Stéphanie Leone, Gründerin von Mamy Factory

Fleißige Rentnerinnen produzieren für wohlhabende Eltern

Das kleine Büro von Stéphanie Leone liegt in einer unscheinbaren Seitenstraße im schicken 17. Arrondissement von Paris. Umringt von gestrickter Kinderkleidung sitzt die zierliche junge Frau hinter ihrem Schreibtisch, an der Wand kleben große Fotos von lachenden Rentnerinnen.

Von hier aus steuert Leone ihr kleines Startup, das in Frankreich derzeit Furore macht: Mamy Factory (www.mamyfactory.com), ein Online-Shop für gestrickte Kinderklamotten – für rosafarbene Pullover, blau-weiß gestreifte Kleidchen oder bestickte Kissen. Das Besondere an der Idee: Alle Stücke lässt die Gründerin von französischen Rentnerinnen stricken. Deswegen müssen die Kunden bei der Bestellung nicht nur Modell und Farbe auswählen, sondern auch eine Omi, die das Teil dann bei sich zu Hause produziert.

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„Wenn jemand beispielsweise einen kleinen Hut haben möchte, werden dem Kunden alle Omis vorgeschlagen, die diesen Hut stricken können und die passende Wolle zu Hause haben“, erklärt Leone. Die heute 38-Jährige schmiss ihren Job im Marketing, um im September 2012 ihr eigenes Startup zu gründen.

Über das Konzept für Mamy Factory hat Leone, die eine sechsjährige Tochter hat, lange nachgedacht: „Ich habe mehrere Bücher über den Wandel der Gesellschaft gelesen, um mir Inspiration zu holen“, erzählt sie. Dabei sei ihr aufgefallen, dass es immer mehr ältere Menschen gibt, die viel Zeit übrig haben. Und dass es vielen Kunden immer wichtiger wird, wo und wie Produkte hergestellt werden. „Ich habe mir überlegt, dass ich diese beiden Entwicklungen zusammenführen kann, wenn ich ältere Menschen Kinderkleidung stricken lasse“, erläutert Leone. „So wissen die Kunden, woher die Sachen kommen und die Omis können ihre freie Zeit optimal nutzen.“

Die Idee von Mamy Factory kommt gut an: „Wir haben mittlerweile rund 500 Kunden in ganz Europa. Die meisten kaufen immer wieder – das macht mich besonders stolz.“ Die gestrickten Teile seien recht teuer, gibt die Französin zu. Ihre Kunden seien daher überwiegend wohlhabend.

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Für die Aufträge beschäftigt Mamy Factory derzeit rund 50 pensionierte Frauen aus ganz Frankreich. Täglich bekommt Leone neue Anfragen: 3.500 Rentnerinnen haben sich bisher beworben. „Die Omis wollen aus unterschiedlichen Gründen für uns stricken“, sagt Leone. „Einige sind vermutlich einsam oder ihnen ist einfach etwas langweilig zu Hause. Außerdem verdienen sie sich etwas Geld dazu.“ Für ein volles Einkommen reichen die Aufträge aber nicht aus – die „Knitting Grannys“ werden pro Stück, nicht nach Zeit bezahlt. Welchen Anteil sie von dem recht hohen Verkaufspreis erhalten, will die junge Unternehmerin nicht verraten – auch die Umsatzzahlen behält sie für sich.

Bisher hat Stéphanie Leone ihr kleines Startup komplett selbst finanziert. Jetzt ist sie auf der Suche nach einem Investor, um ihr Geschäft auszuweiten. „Ich glaube, wir haben großes Wachstumspotential.“

Der Showroom von Mamy Factory

Bild: Mamy Factory, Hannah Loeffler