Lucid

So könnte der Blick auf das Armaturenbrett im Lucid aussehen.

Teslas Konkurrenz steht zwar noch in den Startlöchern und nicht in den Läden, aber in der Disziplin Großspurigkeit kann sie jetzt schon locker mithalten. Die US-amerikanische Firma Lucid verspricht ein völlig neues Elektroauto-Konzept. Äußerlich sollen die Wagen so groß sein wie ein normales Mittelklassefahrzeug, aber der Innenraum soll alle Dimensionen sprengen. Möglich gemacht wird das durch die Komprimierung der Batterie, des Getriebes und des Motors. Der klassische Innenraum eines Autos kann also völlig neu gedacht werden. Statt Rückbank eine Spielwiese oder Schlafgelegenheit zum Beispiel.

20.000 Fahrzeuge im ersten Jahr

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Das nötige Geld für die Entwicklung des Raumwunders aus Kalifornien ist vorhanden. Es kommt vor allem von Tsing, dem Venture-Arm einer chinesischen Holding, Jia Yueting, einem chinesischen Tech-Milliardär, der auch hinter dem Elektroauto-Startup LeEco steckt, der japanischen Bank Sumitomo und Venrock, dem VC der Rockefeller Familie in Palo Alto. Lucid, das noch vor ein paar Wochen Atieva hieß, hat derzeit zwei größere Gelände im Silicon Valley im Auge, um dort die Fabrik zu bauen, aus der bald die Autos rollen sollen.

[Update vom 30.11.2016]: Lucid Motors hat bekannt gegeben, dass in Arizona eine der Fabriken entstehen wird. Die 700 Millionen Dollar teure Anlage soll 2000 neue Jobs schaffen und bis 2018 die ersten Fahrzeuge produzieren, heißt es. Anfänglich sollen 10.000 Fahrzeuge hergestellt werden, in den darauffolgenden Jahren bis zu 60.000 Stück im Jahr, schreibt The Verge.

Ein erstes Lucid-Modell gab es vor ein paar Wochen auf der Motorshow in Los Angeles zu bestaunen. Die bisherige Firmenzentrale in Menlo Park liegt fast in Sichtweite zu Tesla, das in Palo Alto residiert. Aber bereits jetzt wird munter mit Produktionszahlen jongliert. Im ersten Jahr möchten die Manager 20.000 Luxus-Elektroautos produzieren, danach geht der Plan von 120.000 oder 130.000 Stück aus. Sportlich. Tesla will seine Produktion im Jahr 2018 auf 500.000 Fahrzeuge hochschrauben. Im vergangenen Jahr lieferte Tesla etwa 50.000 Fahrzeuge aus.

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Aus „ungeklärten Gründen“ zu Lucid gewechselt

Lucid beschreibt sich selber völlig unbescheiden als „wahren Innovator“, eine „disruptive Kraft“, die die besten Fahrzeuge der Welt bauen wird. Als echte Rivalen kommen natürlich nur der Tesla S, die 7er-Reihe von BMW oder die S-Klasse von Mercedes in Frage. Für die Entwicklung hat sich das Unternehmen Peter Rawklison von Tesla geholt. Er ist 2012 aus „ungeklärten Gründen“ zu Lucid gewechselt. Erklärt hat er seinen Wechsel nicht. Wahrscheinlich war auch Geld im Spiel.

Rawlinson fungiert als Gesicht der Autofirma, die offiziell auf einen CEO verzichtet. Er hat mit dem Designer Derek Jenkins, der zuvor für Mazda tätig war, ein Fahrzeug entwickelt, dass sehr an einen Tesla erinnert. Der Atvus besitzt ein Glasdach, einen schlitzförmigen Kühlergrill, Steuerung per Stimme, unsichtbare, eingelassene Türgriffe , eine neuartige LED-Licht-Technologie und natürlich soll er automatisch fahren können. Im Lucid-Jargon kommt dann noch „jede Menge Luxus“ dazu. In Sachen Motor weiß man nicht sehr viel. Experten sprechen von einer Reichweite von 500 Kilometern, bis zu 1.200 PS und 300 km/h Sptzengeschwindigkeit. Von 0 auf 100 km/h geht es in unter 3 Sekunden. Der Computer regelt diese Monstrositäten allerdings auf ein halbwegs erträgliches Maß herunter.

Jede Menge Konkurrenz für Tesla

Die chinesischen Geldgeber von Lucid stecken hinter mehreren Elektroauto-Startups. Faraday, LeEco oder BYD sollen sich in Zukunft wichtige Marktanteile sichern. Dabei greifen Lucid, Faraday und LeEco eher im Luxussegment an, BYD baut Kleinwagen, SUVs und Busse zu erschwinglichen Preisen und in einfachen Designs. Konkurrenz für Tesla ist auch aus Deutschland angekündigt. Daimler will bis 2020 mit einer ganzen Reihe von Elektroautos auf den Markt kommen. Auch VW und BMW arbeiten an Premium-Strom-Fahrzeugen. Wir sind gespannt.

Lucid-Entwickler Rawlinson ist sich jedenfalls sicher, dass eine Welle von Elektroauto-Startups auf uns zu kommt: „Vor Tesla gab es ein ungeschriebenes Gesetz und einen weit verbreiteten Glauben in der Industrie, dass es unmöglich ist, eine neue Autofirma aus dem Nichts aufzubauen. Tesla hat diesen Glauben erfolgreich zerstört.“ Seiner Meinung nach werden viele Firmen Tesla folgen, weil sie gemerkt haben, dass es doch möglich ist, erfolgreich zu sein. Wir werden sehen ob er eine Spur zu großspurig war oder ob wir im kommenden Jahr unsere Weihnachtseinkäufe tatsächlich mit dem neuen Lucid erledigen können.

Einen Appetithappen gibt es schon. Lucid hat seinen Motor in einen Kleinlaster von Mercedes Vito eingebaut. Das Ergebnis ist in diesem Video zu bestaunen:

Der pathetische Silicon-Valley-Ton sitzt. Jetzt muss nur noch ein Auto in Serie gebaut werden:

Designer Derek Jenkins erklärt, warum er so gerne bei Lucid arbeitet:

Foto: Lucid; der Artikel erschien erstmalig am 23.11. und wurde nachträglich angepasst.