Lisk-Gründer Max Kordek

Nach dem Erfolg will Max Kordek jetzt auch mal seinen Mitgründer persönlich kennenlernen. Seit Monaten arbeitet er zusammen mit Oliver Beddows an einer dezentralen Plattform für App-Entwickler. Kordek ist 24 und Beddows Ende 30. Der eine sitzt in Aachen, der andere im britischen Walsall. „Wir stehen von morgens bis abends ständig in Kontakt, skypen öfter – ich vertraue Oliver einfach, auch ohne ihn getroffen zu haben“, sagt Kordek. Ihre Berater sitzen ebenfalls überall auf der Welt verteilt, in Russland, Israel und den USA.

Es ist eines von vielen Details, die einer Erklärung bedürfen, um diese unglaubliche Geschichte zu verstehen. Kordek ein „College Droupout“ – so bezeichnet er sich selbst – und hat bis zur Gründung von Lisk an der RWTH Aachen Elektrotechnik studiert. Seit einigen Jahren beschäftigt er sich mit Kryptowährungen, zu denen auch Bitcoins gehören. „Ich vertraue unserem Finanzsystem oder den Banken einfach nicht mehr“, erklärt er. Kryptowährungen ließen sich immer nachverfolgen und könnten nicht von Staaten oder Unternehmen manipuliert werden.

Ein Online-Casino ohne Manipulation

Die Bitcoin-Philosophie steht auch hinter Lisk, ihrem gemeinsamen Startup. Über die Plattform können sogenannte Dapps entwickelt werden, also dezentrale Apps. „Die Applikationen können auf dem Smartphone, aber auch auf einem Computer benutzt werden“, sagt Kordek. Was daran besonders ist: Die Daten werden per Blockchain-Technologie auf einer sogenannten Sidechain gespeichert.

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Alle Daten liegen also nicht zentral auf einem Server – und sind dadurch nicht manipulierbar. „Wer beispielsweise ein Online-Casino entwickelt, kann sich sicher sein, dass niemand die Daten verändert oder manipuliert“, sagt Kordek. Der Staat kann das Casino nicht vom Netz nehmen. Auch Marktplätze, auf denen die Nutzer per Kryptowährung zahlen, lassen sich entwickeln.

Ein weiteres Beispiel wählt Max Kordek aus dem Internet-of-Things-Bereich. „Wer verschiedene Sensorwerte auf einem Marktplatz kaufen will, kann so sicher sein, dass die Daten in der Blockchain nicht verändert wurden“, sagt der Lisk-Gründer.

Die Sidechains verwendet Lisk, um zu verhindern, dass die vielen Daten auf einer einzigen Blockchain gespeichert werden. Denn diese dezentrale Datenbank würde sehr schnell sehr groß werden. Das System bringe „erhebliche Freiheiten für die Entwickler, da die Sidechain nach eigenen Wünschen verändert werden kann“, schreibt Kordek. Lisk sei die erste Plattform, die diese eigenen Sidechains für die Entwicklung von dezentralen Applikationen ermögliche.

Die Geldgeber glauben an den Durchbruch

Weil sie an dieses Modell glaubten, entwickelten die beiden Gründer das System aus einem Open-Source-Code. Und fragten die Community nach Geld – in einem sogenannten ICO, was für Initial Coin Offering steht. Von einem IPO, also dem Börsengang, unterscheidet sich das System deutlich. Die Anleger können wie bei einer Crowdinvesting-Kampagne während eines bestimmten Zeitraums Geld in das Unternehmen stecken. Rein rechtlich handelt es sich dabei um Spenden. Ist der ICO beendet, verteilt das Unternehmen eine bestimmte Menge an Lisk-Tokens an die Crowd. Diese Menge lässt sich danach nicht mehr von außen verändern.

Die Tokens dienen etwa als eigene Kryptowährung in den Lisk-Dapps. „Die Anleger hoffen aber auch, dass Lisk durch die Decke geht – und ihre Tokens massiv an Wert zulegen“, sagt Kordek. Die Tokens seien damit ein beliebtes Spekulationsobjekt.

Für die Lisk-Tokens zahlen die Anleger in Bitcoins, die das Startup erhält. Der Wert: etwa fünf Millionen Euro. 3.900 Anleger haben sich beteiligt. Von dem Geld haben die Gründer bereits einen Community Manager eingestellt, weitere sollen dazu kommen. Gerade suchen sich nach geeigneten Entwicklern. „Mit den fünf Millionen kommt man schon mal relativ weit, damit lässt sich ein gutes Team aufbauen“, sagt Kordek. Mehr als das eingesammelte Geld gibt es dann für Lisk allerdings nicht, denn die Menge der Token wird am Anfang festgelegt.

Bild: Lisk