Mailchimp Geschichte

Die Mailchimp-Gründer Ben Chestnut (CEO, links) und Dan Kurzius (Chief Customer Officer)

Wie Mailchimp seine Erfolgsgeschichte schrieb

Die E-Mail-Marketing-Software Mailchimp hat in den vergangenen Jahren eine beeindruckende Erfolgsgeschichte geschrieben: Aus einem fast vergessenen Stück Programmiercode, der länger ungenutzt auf einer Festplatte schlummerte, ist eine E-Mail-Marketing-Software mit sieben Millionen Nutzern und einem geschätzten Marktanteil von 31 Prozent geworden. Das dahinter stehende Unternehmen nimmt schätzungsweise monatlich dreistellige Millionensummen ein und ist mehr als eine Milliarde US-Dollar wert. Wir haben für Euch recherchiert, was für Mailchimp die entscheidenden Erfolgsfaktoren waren.

Mit Mailchimp kann man Newsletter gestalten, versenden und tracken. Die Software ist eigentlich ein Abfallprodukt: Ende des vergangenen Jahrtausends hatte die Web-Entwickleragentur Rocket Science Group für ein E-Grußkartenportal eine Newsletter-Software programmiert. Nach dem Scheitern des Projekts ruhte der Code dafür lange unbeachtet in der virtuellen Ecke, wie Mailchimp-CEO Ben Chestnut in einem Interview erzählt.

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Als diverse Kunden ihre Unzufriedenheit mit den damaligen E-Mail-Marketing-Lösungen äußerten, erinnerte sich die Agentur im Jahr 2001 an den Programmiercode. Sie stellte die Anwendung den Kunden zur Verfügung und schaltete einige Adwords-Anzeigen für das Produkt. Von da an widmeten die Entwickler ihrer Software wieder relativ wenig Beachtung. Erst 2005 fiel Chestnut und seinen Kollegen auf, dass Mailchimp sich besser entwickelte als das Hauptgeschäft der Agentur. Von 2006 an konzentrierte sich das Startup aus Atlanta dann ganz auf die Entwicklung von Mailchimp.

Freemium-Modell führte zu explosionsartigem Anstieg der Nutzerzahlen

Im Jahr 2009 fällte Ben Chestnut die folgenreiche Entscheidung, das Geschäftsmodell von Mailchimp auf das „Freemium“-Prinzip umzustellen: Für jene Kunden, die monatlich die Zahl von 3.000 Mails an 500 Empfänger nicht überschreiten, war von da an die Nutzung des Tools kostenlos. Die Strategie, kleine Startups früh an sich zu binden und gemeinsam mit den Kunden zu wachsen, zahlte sich aus, denn von diesem Punkt an stieg die Nutzerzahl explosionsartig.

Innerhalb eines Jahres wuchs nach Unternehmensangaben nicht nur die Zahl der Umsonst-Nutzer, sondern auch die der zahlenden Kunden – und zwar um 150 Prozent. Nachvollziehbar, denn jeder, der schon einmal erlebt hat, wie aufreibend es sein kann, eine E-Mail-Datenbank umzuziehen, kann sich vorstellen, dass bei den Kunden die Hemmungen vor einem solchen Schritt groß sein können.

Mailchimps Kosten für die Akquirierung neuer Nutzer sanken im Jahr nach der Umstellung auf Freemium um acht Prozent; der Gewinn der Betreiber stieg um satte 650 Prozent. In den Folgejahren erhöhten die Mailchimp-Macher noch zweimal das Kostenlos-Volumen – heute können die Nutzer monatlich kostenlos bis zu 12.000 Mails an bis zu 2.000 Empfänger versenden.

Marktführer mit einem Marktanteil von 31 Prozent

Heute zählt der Marktführer aus Atlanta über sieben Millionen Nutzer (alleine im vergangenen Jahr kamen 2,4 Millionen Nutzer dazu) und beschäftigt 300 Mitarbeiter. Zu den prominenteren Nutzern der Software gehören laut Fast Company das Vice Magazine, die TED Konferenzen, The Economist und Gawker.

Laut Datanyze hat Mailchimp aktuell im Markt für Newsletter-Software einen Marktanteil von 31 Prozent. Bei der Auswertung bezieht sich das Daten-Tool auf alle Webseiten weltweit, die irgendeine Art von E-Mail-Marketing-Technologie nutzen. Auf Platz zwei und drei folgen Aweber mit 20 und Constant Contact mit 15 Prozent. Laut dem Tool Builtwith ist Mailchimp im gesamten Internet auf mehr als 320.000 Websites eingebunden, rund 4.500 davon in Deutschland.

Marktanteile von E-Mail-Marketing-Software (Screenshot: Datanyze)

Vor vier Jahren war Mailchimp vielleicht schon eine Milliarde US-Dollar wert

Das Erstaunlichste am Erfolg von Mailchimp ist, dass das Betreiberunternehmen bis heute selbstfinanziert ist. Nachteil für Außenstehende: Verlässliche Angaben zu Umsätzen und Einnahmen des Unternehmens sind deswegen nicht bekannt. Beim Frage-und-Antwort-Portal Quora hat ein findiger, anonymer Analyst bereits im Jahr 2011 auf Basis der zur Verfügung stehenden Informationen hochgerechnet, dass Mailchimp jährlich potenziell bis zu 170 Millionen US-Dollar umsetzt. Das Unternehmen wäre somit bereits zum damaligen Zeitpunkt möglicherweise mehr als eine Milliarde US-Dollar wert gewesen.

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Geht man davon aus, dass nur fünf Prozent der heutigen sieben Millionen Nutzer zu den zahlenden Kunden gehören (im Jahr 2009 waren es mehr als 20 Prozent) und dass diese monatlich 100 US-Dollar für die Nutzung der Software zahlen (der Preis variiert je nach Volumen zwischen 10 und 525 US-Dollar), betrüge der monatliche Umsatz des Unternehmens immer noch 35 Millionen US-Dollar.

Um das eigene Produkt weiter zu verbessern und so auch weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben, haben die Mailchimp-Gründer im November 2010 den „1$ Million Integration Fund“ gegründet. Damit können freie Programmierer und Startups über die offene Schnittstelle Ideen und Features für Mailchimp-Schnittstellen entwickeln, die dann entsprechend honoriert werden. Mittlerweile arbeitet Mailchimp darüber mit über 500 Partnern zusammen.

Mit der jüngst bekannt gegebenen Investition von zwei Millionen Dollar in die Venture-Capital-Firma Mosley Ventures, bei der es ebenfalls um Startup-Förderung geht, erwähnte Mailchimp-CFO Jenny Bloom, dass sich das Unternehmen derlei Risiko-Investitionen leisten könne – schließlich habe man „a lot of cash“ – wie viel auch immer das sein mag.

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ARTIKELBILD: Mailchimp-Website