Marc Samwer

Marc Samwer

Mehr als Klon-Krieger?

Kopiert Rocket Internet nur? Der Vorwurf ist nicht neu. „Nichts fällt vom Himmel“, entgegnet Marc Samwer – der zusammen mit seinen Brüdern Oliver und Alexander bekanntlich hinter dem Inkubator steht – auf der gerade stattfindenden Techcrunch Disrupt in Berlin. „Wir verbinden gerne die besten Ideen, die wir sehen.“ Oftmals starte alles mit einem Modell aus den USA oder China. Aber es gebe mehr Komponenten, nichts könne „nur eine Idee alleine sein“.

Ohnehin mache man deutlich mehr, als nur Geschäftsmodelle zu kopieren. Rocket passe die Konzepte an die regionalen Märkte an und lokalisiere die gesamte Nutzer-Experience. Diese Aussage von Marc Samwer steht im Gegensatz zur üblichen Sichtweise, dass der Samwer’sche Inkubator im Blaupausen-Stil Geschäftsmodelle von Land zu Land aufbaue.

„Geht nach Afrika!“

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„Wir denken an Märkte, die sonst niemand auf dem Schirm hat“. Zuletzt hatte sich Rocket Internet auf Wachstumsregionen wie Afrika, Südostasien oder Lateinamerika konzentriert. Gerade erst launchten die Samwer-Brüder den Gebrauchtwagen-Marktplatz Carmudi. Zusätzlich startet Rocket Internet in vielen Ländern Amazon- oder Zalando-Klone.

Währenddessen bieten für Samwer gerade die Schwellenländer die größten Wachstumsaussichten. Dort gebe es derzeit besonders im Online-Geschäft wenig Wettbewerb, gleichzeitig wachse der Mittelstand zügig und es stehe immer mehr verfügbares Einkommen zur Verfügung. „Es gibt keinen Ort auf der Welt, an dem man nicht ein großartiges Online-Business starten könnte“, sagt Samwer.

Wunde Punkte der Vergangenheit

In der Vergangenheit war das nicht immer ganz ohne Negativschlagzeilen abgelaufen. Massenentlassungen, fragwürdige Arbeitsmethoden, Blitzkrieg-Email (für die er sich auf der Techcrunch Disrupt nun entschuldigte). Und längst nicht alle Samwer-Vorhaben wurden automatisch zu Erfolgen. Etwa das nach der CityDeal-Übernahme stark von den Samwer-Brüdern beeinflusste Schnäppchenportal Groupon, dass sich nach einem katatrophalen ersten Börsenjahr erst langsam und mit verändertem Geschäftsmodell etwas erholt. Samwer sieht’s gelassen: „Die Öffentlichkeit versteht jetzt erst, wie großartig das Groupon-Geschäftsmodell ist“, sagt er.

Auch Vorwürfe hinsichtlich eines übermäßig aggressiven Vorgehens in neuen Märkten – massives Abwerben von Mitarbeitern, Hire-and-fire-Mentalität – will Marc Samwer nicht stehen lassen. „Wir handeln schneller als Siemens oder andere“, sagt er. Angesprochen auf das apprupte Ende des Türkei-Geschäfts ergänzt er: „Wenn wir merken, dass wir das Modell nicht genug anpassen können, dann geben wir den Markt auch auf.“

Drei Brüder unter sich

„Wir“, das sind er und seine beiden Brüder Oliver und Alexander. „Ich kann mir nicht vorstellen, nicht mit meinen Brüdern zu arbeiten“, sagt Marc. Jeder habe seine Rolle bei den Unternehmungen. Und dennoch: „Wir sind sehr austauschbar“, ergänzt er.

Und wie intensiv stimmen sich die drei Brüder ab? „Einige Wochen reden wir gar nicht viel. Manchmal unterhalten wir uns stundenlang, oft aber auch nur kurz am Telefon.“ Einigkeit sei dabei auch gar nicht das Ziel. „Wie alle guten Geschwister streiten wir auch. Aber das ist meistens sehr gewinnbringend.“

Wie das Netz reagiert:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild: Alex Hofmann