McClure Elman Tisch Web Summit

Für sein eigenes Startup Spring hat David Tisch gerade 7,5 Millionen Dollar bekommen. Auf der Bühne legt 500-Startups-Chef Dave McClure gleich noch ein paar Euro drauf.

Was war der verrückteste Pitch, den sie jemals erlebt haben?

Hier muss Dave McClure nicht nachdenken, die Geschichte ist fast schon berühmt: Alex Moore, CEO des Browser-Plugin-Startups Baydin, sah einen Tweet McClures, der nach einer Mitfahrgelegenheit zur Autowerkstatt suchte. Moore fackelte nicht lange, holte McClure ab und pitchte auf dem Weg zur Werkstatt. 100.000 Dollar brachte es dem jungen Gründer.

TechStars-New-York-Gründer Tisch erzählt derweil von zwei jungen Gründern, die 4.000 Meilen um die Welt geflogen waren, um ihn dann im Fahrstuhl abzufangen. Und dann trotz Zehn-Stunden-Flug völlig unvorbereitet zu pitchen. Tisch lehnte ab.

Die vergangene Leistung oder die große Vision für die Zukunft – was ist den dreien wichtiger?

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Da ist sich das Investoren-Trio uneins. „Die Vergangenheit ist entscheidend. Die große Idee für die Zukunft interessiert mich nicht“, sagt er. Wichtig sei, ob der Gründer schon bewiesen hat, dass er etwas aufbauen kann. Zwischen den Zeilen soll wohl stehen: Die Execution ist ihm wichtig, das „Können“ des Gründers.

Anders sieht es Greylock-Partner Josh Elman. Der will lieber wissen, wo der Gründer mit seiner Idee hin will. Und wie er da ankommen will. Ob er das Zeug dazu hat, das auch zu tun, will er, so scheint es, aus den Schilderungen des Gründers ableiten.

Ob es auch leichtfertige Investitionen gibt?

Fast immer gibt es eine Vorgeschichte. Da stimmen die drei überein. Entweder habe der Gründer schon vorher etwas geleistet oder das Startup sei schon „hot“ und habe Traction. Selbst bei seinem „Taxi-Investment“ habe McClure den Scheck anders als oft zitiert nicht sofort unterschrieben – hinzu komme, dass Moore MIT-Absolvent und Techstars-Alumnus ist.

Auch sogenannte Übernacht-Erfolge seien meist über Jahre hinweg vorbereitet worden. Als Beispiel muss das soziale Netzwerk Ello herhalten, das vor seiner Berühmtheitsexplosion bereits seit zwei Jahren in Entwicklung war. Greylock-Mann Elman fügt noch hinzu: „Wer leichtfertig investiert, ist wahrscheinlich kein guter Helfer, wenn es einmal nicht so gut läuft.“

Wie oft empfinden die drei „Kaufreue“?

Das komme schon öfter vor, auch hier herrscht Einigkeit beim Investoren-Trio. Viel gravierender sei es aber, wenn man gute Investitionen verpasst. Diese Fehlentscheidungen ärgern sie fast täglich.

Was war die dümmste Absage, die sie je gemacht haben?

Der Punkt geht ganz klar an Dave McClure. Der hatte einst ein Investment in Uber bei einer Bewerung von 10 Millionen Dollar – ja, Millionen! – abgelehnt. Heute ist das US-Startup das 2.000-fache wert. Aber auch David Tisch weiß von Reue zu berichten: Ein im Nachhinein lukratives Investment schlug er aus, weil er beim Gespräch mit dem Gründer unterwegs und die Verbindung schlecht war.

Bild: Web Summit (Screenshot)