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Benjamin Bak (rechts) mit Moderator Marco Rodzynek auf der Noah-Konferenz

Die ersten Konferenzgäste sind schon wieder gegangen, die Stuhlreihen fast leer – es ist kurz nach 17 Uhr, als Benjamin Bak die Bühne der Tech-Konferenz Noah in London betritt. Unter normalen Umständen wäre der Auftritt des Lovoo-Gründers im Grundrauschen des Startup-Events einfach untergangen. Anders in diesem Jahr.

Hinter dem 29-Jährigen liegen turbulenten Wochen. Im Sommer stürmten Polizisten das Büro seines Startups,. Der Vorwurf: Das Unternehmen habe mit Fake-Profilen seine Nutzer getäuscht und dazu verleitet, für die Dating-App zu bezahlen. Intern soll das Projekt „Tu Gutes“ geheißen haben. Die beiden Geschäftsführer Benjamin Bak und Alexander Friede saßen wegen Betrugverdachts tagelang in Untersuchungshaft. Im September stellte das Gericht das Verfahren dann überraschend gegen die Zahlung einer Millionensumme ein.

„Das Gute ist, wir haben alles geregelt“

Es ist der erste öffentliche Auftritt von Benjamin Bak seit dem Skandal. Seine Nervosität ist zu spüren. „Das Gute ist, wir haben alles geregelt“, sagt Bak. „Wir haben Maßnahmen ergriffen, diese Dinge in der Zukunft zu verhindern.“ Dabei wird er auch konkreter: „Wir investieren mehr in Technologie, die Fake-Profile erkennt.“ Beispielsweise durch künstliche Intelligenz.

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Mit weiteren Schritten wie einer Verifikation der Nutzer und einem Transparenz-Report will das Unternehmen Vertrauen zurückgewinnen. In dem Bericht schreibt das Startup etwa, wie es gegen Spam-Accounts vorgeht. Die Ausführungen von Bak klingen allerdings so, als hätte es keine Fake-Profile aus dem eigenen Unternehmen gegeben. Eine Frage, die offen bleibt.

Unklar ist auch, welche Rolle der Gründer in Zukunft in seinem Unternehmen spielen wird. Schließlich hatte er im Juni angekündigt, sich „mit sofortiger Wirkung aus dem operativen Geschäft des Unternehmens zurückziehen“, sein Auftritt auf der Noah spricht jedoch eine andere Sprache. Gegenüber Gründerszene kündigte Bak am Rande der Konferenz an, sich diesen Fragen in ein paar Wochen stellen zu wollen.

Kündigungen beim Dating-Startup

Auch sonst befindet sich Lovoo offensichtlich im Umbruch. 33 der 176 Mitarbeiter hätten eine betriebsbedingte Kündigung erhalten, schrieb unlängst die Sächsische Zeitung. Ein Sprecher bestätigt die Entlassungen und sagt, das Unternehmen wolle sich „auf die westeuropäischen Kernmärkte konzentrieren“.

Die Nutzer scheinen der Dating-App derweil treu zu bleiben. In den Zahlen habe sich der Skandal nicht niedergeschlagen, betont Bak auf der Bühne.

Bild: Gründerszene