Bauchfreie Oberteile, zerrissene Shorts und offene Haare gehören zu den Markenzeichen von mvb412

Eigentlich ist Marie von Behrens eine ganz normale 19-Jährige: Sie liebt Klamotten, ihr Smartphone und ihre Freundinnen. Im vergangenen Sommer hat sie ihr Abitur gemacht. Ihr Alleinstellungsmerkmal: Marie von Behrens wird gerade zu einem Star auf Instagram. Mehr als 86.000 Menschen folgen ihrem Account mvb412. Sie hat darüber bislang 762 Bilder geteilt.

Laut Influencer.db ist die Fangemeinde der jungen Hamburgerin in den vergangenen zwölf Wochen um 32,2 Prozent gewachsen. Im Schnitt wird jedes ihrer Bilder fast 30 mal kommentiert. Zwei neue Fotos kommen jeden Tag dazu.

Für von Behrens, die nebenbei als Social-Media-Expertin für das Startup Rebelle und den Hamburger Design-Store Petra Teufel arbeitet, ist das ganze längst kein Hobby mehr – das zeigt sich, als wir ein Interview mit ihr ausmachen. Die Anfrage bearbeitet nicht etwa sie selbst, sondern ihr Manager, der Kooperationen mit Werbepartnern betreut. Auch bei unserem Interviewtermin, der in einem Café im Hamburger Stadtteil Eppendorf stattfindet, ist er dabei.

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Marie, wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen, regelmäßig Fotos von dir zu posten?

Ich habe schon immer viel fotografiert – anfangs mit der Kamera meines Vaters. Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass es natürlich nicht so viel bringt, wenn man immer nur Fotos macht, die aber mit niemandem teilt. Deswegen habe damals einen Blog gestartet, der aber zu Beginn echt nicht besonders schön aussah (lacht).

Wie alt warst du damals?

Zwölf Jahre alt.

Wow! Wie haben deine Mitschüler damals reagiert?

Ich habe natürlich oft gesagt bekommen, dass das alles voll peinlich ist. Aber irgendwie war mir das egal – ich konnte da immer darüberstehen, weil ich immer viele Freunde hatte, die dahinterstanden.

Wie ging’s dann weiter?

Irgendwann habe ich gemerkt, dass viele Blogger sich mit coolen Outfits fotografieren. Deswegen habe ich das dann auch gemacht – ich war sowieso immer schon total verrückt nach Klamotten.

Convince me that I am not a monster

Ein von Marie von Behrens (@mvb412) gepostetes Foto am

Und wann hast du mit Instagram angefangen?

Im Sommer vor zwei Jahren. Erst hatte ich einen privaten Account und als ich dann meinen Account öffentlich stellte, sind mir viele meiner Blog-Leser auch gleich auf Instagram gefolgt. Trotzdem hat es irre lange gedauert, bis ich mal 10.000 Follower zusammen hatte.

Mittlerweile hast du über 86.000 Follower. Woher kommen die denn alle?

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Anfangs habe ich meinen Kanal auch über Facebook beworben, vielleicht kommen einige daher?!

Was sagen denn eigentlich deine Eltern dazu? Schließlich postet du ja auch manchmal Bikini-Bilder.

Meine Eltern sind da ziemlich entspannt. Die haben auch beide Instagram und gucken sich all meine Bilder an. Sie wissen, dass das wichtig für mich ist und interessieren sich deshalb sehr dafür. Da sie auch meinen Freunden folgen, wissen sie, dass wir alle solche Bilder posten. Außerdem: Ich poste ja keine Nacktbilder oder Fotos in Unterwäsche. Wenn ich am Strand bin, sehen mich die Leute ja auch im Bikini.

Denkst du manchmal, dass du zu viel von dir preisgibst?

Als ich jünger war, hieß es immer: Postet bloß keine Fotos, dann bekommt ihr später keinen Job. Mittlerweile mache ich mir aber keine Gedanken mehr darüber. Fotografie ist Kunst für mich.

Du bekommst nicht nur positive Kommentare unter deinen Bildern. Wie gehst du mit negativen Reaktionen um?

Anfangs habe ich mir immer gewünscht, dass man die Kommentarfunktion bei Instagram einfach ausschalten kann. Mittlerweile bin ich da entspannter. Ich bekomme beispielsweise ständig Kommentare von Leuten, die mich dafür kritisieren, dass ich so dünn bin. Aber so ist das eben, ich war schon immer so – das ist mir relativ egal.

Inwiefern profitierst du denn von deinem Instagram-Erfolg?

Ich habe beispielsweise verschiedene Social-Media-Jobs so bekommen. Dazu kommt, dass ich täglich Mails von Startups oder anderen Unternehmen bekomme, die wollen, dass ich ihre Produkte bei Instagram poste.

Kann man mit 86.000 Followern bei Instagram also schon Geld von Unternehmen verlangen?

Klar, das schon. Aber noch viel wichtiger als die Anzahl der Follower ist die Interaktionsrate, also wie viele Likes und Kommentare ich für jeden meiner Posts bekomme. Denn es ist relativ einfach, Follower bei Instagram zu kaufen, die interagieren dann aber auch nicht. Aber das haben viele Unternehmen, die nun über Instagram Marketing machen, noch gar nicht verstanden.

Mit welchen Unternehmen kooperierst du beispielsweise?

Ich kooperiere beispielsweise mit dem Hamburger Modelabel „Closed“, aber auch mit neuen aufstrebenden Marken, beispielsweise dem Schuhlabel „Alsen Ibiza“ und dem Uhren-Startup „Kapten & Son“.

 

Morning walk wearing my @kaptenandson watch

 

Ein von Marie von Behrens (@mvb412) gepostetes Foto am

Wie viel verdienst du im Monat mit deinen Posts?

Das kommt natürlich darauf an, wie viele Unternehmen mich im Monat anschreiben. Ich kann nur sagen, dass ich mindestens 250 Euro für einen Instagram-Post bekomme. Mehr will ich ungern dazu sagen.

Kannst du denn von deinem Instagram-Account leben?

Gerade schon. Noch wohne ich ja bei meinen Eltern. Und wenn ich meine Shopping-Sucht besser unter Kontrolle hätte, wäre es erst recht kein Problem (lacht).

Instagram-Stars wie Chiara Ferragni haben ganze Unternehmen mit Instagram aufgebaut. Träumst du auch von so etwas?

Ja, das wäre natürlich der Hammer. Ich will das Beste rausholen, aber das, was Chiara Ferragni aufgebaut hat, ist auch echt nicht mehr normal.

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Und was hast du nun für konkrete Pläne?

Am liebsten würde ich mal etwas länger in die USA ziehen, weil ich den Lebensstil dort liebe und viele Freunde dort habe. Außerdem sind Instagram-Blogger in den USA schon viel erfolgreicher und angesehener, weil die Industrie größer ist.

Was sagen deine Freunde heute zu deinem Instagram-Erfolg?

Mittlerweile sagen sie alle, dass ich sie verlinken soll, damit sie mehr Follower bekommen (lacht). Meine Freunde stehen da total hinter mir und finden das alles sehr spannend.

Vielen Dank für das Gespräch, Marie.

Bild: Fab4Media