Hannah Loeffler / Gründerszene