Praktisch! Die Matratze von dem New Yorker Startup Casper wird in kleinen Boxen zusammengerollt verschickt

Der Matratzen-Trend begann 2014 in den USA. Das New Yorker Startup Casper sammelte im Frühjahr und Herbst insgesamt knapp 15 Millionen US-Dollar ein. Und der Paukenschlag kam erst noch: Im Juni 2015 – 14 Monate nach dem Start – verkündete das von Philip Krim geführte Unternehmen eine weitere Finanzierungsrunde über 55 Millionen US-Dollar. Bei einer Bewertung von über einer halbe Milliarde! Unter den Investoren: die Hollywood-Stars Leonardo DiCaprio und Tobey Maguire sowie Maroon-5-Frontmann Adam Levine. Angeführt wurde die Runde von dem Investor Institutional Venture Partners.

Das Ziel von Casper: Die Matratze zu einem coolen Produkt machen. Und den Kauf für Kunden so unkompliziert wie möglich gestalten. „Eine Matratze zu kaufen, ist eine der schlechtesten Kundenerfahrungen weltweit“, begründet Caspar-CEO Philip Krim. Schließlich müsse man im Laden probeliegen, dann zwischen etlichen Modellen entscheiden, das sperrige Teil womöglich noch durch das eigene Treppenhaus quetschen – und dafür jede Menge Geld hinblättern.

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Casper versucht deswegen, den Markt umzukrempeln. Die Matratzen sind mit 500 bis 950 US-Dollar laut Casper günstiger als in herkömmlichen Geschäften, weil sie ohne Zwischenhändler verkauft werden. Die Produkte werden kostenlos und zusammengerollt in einem kompakten Karton verschickt. Innerhalb von New York und San Francisco sogar innerhalb von 60 Minuten. Dann dürfen die Kunden ihre Matratze 100 Tage lang testen. Wem sie nicht gefällt, kann sie kostenfrei zurücksenden.

Für das Modell bekam Casper viel Lob von den US-Medien. Das Magazin Forbes beispielsweise wählte Casper unter die „Hottest Startups“ des Jahres 2015. Eine Redakteurin von Business Insider schrieb auf, warum sie nie wieder eine andere Matratze außer die von Casper kaufen würde. Keine Frage: Dieses Startup weiß, wie gutes Marketing funktioniert, was eine beliebte Marke ausmacht und wie eine Webseite besonders nutzerfreundlich gestaltet wird.

Casper ist nicht das einzige – und auch nicht das erste – Unternehmen, das das Potential des Matratzenmarktes erkannt hat. Zu den erfolgreichen Wettbewerbern zählt beispielsweise das Startup Tuft & Needle mit Hauptsitz in Phoenix, das seine Matratzen zu ähnlichen Konditionen wie Casper verkauft. Auch das Unternehmen Leesa aus dem Bundesstaat Virginia hat sich erfolgreich am Markt positioniert.

Ähnlich fragmentiert sieht es mittlerweile in Deutschland aus: Das Londoner Startup Eve, das gerade eine Finanzierungsrunde mit Octopus Investments und DN Capital über 3,5 Millionen Euro abschloss, liefert auch hierzulande aus. Geleitet wird es neben den Gründern von den Ex-Zalando-Mitarbeitern Jas Bagniewski und Felix Lobkowicz. 5,2 Millionen Euro setzte Eve nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr um. Das Wachstum soll bei 35 Prozent pro Monat liegen.

Während Eve damit wirbt, „die bequemste Matratze“ zu verkaufen, glaubt der Berliner Konkurrent Bruno, „die beste Matratze der Welt“ im Angebot zu haben. Das neue Startup Muun – das einen schicken Webauftritt hat, aber bislang unter dem Radar läuft – liefert seinen Kunden ihre „persönliche Matratze“. Auch das Frankfurter Startup Emma hat sich auf den Verkauf von Matratzen spezialisiert. Genauso wie das Unternehmen Sleepz, das in Berlin sitzt, sowie das Rocket-Venture Home24 mit seiner Untermarke Smood.

Sie alle wollen einen Teil des Online-Matratzenmarkts abhaben. Muun schreibt beispielsweise in seinen Presseunterlagen, dass das Marktvolumen in Deutschland bei einer Milliarde Euro liege. Aktuell würden aber nur 10 Prozent der Produkte online verkauft, 2020 sollen es 17,5 Prozent sein. Der Vorteil für die Händler: Die Margen bei Matratzen sind hoch, Retouren vergleichsweise niedrig.

Für die Kunden unterscheiden sich die Angebote der Unternehmen allerdings kaum. Casper, Tuft & Needle, Leesa, Eve oder Muun verschicken ihre Matratzen kostenfrei und bieten eine kostenlose Rücksendung an. Kunden dürfen die Matratzen 100 Tage testen. Bei dem Berliner Unternehmen Bruno sind es nur 30 Tage, was aber ebenfalls ausreichen dürfte.

Wer in den USA, England oder Deutschland am Ende gegen etablierte Offline-Händler dominiert, wird sich über den Preis, das Marketing und den Kundenservice, beispielsweise bei der Lieferzeit, entscheiden. In puncto Kapitalisierung liegt Casper aktuell jedenfalls weit vorne.


Der neue Spot von Casper:

Bild: Casper