Magazino Gruender (v.l.n.r.) Nikolas Engelhard, Lukas Zanger, Frederik Brantner

Die Magazino-Gründer Nikolas Engelhard, Lukas Zanger und Frederik Brantner (v.l.n.r.)

Die Weihnachtszeit ist die Zeit des Online-Handels: Um die Bestellflut zu bändigen, stellt etwa Amazon in Deutschland doppelt so viele Leiharbeiter ein. Viele von ihnen sammeln im Warenlager die Produkte zusammen – als sogenannte Picker. Diese Aufgabe könnten bald Roboter wie der Toru übernehmen. Das Gerät erkennt einzelne Objekte im Regal etwa Bücher und transportiert sie zum Bestimmungsort.

Hergestellt wird der Toru von Magazino, einem Spin-off der TU München. Frederik Brantner gründete das Unternehmen im Jahr 2014 gemeinsam mit Lukas Zanger und Nikolas Engelhard. Das Startup beschäftigt 35 Mitarbeiter. Erst erhielt Magazino eine Förderung durch das Exist-Gründerstipendium und wurde dann vom High-Tech Gründersfonds finanziert. Zuletzt stieg Siemens ein und hält seitdem knapp die Hälfte der Unternehmensanteile.

Der Gründer Frederik Brantner im Kurzinterview.

Frederik, wie kamst Du dazu, Roboter zu bauen?

Die Idee entstand im Sommer 2011. Damals, noch als Student, besuchte ich eine Freundin, die in ihrer Apotheke einen Kommissionierautomaten einrichtete. In diesen kann man die verschiedensten Gegenstände werfen und er sortiert und lagert diese selbstständig ein. Damit war die Grundidee geboren. Mit dem Roboter Toru gehen wir noch einen Schritt weiter. Hier spielt nicht nur der Aspekt des Erkennens und Greifens eine zentrale Rolle – hinzu kommt noch die freie Bewegung im Raum.

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Was macht der Toru anders, als Roboter vor ihm?

Der Toru gehört zu einer neuen Generation von Robotern, die in Echtzeit auf ihre Umgebung reagieren können. Industrieroboter der alten Generation werden in der Regel einmal programmiert und sind dann in der Lage, einen festgelegten Arbeits- oder Bewegungsablauf zu wiederholen. Unser autonome Roboter ist hingegen in der Lage, selbstständig seine Umwelt wahrzunehmen und sich dem bestehenden Warensystem anzupassen. Wege und Greifvorgänge kann er selbst planen und genau das macht die parallele Arbeit von Roboter und Mensch in einem Warenlager möglich. Eine Gefahr ist das nicht: Wenn ein Mensch vor ihn tritt, nimmt er diesen wahr und hält an.

Wird der Roboter die Leiharbeiter im Lager irgendwann ersetzen?

Unser Roboter soll das Personal unterstützen und entlasten, vor allem in Hinblick auf unergonomische und körperlich anstrengende Aufgaben wie weite Laufstrecken und Greifen aus niedrigen und hohen Regalfächern. Toru kann nicht alle Objekte handhaben, deswegen ist unser Konzept, dass Toru parallel zum Menschen im bestehenden Lager eingesetzt wird. Mit den Robotern stärken wir die Produktivität der Lager und damit auch die dortigen Arbeitsplätze. Die Roboter sollen auf lange Sicht nach und nach mehr Aufgaben übernehmen. Menschenleere Lagerhallen wird es aber nicht geben.

Wie erkennt der Roboter, um welches Produkt es sich handelt, wo es sich befindet und was er damit anstellen soll?

Toru ist mit dem Lagerverwaltungssystem verbunden. Das System sendet den Auftrag inklusive Zielort an Toru, der dann selbstständig die optimale Route berechnet. Ist er am entsprechenden Regal angekommen, scannt der Roboter den Inhalt mit der in den Greifarm eingebauten 2D- und 3D-Kameratechnik, bis er das gesuchte Objekt findet. Durch die exakte Produkt- und Positionserkennung erkennt er ungeordnete Objekte und greift sie präzise. Toru ist in der Lage, dazuzulernen und immer neue Objekte zu handhaben.


Video: Magazino stellt den Toru vor.

In einem Demovideo wirkt der Roboter vergleichsweise langsam. Spart er wirklich Zeit und damit Geld?

Er ist zurzeit noch ein wenig langsamer als der Mensch, aber mit zunehmender technischer Entwicklung wird der Roboter schneller und rechnet sich dann auch in mehr Anwendungsgebieten. Dafür kann der Roboter statt acht Stunden zwei oder drei Schichten arbeiten.

Derzeit ist der Toru im Testeinsatz. Wann hat er seinen ersten richtigen Einsatz?

Wir liefern die ersten beiden Roboter im Februar aus. Und auch sonst können wir uns nicht über eine mangelnde Nachfrage beschweren.

Und wann schreibt Magazino schwarze Zahlen?

Wir entwickeln ein extrem anspruchsvolles technisches Produkt. Für Hard- und Softwareentwicklung und Prototypen braucht man viel Geld. Wir rechnen auch nächstes Jahr noch nicht mit schwarzen Zahlen.

Bild: Magazino