Ein Teil des Teams von Lock8

Es gab eine Zeit, da wurde das intelligente Fahrradschloss des deutsch-britischen Startups Lock8 gefeiert. Vor zwei Jahren gewannen die Gründer Franz Salzmann und Daniel Zajarias-Fainsod den Pitch-Wettbewerb auf der Berliner TechCrunch Disrupt. Etwa zur gleichen Zeit startete ihre Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter. Mindestens 50.000 Pfund wollten die beiden Gründer für die Produktion ihres Fahrradschlosses einsammeln, das per App kontrollierbar sein sollte. Einen Monat später erreichten sie ihr Ziel, insgesamt kamen über 60.000 Pfund von mehr als 700 Unterstützer zusammen.

Und nicht nur die Crowd unterstützte das Projekt: Lock8 sammelte im November 2013 eine Millionensumme von Horizons Ventures aus Hong Kong und Otto Capital aus den Niederlanden ein. Auch Business-Angel Christophe Maire beteiligte sich. Im Mai 2014 sollte dann die Lieferung der Schlösser beginnen. Geplant war laut Salzmann, diese beim höchst umstrittenen Elektronik-Giganten Foxconn zusammenbauen zu lassen.

Doch dazu kam es nie. Nun, fast anderthalb Jahre später, ist die Lock8-Webseite leer. Unter dem Kickstarter-Projekt findet sich ein Update:

Liebe Unterstützer! [...] Heute wissen wir sicher, dass wir nicht dazu in der Lage sein werden, unser Versprechen in vorhersehbarer Zukunft zu erfüllen. Deswegen haben wir uns dazu entschieden, das Geld an alle verbliebenen Unterstützer zurückzuzahlen. [...]

Es gibt Verständnis:

Doch einige frühere Geldgeber hinterlassen wütende Kommentare auf der Facebook-Seite des Unternehmens und unter dem Kickstarter-Update. Sie beschweren sich, sie hätten trotz der Ankündigung kein Geld zurückerhalten und wären schlecht informiert. Einer schreibt beispielsweise, er fühle sich von Lock8 hintergangen und sei „tief enttäuscht“. Auch auf Twitter werden Stimmen laut:

Wie konnte es so weit kommen? Auf Nachfrage von Gründerszene bestätigt Lock8, die Entwicklung des smarten Fahrradschlosses „auf Eis gelegt“ zu haben. Es gebe Umstrukturierungen und der Fokus liege nun auf einem B2B-Modell: Man arbeite an einer Hard- und Software-Lösung für Fahrradverleih-Betriebe.

„Wir glauben, dass es für unsere Software- und Hardware-Lösung für Privatkunden noch zu früh ist. Der Markt ist noch nicht reif“, sagt der neue Geschäftsführer Philipp Meyer-Schmeling, der seinen Posten seit März dieses Jahres innehat. Meyer-Schmeling war vorher für das Business Development bei Lock8 zuständig. Er erklärt: „Wir haben uns zu einer Umstrukturierung des Geschäftsmodells entschlossen, da wir im B2B-Bereich einen größeren Bedarf gesehen haben“. Wie genau das neue Geschäft aussehen soll, will er jedoch noch nicht verraten.

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Lock8 sei nun dabei, den Kickstarter-Unterstützern das Geld zurückzuzahlen. 550 der 742 Backer seien bereits ausbezahlt worden. Ein Problem sei aber laut Meyer-Schmeling, dass die meisten bei Kickstarter hinterlegten Daten der Unterstützer veraltet gewesen seien. Daher die Verzögerungen, beschwert hätten sich jedoch bisher nur 19 der Geldgeber.

Meyer-Schmeling betont, dass sich an der Gesellschafterstruktur von Lock8 nichts geändert habe. Die Investoren befürworteten den Konzeptwechsel zu hundert Prozent. So arbeiteten auch die 28 Mitarbeiter weiter in Berlin an der neuen Ausrichtung der Firma.

Bereits vor drei Jahren wurde Velolock, das Unternehmen hinter Lock8, in Oxford ins Leben gerufen. Im Januar vergangenen Jahres gründeten die beiden Unternehmer laut Berichten des Wirtschaftsblatts einen österreichischen Ableger, im Juni folgte eine GmbH in Berlin. Mitgründer Salzmann sagte gegenüber Gründerszene, dass er seinen Posten als Geschäftsführer aufgeben hatte, um sich einer neuen Herausforderung zu widmen. Das habe nichts mit dem Wechsel des Geschäftsmodells zu tun. Er sei immer noch als Gesellschafter an Lock8 beteiligt. Zajarias-Fainsod ist nach Angaben von Lock8 weiter Geschäftsführer der britischen Holding.

Bild: Fabian Frost