Das Locca-Team (Julian Breitenecker in der Mitte)

Das Locca-Team (Julian Breitenecker in der Mitte)

Locca: „Die Löwen sind als Investoren schon sehr eigen“

Diesen Dienstag trat Julian Breitenecker, Gründer des Startups Locca, bei „Die Höhle der Löwen“ auf: Für 350.000 Euro wollte er 7 Prozent der Firmenanteile an die Löwen abgeben. Nach einigem Hin und Her stimmte Breitenecker zu, Frank Thelen, Jochen Schweizer und Vural Öger für den selben Betrag 14 Prozent der Anteile zu überlassen.

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Doch obwohl die Sendung schon im Februar aufgezeichnet wurde, ist das Geld der drei Investoren bei dem Wiener Unternehmen, das kleine Ortungsgeräte produziert, mit denen sich beispielsweise Hunde oder Kinder per GPS lokalisieren lassen, noch nicht angekommen.

Im Interview erklärt Breitenecker, warum die drei Löwen ihr Geld noch nicht überwiesen haben, welche Komplikationen es gibt und wieso er überlegt, den Deal platzen zu lassen.

Julian, Ihr habt bei „Die Höhle der Löwen“ 14 Prozent der Geschäftsanteile für 350.000 Euro an Frank Thelen, Jochen Schweizer und Vural Öger abgegeben. Habt Ihr das Geld schon bekommen?

Nein, der Deal ist noch nicht zustande gekommen.

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Warum nicht?

Aus Sicht der Löwen war nicht eindeutig geklärt, wo die Rechte für den gesamten Quellcode für das Betriebssystem von Locca liegen. Wir haben teilweise auf bestehendem Quellcode eines Entwicklungshauses aufgebaut, teils spezifisch für die Locca-Funktionalitäten entwickelt. Die Rechte für den Teil, den Locca ausmacht, wie Ortung und Energieeffizenz liegen natürlich zu 100 Prozent bei Locca. Für den Teil, der schon zur Verfügung stand, haben wir nur die Nutzungsrechte, besitzen den Code jedoch nicht. Man besitzt als Produzent von Computern ja auch nicht den Quellcode des Microsoft-Betriebssystems.

Es klingt nicht so, als könntest Du die Forderung der drei Löwen nachvollziehen.

Stimmt, ich kann es nicht ganz nachvollziehen. Aber wir strukturieren die Entwicklung gerade so um, dass es keine Zweifel mehr gibt an der Rechteverteilung. Wir haben den Due-Diligence-Prozess mit den Löwen deswegen wieder gestartet.

Hat man solche Probleme und Diskussionen nicht häufiger mit Investoren?

Die Löwen sind als Investoren schon sehr eigen, weil sie die Due Diligence nicht marktüblich abwickeln. Manche Dinge kann man nicht per Email erledigen. Um einen Code-Review, also die Überprüfung der Software, durchzuführen, sollte man einmal zu uns nach Wien kommen und alles durchschauen. Man kann nicht acht Jahre Entwicklung per Email versenden. Ich würde einen CEO auf der Stelle feuern, wenn er so leichtfertig mit geistigem Eigentum umgehen würde.

Gibt es Alternativen zu den Löwen?

Uns haben seit der Aufzeichnung rund vierzig weitere Investoren angefragt – einige davon zeigen konkretes Interesse und sind auch schon in den Verhandlungen mit uns weiter fortgeschritten. Andere finden uns einfach nur geil.

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Heißt das, dass der Deal mit den Löwen möglicherweise noch platzen könnte?

Ja, das könnte passieren. Die Löwen haben die Verhandlungen ja bereits abgebrochen. Wir sind nun vor einigen Wochen wieder an sie herangetreten. Wir haben den Löwen 14 Prozent der Anteile an Locca für 350.000 Euro gegeben. Eigentlich wollten wir den selben Betrag für 7 Prozent der Anteile abtreten. Mittlerweile haben wir Angebote von Investoren bekommen, die unsere anfängliche Forderung sogar bei weitem übersteigen.

Wofür wollt Ihr das Geld der Investoren verwenden?

Für die Entwicklung unseres zweiten Produkts, das Locca Phone. Das ist ein Notfalltelefon, mit dem sich die genaue Position von kleinen Kindern oder älteren Menschen ermitteln lässt.  Außerdem wollen wir das Team vergrößern und mehr Geld ins Marketing investieren.

Auch wenn der Deal mit den Löwen nicht zustande kommen sollte: Hat es sich für Euch trotzdem gelohnt, an der Sendung teilzunehmen?

Definitiv. Ich bereue die Aktion auf keinen Fall. Wir hatten seit der Ausstrahlung unglaublich viel Traffic auf der Seite, viele Zuschriften, viele neue Facebook-Fans – und alleine in drei Tagen rund 500 Bestellungen.

Also würdest Du auch anderen Gründern die Teilnahme an einer Startup-Show wie „Die Höhle der Löwen“ empfehlen?

Ich würde es tatsächlich jedem Startup empfehlen, weil es für das Marketing der Wahnsinn ist. Und bei allen anderen Teilnehmern von „Die Höhle der Löwen“, mit denen ich gesprochen habe, sind die Deals auch tatsächlich zustande gekommen. Nur bei uns scheint der Fall komplizierter zu sein.

Vielen Dank für das Gespräch, Julian.

Bild: Locca