Eine Vielzahl an Makler-Büros kämpft ums Überleben – seit Juni ist ein Teil des Geschäfts weggebrochen. „Ich mache keine Vermietung mehr“, berichtet ein Berliner Makler. Nach einem neuen Gesetz gilt nun: Wer den Makler bestellt, muss ihn auch bezahlen. Daraufhin vermitteln viele Vermieter ihre Wohnungen selbst – oder wenden sich an eines der neuen Startups.

Denn die neue Gesetzeslage hat zahlreiche Startups mit Angeboten auf den Plan gerufen. Sie wollen den Vermietern über Plattformen helfen, die richtigen Mieter für ihre Wohnung zu finden. Kurzum: Sie wollen den Makler überflüssig machen. Auswahl, Besichtigung und sogar die Schlüsselübergabe lassen sich auf digitalem Wege organisieren. Sie heißen Vendomo, Housey, Wunderagent.

Unter den Angeboten ist auch McMakler, die auch die Besichtigungen und Schlüsselübergabe vor Ort organisieren. Dafür beschäftigt das Berliner Startup ehemalige Immobilienmakler wie Marc Wallner. Der 29-jährige hat mehrere Jahre etwa Eigentumswohnungen und Gewerbeobjekte vermittelt. Seit September leitet er für McMakler den Münchner Standort.

Im Gründerszene-Interview erzählt er, warum er die Seiten gewechselt hat – und was sich an der Branche ändern muss.

Marc, Du hast einige Jahre als Immobilienmakler gearbeitet. Nun bist Du bei einem Startup beschäftigt, das die Makler-Branche angreift. Fühlst Du Dich als Verräter?

(lacht) Als Branchenverräter fühle ich mich nicht. Mir war klar, dass sich Etwas ändern muss. Ich stand vor der Wahl: Springe ich jetzt auf den Zug auf oder habe ich später das Nachsehen. Denn die Zeiten der Makler mit ihren dicken Limousinen sind vorbei.

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Was für Objekte hast Du vermittelt?

Nach meinem Immobilienmakler-Schein habe ich klein angefangen – mit Eigentumswohnungen als Kapitalanlage. Später konnte ich mich steigern und habe Einfamilienhäuser verkauft. Nach Scheidungen und bei Erbschaften bekommst du von den Kunden auch mal direkt einen Folgeauftrag. Im vergangenen Jahr waren dann auch größere Gewerbeobjekte dabei.

Die Makler selbst argumentieren ja immer, der Preis sei durch die Qualität der Vermittlung gerechtfertigt.

Den Vermietern ist bewusst geworden, welchen Preis die Leistung plötzlich kostet. In München kann ich als klassischer Makler mit einer Wohnung schonmal 6.000 Euro verlangen, wenn ich für eine teure Wohnung zwei Kaltmieten bekomme. Das ist der Punkt, an dem der Vermieter spätestens sagt: Ich stelle mich lieber am Wochenende hin und vermiete selbst. Andere versuchen zu verhandeln und sagen: „Mensch, du hast bislang einen Haufen Geld mit uns verdient, kannst du nicht mit dem Preis runtergehen?“

Wie hast Du Dir diesen Preis damals erklärt?

Ohne Plattformen im Internet war es schwieriger, eine Wohnung zu vermitteln. Da hat man Anzeigen in der Tageszeitung geschaltet oder auf sein Netzwerk zurückgegriffen. Ein Netzwerk ständig zu pflegen ist zweifelsfrei auch kostenintensiv und zeitaufwendig. Aber aus dieser Zeit kommen die Preise. Es ist heute nicht mehr zeitgemäß, zwei Netto-Kaltmieten auf einem Nachfragemarkt zu verlangen.

War Dir bei Deiner Tätigkeit als Makler bewusst, wie viel Du von Deinen Kunden verlangst?

Definitiv. Anfangs hatte ich es ja nicht anders beigebracht bekommen. Ich persönlich habe meinen Kunden später auch mal einen Rabatt auf die Makler-Courtage gegeben, weil ich Interesse an einer längerfristigen Zusammenarbeit und Folgeaufträgen hatte.

Wie hat sich Deine Arbeit bei McMakler im Vergleich zu früher verändert?

Als Ein-Mann-Unternehmen war ich mit zwei, drei Objekten zugange. Hier haben wir eine ganz andere Schlagzahl. Wir arbeiten sehr strukturiert, dass wir mit einem Team von fünf Leuten in München viele Wohnungen pro Woche aufnehmen können.

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Software spielt bei euch sicherlich eine wichtige Rolle.

Es greift alles ineinander. Der Termin zur Objektaufnahme wird vom Sekretariat aus per Mail koordiniert. Wenige Tage später machen wir die Fotos und messen die Wohnung mit einem speziellen Gerät aus. Am selben Tag laden wir noch die Exposés hoch – zum Beispiel auf Immobilienscout. Wenige Tage später finden dann die Besichtigungstermine statt. Die Software erlaubt dieses strukturierte Arbeiten: vom Erstellen des Mietvertrages bis zur Schlüsselübergabe. Ein Kollege von mir, der immer noch als klassischer Makler arbeitet, kennt sich zwar ganz gut mit Immobilienscout aus, alles andere macht er noch mit Zettel und Stift. Die Arbeit ansich ist praktisch die gleiche, doch der normale Makler arbeitet in der Regel nicht so strukturiert und kann diese Anzahl an Objekten einfach nicht erfassen.

In welchem Job hast Du mehr Geld verdient?

Als Selbstständiger musst du ständig an der Kontinuität deiner Einnahmen arbeiten. Nachdem ich zuletzt ein anspruchsvolles Gewerbeobjekt vermitteln konnte, war es Zeit, die nächste Herausforderung anzugehen. Mehr will ich dazu nicht sagen. (lacht)

Bild: McMakler