mymuesli ops.

Ganz einfach ist diese Frage nicht zu beantworten – vor allem nicht pauschal. Denn für jede Dienstleistung, für jedes Produkt im e-commerce (und darauf will ich mich beschränken) gelten ja andere Anforderungen. Aber versuchen kann man es ja trotzdem mal.

Was kann man also tun, um der steigenden Nachfrage Herr zu werden? Ein Luxusproblem, aber eines, das man unbedingt lösen muss. Denn sonst verliert man neugewonnene Kunden schnell wieder, wenn die Logistik nicht rund läuft. Die Liste mit den nachfolgenden Tipps soll nur ein erster Einstieg sein und keineswegs haben wir das Patentrezept gefunden! Wie auch, nach einem Jahr, aber ein paar Fehler haben wir gemacht, ein paar vermieden – auf jeden Fall viel gelernt. Und sind immer für Feedback dankbar, auch zu diesem Beitrag: Am besten an mich, phil (ta) mymuesli.com.

Vorab: Am Anfang macht man’s falsch. Nicht immer, aber sehr wahrscheinlich und auch öfter. Man kennt sein Geschäft ja auch noch gar nicht. Der Businessplan (wenn man einen hat) ist ja nur eine vage Prognose. Und oft, bei mymuesli war das nicht anders, fehlen Mitbewerber, an denen man sich irgendwie orientieren könnte. Man versucht also zu schätzen – und das ist gar nicht so einfach, außerdem immer ein Spagat zwischen erwarteter Nachfrage und Anfangsinvestition. Niemand möchte auf abertausenden Versandkartons sitzen – und keiner bestellt. Viel schlimmer noch das andere Szenario: Man hat zu wenig Material (so bei uns nach zwei Wochen passiert).

Tipp 1 also: Lieber großzügig planen

Das Best-Case-Szenario immer vor Augen haben, an die eigene Idee glauben.

Tipp 2: Kommunikation mit den Kunden

Trotzdem zu wenig Versandkartons, keine Ware mehr oder sonstige Lieferschwierigkeiten? Die Kunden warten (gerne) – aber lasst sie wissen wie lange und vor allem warum. Ob im Blog oder per Mail oder Telefon – Kunden sind toleranter, als man oftmals denkt, aber man möchte eben wissen, woran man ist. Gerade dann, wenn man per Vorkasse bezahlt hat. Bei steigender Nachfrage häufen sich die Probleme meist, dann wird die Kommunikation umso wichtiger.

Tipp 3: Kollektive Intelligenz nutzen

Zum Beispiel durch ein eigenes Weblog kann man Probleme oder Herausforderungen offen ansprechen und ein enormes Wissen anzapfen! Wir haben neue Versandkartons gesucht – und mit Hilfe der Blogosphäre haben wir sie auch gefunden.

Tipp 4: Prozesse vereinfachen!

Man kann immer, na ja fast, Prozesse vereinfachen. Immer auf der Suche sein und alle im Startup mit einbeziehen! Denn wenn die große Nachfrage erst da ist, dann ist es viel schwieriger. Lieber frühzeitig an den Prozessen arbeiten.

Tipp 5: Warenwirtschaft(ssysteme)

Eines unserer Lieblingsthemen, manche lieben Excel, aber wenn es komplex wird, dann reicht das auf keinen Fall mehr. Gerade bei Lebensmitteln oder anderen sensibleren Waren muss eine hundertprozentige Rückverfolgbarkeit gewährleistet sein. Lieber frühzeitig um das passende System kümmern, wir haben eine eigene Lösung programmiert… teuer und aufwendig, aber dafür exakt passend. Unter Volllast solche Systeme zu etablieren ist problematisch. Wie findet man die? Viele kennt man ja, Fachmessen, Google – und wenn man erst mal ein bisschen am Markt ist, dann rufen die Anbieter meist eh von selbst an. Aber asst Euch nichts aufschwatzen, was Euren Workflow lähmt und Euch mit Funktionen erschlägt. Aber gleichzeitig sollte man auch für die Zukunft planen, da sind wir dann auch wieder bei den Excel-Tabellen :)

Tipp 6: Man (kann) und sollte auch nicht alles selbst machen

Wenn die Nachfrage steigt, braucht man gute und schon eingearbeitete Mitarbeiter, um pünktlich liefern zu können. Lasst Euch Zeit, nehmt nicht jeden, der einen Job möchte und verwendet viel Zeit darauf, alle einzuarbeiten. Und wie gesagt: Gerade am Anfang möchte man alles selbst machen. Das ist auch gut so, weil nur so kennt man sein Geschäft in und auswendig; aber auf Dauer gibt es eben auch andere Dinge, die im Startup anfallen. Und dann muss man loslassen können, sonst stagniert das Wachstum irgendwann, weil man sich nur noch um das operative Geschäft gekümmert hat.

Tipp 7: Strukturen schaffen.

Klingt nach Großkonzern (und da will ja eigentlich kein Gründer hin, oder?); aber gemeint ist, dass man eine immer komplexere Logistik nur in den Griff kriegt, wenn alles klaren Abläufen folgt, wie bei jedem Tipp gilt: Früh damit anfangen. Ein Paket kommt zurück, was passiert jetzt? Wer ist zuständig, habt Ihr dafür schon ein System, wer kontaktiert den Empfänger etc. Selbstverständlich? Nicht immer, denn oft werden Prozesse immer wieder neu besprochen und geordnet: „Wird schon wer machen…“ Gibt es aber klare Zuständigkeiten und Abfolgen, dann bekommt man auch eine steigende Komplexität und Nachfrage in den Griff.

Tipp 8: Fehler machen

Unseren Webshop gibt es jetzt fast ein Jahr – und oft wird man überrollt von Herausforderungen, kann nicht schnell genug liefern, Lieferanten lassen einem im Stich usw. Die Liste ist endlos, die Kunden sind sauer, man selbst ist es auch (über sich selbst), weil oft hat man eben auch selbst einen Fehler gemacht. Aber wir mussten feststellen, dass das auch ziemlich wichtig war für mymuesli. Klingt abgedroschen, aber an den eigenen Fehlern wächst man am besten und schnellsten. Steigende Nachfrage? Es wird sicherlich bei der Logistik einiges auch mal schief laufen. Aber nur so versteht man, wo die echten Probleme liegen.