Andrew Simon vom Factory-Mieter Redsofa, George Osborne, Udo Schloemer, Klaus Hommels und Emmanuel Macron (von links)

Wer war nicht schon alles hier: der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, die US-amerikanische Handelsministerin Penny Pritzker, Jack Markell, Gouvernour des US-Bundesstaats Delaware, Bundespräsident Joachim Gauck sogar noch vor der Eröffnung – der Berliner Startup-Campus Factory entwickelt sich zu dem Anziehungspunkt für Regierungsvertreter, die ihr Interesse und ihre Verbundenheit mit der Berliner Startupszene demonstrieren wollen.

Am Donnerstag kamen zwei weitere echte Politpromis hinzu: der französische Wirtschafts- und Digitalminister Emmanuel Macron sowie der britische Schatzkanzler George Osborne. Vorgesehen war eigentlich nur ein Besuch von Macron, doch weil Osborne auch in der Stadt war, schloss er sich dem Tross kurzerhand an. Eingeladen hatte der in der Schweiz wirkende deutsche Star-Investor Klaus Hommels (der auch in die Factory investiert hat).

Die beiden politischen Schwergewichte aus Paris und London zeigten sich beeindruckt vom Startup-Zentrum in der deutschen Hauptstadt. Osborne guckte verdutzt, als ihm der britische Designer und Factory-Mieter Ashley Marc Hovelle erklärte, warum er lieber von Berlin aus arbeite (die bekannten Gründe: billiger, kreativer, cooler). Um solche Gründer konkurrieren die europäischen Startup-Metropolen inzwischen – den Politikern ging es allerdings eher darum, Gemeinsamkeiten zu betonen. Schließlich ist die große Herausforderung für alle Startup-Europäer die gleiche: irgendwie mit dem weit enteilten Silicon Valley konkurrieren zu können.

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Beim anschließenden Pressegespräch verkündeten Macron und Hommels ihre Absicht, die Ökosysteme Frankreichs und Deutschlands besser zu vernetzen. Das sollte zum Beispiel durch Austauschprogramme, gemeinsame Veranstaltungen oder einheitliche Ansprechpartner auf beiden Seiten möglich gemacht werden, die Kooperationen mit großen französischen Konzernen oder dem deutschen Mittelstand vereinbaren oder beim Markteintritt behilflich sein würden. Konkrete Vereinbarungen gab es am Donnerstag nicht – das hatte schon Ende Oktober eine deutsch-französische Regierungskonferenz in Paris erledigt.

„Wir brauchen eine gemeinsame Gründerkultur“, forderte Emmanuel Macron. Tatsächlich sind die Startup-Ökosysteme der beiden Nachbarländer gar nicht so unterschiedlich, viel weniger jedenfalls als die Strukturen der traditionellen Industrien oder die wirtschaftspolitische Ausrichtung beider Länder. Auch auf Regulierungsseite sind Frankreich und Deutschland gerade dabei, sich anzunähern – allerdings zum Schaden der Gründer: In Frankreich erlaubt sich die Regierung traditionellerweise immer wieder, auf unternehmerische Entscheidungen Einfluss zu nehmen.

Zum Beispiel beim Thema Fusionskontrolle – um zu verhindern, dass ein vielversprechendes heimisches Startup in die Hände ausländischer Investoren fällt. So geschehen beim Videoportal Dailymotion, dessen Übernahme durch Investoren aus den USA oder Fernost sowohl Macron als auch sein Vorgänger Arnaud Montebourg schon verhindert haben. Der deutsche Wirtschaftsminister würde seinen Kartellwächtern ebenfalls gerne die Möglichkeit geben, bei Fusionen und Akquisitionen in der Digitalwirtschaft mitzureden. Der Vorschlag, der im aktuellen Entwurf für den Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung zu finden ist, sorgt bei Startup-Lobbyisten für Kopfschütteln.

Bild: Gründerszene