Geoff Lewis ist Partner beim VC Founders Fund (Bild: © David Skilandat)

Geoff Lewis erinnert sich gut daran, wie es war, als Gründer auf die Suche nach Kapital zu gehen: „VCs erzählten mir Bullshit“, sagt er heute. Der Kanadier gründete vor etwa sechs Jahren das Startup TopGuest – mit gelungenem Ausgang: Lewis verkaufte das Unternehmen 18 Monate nach dem Start für eine achtstellige Summe.

Warum ihn die VCs angelogen hatten, verstand Lewis erst, als er die Seiten wechselte. Heute ist er Partner beim Risikokapitalgeber Founders Fund in San Francisco – mitgegründet von der Unternehmerlegende Peter Thiel. Im Portfolio: erfolgreiche Milliarden-Firmen wie Palantir, Facebook, Airbnb und Spotify.

Bei dem Event „Valley in Berlin“ des Scout24-Accelerators You Is Now versuchte Lewis anderen Gründern zu erklären, warum die VC-Industrie so unehrlich ist – und was die Lügen bedeuten.

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Im Gegensatz zu den Top-Tech-Startups hätten VCs massive Konkurrenz. „Für VCs ist sehr schwierig, vorherzusehen, welches Startup funktionieren wird und welches nicht“, sagt Lewis. Mit viel Mühe versuchten sie deswegen, Aufmerksamkeit zu bekommen und Kontakt zu den besten Gründer zu halten – notfalls mit kleinen Lügen. Schließlich kann sich ein Einstieg später immer noch lohnen.

Die Partner beim Founders Fund haben das selbst erfahren: 2009 lehnten sie ein Investment in Airbnb ab. Zu der Zeit hätte der Fonds zu einer Bewertung von 7 Millionen Dollar etwa 30 Prozent des Startups übernehmen können. Peter Thiel aber glaubte, die Idee sei furchtbar und niemand wolle in Wohnungen von Fremden übernachten. Immerhin: Vier Jahre später führte der Founders Fund die Serie C von Airbnb an – zu einer Bewertung von 2,5 Milliarden Dollar.

Lewis erklärt, auch das späte Investment bei Airbnb habe sich für den Founders Fund sehr gelohnt. Solche Fälle sind der Grund, warum Investoren sich alle Möglichkeiten mit kleinen Lügen offen halten wollen. Diese fünf Lügen erzählen VCs laut Lewis dabei besonders häufig:

1. „Wir als Investor bringen Eurem Startup Mehrwert.“

„Die meisten Investoren werden Euren Wert senken, weil ihr Rat in neun von zehn Fällen falsch ist“, sagt Lewis. Klare Worte. Alle großartigen Businesses seien einzigartig, die Strategie von Facebook funktioniere eben nicht für Airbnb. Weiter sei es für den Investor kein lohnender Aufwand seiner Zeit, wenn er einem Startup helfe, dass dem VC keine signifikante Rendite verspreche. „Das bedeutet: Auch wenn ein VC sagt, er wird dem Startup Mehrwert bringen, wird er es in der Realität wahrscheinlich nicht“, fasst Lewis zusammen. Sein persönlicher Rat: „Nehmt den Scheck und rennt.“

2. „Ihr seid großartig! Lass’ uns in Kontakt bleiben und bald wieder sprechen.“

„Das ist fast immer eine Lüge“, sagt Lewis. Der VC wolle nicht investieren, aber den Gründer nicht verprellen – für den Fall, dass das Unternehmen in Zukunft abhebt. „In der Realität ist alles andere als ein Term Sheet eine Absage“, so Lewis.

3. „Wir werden etwas investieren, sobald Ihr einen Leadinvestor gefunden habt.“

Diese Aussage bedeutet laut Lewis häufig, dass der VC aus nicht-finanziellen Gründen investieren will. Zum Beispiel könnte er in ein konkurrierendes Startup investiert sein und Interesse an Marktdaten haben. Oder aber der VC denkt darüber nach, ein eigenes Unternehmen in dem Markt aufzubauen und will dafür an Informationen des Startups gelangen. Lewis warnt: „Das passiert überraschend häufig und da müsst ihr sehr vorsichtig sein.“

Ein anderer Grund könnte sein, dass der VC andere, bekannte Investoren kennenlernen will, die am Startup beteiligt sind. „Oder aber der Geldgeber findet Euch smart und glaubt, Eure nächste Unternehmung könnte klappen“, so Lewis. Möglicherweise seien interne Uneinigkeiten Schuld – ein Partner wolle den Lead machen, die anderen stimmten aber nicht zu.

Lewis rät: „Es ist fast immer eine schlechte Idee, eine kleine Summe von einem großen Venture-Capital-Geber anzunehmen. Ihr wollt ihn nur, wenn er die Runde anführt – sonst sendet das ein schlechtes Signal an den Markt. Ihr braucht einen Lead mit starker Überzeugung.“

Der StartupTV-Beitrag zum Event:

4. „Uns ist egal, was andere denken. Wir sind unabhängig.“

Wer beteiligt sich noch an der Runde? Was machen die bestehenden Investoren? Solche Dinge würden sich VCs immer fragen, sagt Lewis – „eben weil es so hart ist, herauszufinden, welches Startup einmal funktionieren wird.“

5. „Entrepreneure sind meine Kunden.“

„Das ärgert mich am meisten“, sagt Lewis. „Die Limited Partners sind Kunden eines VCs.“ Die LPs geben das Geld, dessen Rendite Venture-Capital-Gesellschaften maximieren sollen. „Und was wir dafür tun, ist nicht gleichzusetzen mit dem, was für ein Startup am besten wäre.“ Geoff Lewis erklärt: So sei es zum Beispiel für einen talentierten Gründer ideal, wenn sich ein Investor mit ihm zusammensetze und analysiere, was im Startup gerade schief läuft. Für einen LP lohne sich das aber nicht. „Das Richtige ist da, die Rendite aus den Companys zu maximieren, die bereits gut funktionieren.“

Deprimiert will Lewis die Gründer allerdings nicht zurücklassen – und gibt noch drei Tipps:

  • Lasst VCs aus keinen anderen Gründen als des Geldes wegen in Eure Unternehmen.
  • „Die beste Rache ist Erfolg – die VCs werden zu Euch kommen“: Verschwendet Eure Zeit nicht mit VCs, gebt ihnen keine Infos und versucht nicht aktiv, in Kontakt zu bleiben.
  • Behaltet im Hinterkopf, dass es nicht durch und durch wahr sein könnte, was euch ein VC erzählt. Versucht zu verstehen, was ein VC aus seiner Sicht mit seinen Aussagen genau erreichen will.