Das Dresdner Büro von Lovoo, das von der Polizei durchsucht wurde

Dem Haftbefehl zufolge sollen bis zu 477 Fake-Profile bei der Kontaktbörse Lovoo aufgeflogen sein. Das berichtet die Bild am Sonntag mit Berufung auf das Amtsgericht Dresden. Zwischen 2013 und 2014 sei ein wirtschaftlicher Schaden von knapp 1,2 Millionen Euro entstanden, heißt es weiter. Wie viele Nutzer der Plattform in diese Fälle involviert waren, ist unbekannt.

Auf Nachfrage von Gründerszene bei der Staatsanwaltschaft Dresden wollte man die Angaben zur Anzahl der Profile und der Schadenssumme noch nicht offiziell bestätigen, da die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen seien. Die Informationen aus dem Untersuchungsbeschluss sind der Sonntagszeitung offenbar zugespielt worden, so die Staatsanwaltschaft. Da nur der Zeitraum bis 2014 abgedeckt ist, könnten durch die Ermittlungen noch weitere Betrugsfälle bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt aufgedeckt werden.

Lovoo hatte in einer Pressemitteilung eine Stellungnahme zur Razzia abgegeben: Darin bestätigt das Dating-Portal die Durchsuchungen. Als Anlass für die Ermittlungen nennt Lovoo „Vorwürfe von anonymer Seite, die erstmals im September 2015 öffentlich wurden.“ Ein anonymer Informant hatte c’t die Dokumente zugespielt.

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Seit vergangener Woche sitzen zwei der Geschäftsführer, Benjamin Bak und Alexander Friede, in Untersuchungshaft, nachdem die Staatsanwaltschaft eine groß angelegte Durchsuchung mit 200 Beamten in den Berliner und Dresdner Büroräumen anberaumte.

Obwohl auch gegen Mitgründer Björn Bak ein Haftbefehl vorgelegen habe, soll er gegen eine Kaution von 300.000 Euro und die Abgabe seines Personalausweises unmittelbar wieder frei gekommen sein, schreibt Bild. Björn Bak habe sich demzufolge freiwillig gestellt, weil er sich zum Zeitpunkt der Durchsuchungen weder im Büro noch in seiner Wohnung befunden habe.

Insgesamt sollen 16 Privatwohnungen durchsucht worden sein. Gegenüber zwölf Lovoo-Mitarbeitern bestehe Verdacht wegen Betruges. Unter dem Decknamen „Tu Gutes“ sollen sie Fake-Profile in Auftrag gegeben haben, um damit Nutzer zu kostenpflichtigen Leistungen zu motivieren. Laut Einschätzungen von Rechtsanwalt Carsten Ulbricht könne den Geschäftsführern eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren drohen. Zudem sei nicht auszuschließen, dass auch Nutzer Schadensersatzforderungen stellten.

Bild: Lovoo