Die Höhle der Löwen

Frank Thelen testet den Kinderwagen der Brüder Vinzent und Luis Karger.

Es ist angerichtet in der Höhle der Löwen. Viele neue Produkte, die unser Leben schöner, gesunder, nachhaltiger – irgendwie lebenswerter machen sollen, warten auf die Unterstützung der Investoren. Lampen, Seifen, Papiermodelle, giftfreie Kinderwagen und rein pflanzlicher Dünger sind im Angebot. Außerdem eine kleine Schlafbox, in der man sich auf Flughäfen oder Bahnhöfen zurückziehen kann, wenn es mal wieder Verspätungen gibt. Für fünf Euro pro Stunde. Mit Steckdose zum Handyaufladen. Streng genommen haben alle diese Ideen allerdings eine gemeinsame Schwäche: Sie lassen sich nicht skalieren. Aber egal. Die Gründer-Show muss ja bunt sein und das war sie auch. Deshalb schauen wir uns doch einfach mal an, was sich die Startups so ausgedacht haben.

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Die innovativen Lampen der Produktdesignerin Isabel Heubl sind echte Multitalente. Sie sind per Smartphone-App oder einfach per Bewegung steuerbar. Außerdem wechseln sie ihre Farbe und passen sich so ihrer Umgebung an. Die Jury ist allerdings eher von der smarten Gründerin angetan. Das Produkt rückt dabei doch etwas in den Hintergrund. Seit seccs Monaten ist das Produkt auf dem Markt und „Rocky Dancing Colours“ hat immerhin schon 30 Lampen verkauft. Für einen stolzen Stückpreis von 1.180 Euro. Die Löwen sind überrascht. So teuer? Die Herrschaften sind wohl lange nicht im Lampenladen gewesen. Alle finden die Gründerin süß. Und ihren Lebensgefährten. Judith Williams: „Ein tolles Pärchen.“ Alle sind raus.

Dann kommen zwei Österreicher mit Hang zur Operette. Er sei der Seifenkaiser von Österreich, sagt Alexander Kraml, der sich zur Feier des Tages in eine Fantasieuniform gezwängt hat. Er und sein Partner betreiben eine schon jetzt gut funktionierende Kosmetikmanufaktur. Der Jahresumsatz beträgt 2,8 Millionen, es gibt große Ketten wie Douglas, die Produkte in ihr Sortiment aufgenommen haben. Endgültig zur Operette wird sein Pitch, als Kraml erklärt, dass er wegen der Trennung von seiner Frau Geld aus der Firma entnehmen musste. Seine Idee: Der Kunde rührt sich seine Kosmetik selber zusammen. Der Name: Bademeisterei! Ist klar. Frank Thelen bemerkt: „Ein ganz wunderbarer Pitch.“ War da etwa Ironie im Spiel? Und dann bekommt er auch noch ein Probierpaket. In knallrosa. Seine Begeisterung ist ihm anzusehen. Judith Williams findet das Produkt total super. Badekugeln basteln? Fantastisch! Jochen Schweizer und Lencke Steiner folgen ihr und wollen mit 30 Prozent in die Badekugeln einsteigen. Der Seifenkaiser schlägt zu. Aber jetzt schnell in die Wanne.

Dann kommen noch mehr Bastler. Wie kommt man eigentlich auf die Idee, Tiertrophäen aus Papier selber zu machen? Hängt sich so etwas irgendjemand an die Wand? Anastasia Baron und ihr Freund und Partner Harald Mühl von Papershape stellen jedenfalls Bastelsets für Menschen her, die sich 3-D-Origami als Freizeitbeschäftigung vorstellen können. Verblüffend. Von Judith Williams erhalten sie vollkommen gratis einen Lebensrat mit auf den Weg: „Das ist reine Liebhaberei und ernährt keine Familie. Man muss doch ehrlich sein mit den Leuten.“ Na ja, Lencke Steiner fand es jedenfalls: „Supersupersüß.“ Geld gibt es nicht.

Und dann kommt der Auftritt, der uns vor Augen führt, dass einige Menschen einfach kein Verkaufstalent haben. Boris und Alexander aus Frankfurt am Main haben sich helle Hemden und dunkle Jackets angezogen, aber der Ingenieur und der Innenarchitekt wirken verloren in der Dekoration. Ihre Idee: Sie haben eine Schlafbox für zwei Personen entwickelt. Stay2Day heißt das. Für Plätze, an denen man mal schnell ein Nickerchen zwischendurch halten will. Fünf Euro pro Stunde soll das dann kosten. Frank Thelen fehlt der Biss bei den Gründern. Ja, richtig bissig sehen die beiden Herren nicht aus. Jochen Schweizer haut in die gleiche Kerbe: „Erfolg hat drei Buchstaben. T.U.N. Sie haben es nicht getan.“ Weil die Jungs sich ihre Konkurrenten am Münchener Flughafen nicht genau angeschaut haben. Ok, wir haben verstanden. Raus. Geld gibt es nicht.

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Dann kommen die Träume jeder Schwiegermutter. Die Brüder Luis und Vinzent Karger aus Nürnberg bauen mit ihrer Firma AngelCab giftfreie Kinderwagen. Hochwertig. Liebevoll von deutschen Korbflechtern hergestellt. Und nett sehen sie aus, die beiden. Da hagelt es Lob von allen Seiten. Das sind ja mal zwei smarte Boys. Und Mama und Papa helfen auch kräftig mit bei ihrer neuen Firma. Jedenfalls ist alles handgemacht und dadurch am Ende sehr teuer. Da schlucken die Löwen. Es gibt jede Menge Komplimente, aber am Ende kein Geld. Die Jungs werden das auch alleine schaffen. Bestimmt. Vural Öger: „Das ist der deutsche Mittelstand, wie ich ihn liebe, der Deutschland erfolgreich gemacht hat.“ Ja, so adrett und keimfrei stellen wir uns Gründer vor.

Dann kommt noch Daniel aus Berlin und stellt seinen naturnahen Dünger und seine Firma Green Lab Berlin vor. Für den jungen, hippen, nachhaltigen Gärtner von heute. Stinkt nicht, nervt nicht, hat keine Giftstoffe und riecht ganz dezent nach Schokolade. Weil er aus Kakaoschalen hergestellt wird. Den Dünger gibt es als „Blümchenfutter“ in flüssig oder fest als „Pimp my Gärtchen“. Man möchte die Hände über dem Kopf zusammenschlagen bei so viel Niedlichkeit. Ausgerechnet die virilen Herren Schweizer und Öger finden das total „brillant“ und „supergut“. Skaliert nicht, aber „man muss auch solche Menschen unterstützen“. Na, ob der Daniel sich das so vorgestellt hat? Über diesen Satz von Öger muss er doch etwas schmunzeln. Aber er freut sich über 110.000 Euro für 26 Prozent seiner Firma. Außerdem bekommen die Investoren von jeder verkauften Packung je nach Plattform einen Euro oder 50 Cent, bis die Investition komplett zurückgezahlt ist. Für eine bessere, gesündere Welt. Das kann doch nicht schlecht sein.

Das Video gibt es hier.

Bild: VOX/Bernd-Michael Maurer