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Das Alando-Gründerteam mit Max Finger

Das Alando-Gründerteam: Samwer, Finger und Co.

Das Online-Auktionshaus Alando war die erste Erfolgsgeschichte der drei Brüder Alexander, Marc und Oliver Samwer und legte den Grundstein für das teilweise kontroverse aber extrem erfolgreiche samwersche Internet-Märchen. Dennoch bestand das Gründerteam, das erfolgreich an Ebay verkaufte, auch aus Karel Dörner, Jörg Rheinboldt und Max Finger.

Über den weiteren Werdegang der Samwer-Brüder ist hinlänglich alles bekannt. Auch Jörg Rheinboldt ist der Startup-Szene erhalten geblieben. Rheinboldt gründete unter anderem Betterplace, tätigt mit M10 Investments und wurde kürzlich zum Geschäftsführer des Springer-Inkubators Plug and Play ernannt. Auch Mitgründer Karel Dörner tätigte in der Vergangenheit mehrere Investments in die Szene und ist seit geraumer Zeit Principal bei McKinsey & Company – dort war er bereits vor Alando tätig. Was aber wurde aus Alando-Gründer Max Finger?

Max Finger und Oliver Samwer vor und bei Ebay

„Es war klar, dass wir gründen würden“, kommentiert Max Finger (Jahrgang 1969) die Entstehung von Alando gegenüber Gründerszene und fügt hinzu: „Die Gründungsidee haben wir gemeinsam während des Studiums entwickelt“. Finger und Mitgründer Oliver Samwer kannten sich bereits vor Alando. Beide hatten zusammen an der WHU studiert und gemeinsam die Diplomarbeit „America’s Most Succesful Startups” verfasst. Die Arbeit ist ein Leitfaden für das Aufziehen eines erfolgreichen Startups, auf Basis von Interviews mit bereits erfolgreichen US-Unternehmen.

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Ein zu der Zeit äußerst erfolgreiches US-Unternehmen ist Ebay. Die Diplomarbeit zum Thema datiert auf September 1998, nur wenige Monate vor der Gründung Alandos durch Samwer, Finger und Co. Im Sommer 1999 wird Alando dann nach nur drei Monaten von Ebay aufgekauft. „Wir hatten das beste Produkt“, nennt Finger gegenüber Gründerszene das Kaufinteresse Ebays. Dass sich der US-Riese für Alando und nicht die Konkurrenz wie etwa Ricardo entschied, lag neben dem Produkt und dessen Erfolg (bereits drei Millionen Pageviews im ersten Monat) auch an den Gründern selbst.

Nach der Übernahme arbeiteten diese noch ein Jahr im Unternehmen „um dann wieder unternehmerisch tätig zu werden“, so Finger. Nur Jörg Rheinboldt blieb noch bis 2004 als Geschäftsführer für Deutschland im Unternehmen.

Finger und Samwers gründen Jamba

Unternehmen Nummer zwei, Jamba, war eine Samwer-Finger-Produktion – „mit dem Produkt i-mode des Unternehmens NTT Docomo aus Japan als Vorbild“, sagt Finger. Einer der Gründungsgründe für das im Oktober 2000 gestartete Unternehmen waren neben dem Erfolg des Vorbilds auch die im Sommer 2000 stattgefundenen Versteigerungen der UMTS-Lizenzen durch die Regulierungsbehörde, so Finger. Da die UMTS-Verbreitung allerdings auf sich warten ließ, lag der Fokus neben Mobiltelefon-Anwendungen auf Klingeltönen. Das Unternehmen wuchs rasant und verzeichnete nach einem Dreivierteljahr bereits eine Million Kunden.

Nach einem Jahr nach Gründung verlässt Finger das junge Unternehmen allerdings wieder – die von der Öffentlichkeit angeprangerte Abo-Abzocke und auch die penetrante Werbefigur „Crazy Frog“ bekommt er in seiner Zeit als Marketing-Chef nicht mehr mit.

Gesetzter Mittelstand vs. Startup

Die nächste Station im Jahre 2002 „kam spontan“, sagt Finger. Sein neuer Arbeitsplatz wird die Leitung des mittelständischen Unternehmens der Familie Finger, die Maschinenfabrik Mönninghoff, sein. Angesprochen auf den Unterschied zwischen Tech-Startup und gesetzterem Mittelstandsunternehmen meint Finger, dass es „egal sei, was man verkaufe“ – lediglich die Betriebsabläufe und Entscheidungswege seien andere gewesen und ergänzt, dass es „schön war, ein reales Produkt zu verkaufen“.

Max Finger zurück in Berlin: Saftladen und Investments

Den umtriebigen Max Finger zieht es danach gegen 2004 aber wieder nach Berlin. Eines der Projekte, das er dort angeht, ist der „Saftladen“ Grashopper, den er zusammen mit seiner Freundin und Schauspielerin Niki Greb und der Schauspielerin Esther Schweins ins Leben ruft – als Anschrift der österreichischen Domain ist die Mönninghoff-Adresse zu entnehmen.

„Die Idee stammte aus den USA, funktionierte in Berlin aber nicht“ – die Promi-Bar, die unter anderem Säfte mit Gras anbot, musste 2007 wieder schließen. „Es war ein schwieriges Geschäftsmodell“, meint Finger, der aber keinesfalls reumütig zurückblickt, sondern erwidert: „Es war nur ein Projekt von vielen“.

Mit etwas Rechercheaufwand sind weitere Projekte ab 2007 öffentlich zugänglich. Da wären zum Beispiel Investments unter anderem in das Berliner Restaurant Paris Bar aus dem Jahre 2007 und eine Investition aus dem vorherigen Jahr in das Berliner Food-Startup Yes Please – beide zusammen mit Rechtsanwalt Robert Unger. Zudem ist Finger Aufsichtsrat des Maschinen-Spezialisten Lenze SE.

Max Finger wählt seine Worte während des gesamten Interviews stets mit Bedacht und es wird deutlich, dass man einen cleveren und konsequenten Geschäftsmann vor sich hat, der zudem keinen gesteigerten Wert darauf legt, in der Öffentlichkeit zu stehen. Das erinnert in Zügen an die Samwer-Brüder, zu denen Finger „noch regelmäßig Kontakt“ hat und dessen Geschicke er weiterhin verfolge. Dennoch setzt er mittlerweile „andere Prioritäten“ – er sei „nicht mehr in den 20ern“.

Bild: Ebay

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