Roman Königsmark (rechts) und Marco Obermann mit einem ihrer Blumen-Schützlinge im Hintergrund.

Die Webseite von Lovegrown ist ansprechend gestaltet: Über einer weißen Topfblume, die in Geschenkpapier eingeschlagen ist, hängt ein an ein Smartphone angeschlossener Kopfhörer. Was das soll? Mit dem neuen Blumenversand-Projekt Lovegrown können persönliche Blumengrüße verschickt werden. Vorher werden die Pflanzen drei Tage lang mit einer Playlist bespielt, die der Kunde bei der Bestellung auswählt oder selbst zusammenstellt. Der oder die Beschenkte bekommt dann die Blume zugeschickt, zusammen mit einem Video, das die Aufzuchtphase dokumentiert. Und mit einem QR-Code, der zum persönlichen Mixtape führt, mit dem die Blume gewachsen ist.

Ich bin neugierig, wer hinter einer so verrückten Idee steht. Eine Telefonnummer gibt es auf der Homepage nicht, nur einen Emailkontakt. Auf meine Email reagiert aber niemand. Doch dann erreiche ich einen der Lovegrown-Macher über Facebook und wir vereinbaren einen Telefon-Termin. Doch als ich Roman Königsmark wie vereinbart anrufe, bittet er mich um einen Rückruf. Er ist in einem Meeting.

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 Kein Wunder: Das Team hinter dem Blumen-Versand ist Vollzeit berufstätig, allerdings in Floristen-fernen Bereichen. Königsmark ist Senior-Stratege bei einer Werbeagentur in Düsseldorf. Marco Obermann ist Global Head of Creative bei der Sport-App Freeletics in München. Dementsprechend lange – ungefähr ein Jahr – hat es auch gedauert, bis aus ihrer Idee ein wirkliches Online-Geschäft geworden ist. Im Dezember 2015 launchte der Service, seitdem haben sie 50 Pflanzen verkauft.

Wie kam es zu dieser kuriosen Idee? „Es ist nicht so, dass wir auf Teufel komm raus eine Geschäftsidee gesucht haben“, erzählt Königsmark. Stattdessen seien er und sein Kollege fasziniert gewesen von den Studien des Biologen Dieter Volkmann der Uni Bonn. Darin heißt es, dass Pflanzen mit Musik tatsächlich besser wachsen könnten. Zudem seien die beiden Lovegrown-Erfinder Fans von persönlichen Mixtapes. Es sei schade, so Königsmark, dass individuell zusammengestellte Tapes heute kaum mehr verschenkt würden. So war die Idee geboren: Eine Kombination aus Mixtape und individuellen Blumengrüßen.

Die beiden holten sich zwei weitere Freunde ins Boot und machten Ernst: Von ihrem privaten Konto nahmen sie das Geld, um gute Kopfhörer und Kameras zu kaufen, um die Pflanzen während ihrer musikalischen Aufzucht-Phase zu begleiten. Das Video, das zusammen mit der Blume verschickt wird, enthält am Ende aber nicht die kompletten drei Tage, sondern einen Zusammenschnitt dieser Zeit.

Die pflanzliche Expertise holten sich Königsmark und Obermann von einem Floristen. „Der ist bei mir zuhause um die Ecke, daher kannte ich ihn. Ich hatte schon immer das Gefühl, dass er seinen Beruf aus Leidenschaft gewählt hat. Daher sprach ich ihn an und er hat uns seitdem wirklich sehr geholfen.“ Besonders, als es darum ging, die richtige Blumensorte auszuwählen und eine sichere Verpackung zu suchen.

Am Ende wurde die Sorte Flammenden Käthchen ausgesucht, weil sie robust ist und ganzjährig blüht. Sechs Stellplätze mit Kopfhörern sind bei Königsmark zu Hause. Weitere fünf bei Obermann in München. Die zwei weiteren Kollegen können je zwei Blumen bei sich aufnehmen und liebevoll mit Musik beschallen, bevor sie den Empfänger glücklich machen.

Bisher ist das Geschäft nicht auf Masse ausgelegt, die Gründer würden in ihren Vollzeitberufen bleiben, heißt es von Königsmark. Ihnen gehe es erst einmal darum, das Projekt erfolgreich umzusetzen und den Markt weiter auszutesten. Zwei bekannte Musiker seien bereits als Testimonials angefragt, erzählt Königsmark. Jetzt, kurz vorm Valentinstag, beginnen ihre ersten Vermarktungsversuche.

Bild: Lovegrown