McKinsey Digital Lab Markus Berger-de León

„Wir sehen gerade die erste Welle von vielen“

Die Berater kommen! Nach der Boston Consulting Group und Deloitte bringt nun auch die Unternehmensberatung McKinsey & Company seine Digital-Aktivitäten nach Deutschland. Um den eigenen Kunden – (Dax-)Konzerne und große Mittelständler – beim Schritt in die bislang „verschlafene“ Digitalwelt zu helfen, wurde in Berlin nun das weltweit neunte Digital Lab eröffnet.

Geführt wird das McKinsey-Digitallabor von einem bekannten Startup-Kopf: Markus Berger-de León war zuvor unter anderem als CEO bei Jamba, StudiVZ beziehungsweise den VZ-Netzwerken und MyHammer tätig. Sein letztes Projekt Stimp, das zuvor als Roombeats gestartet war und das Bilderwerbung für Anbieter effizienter machen sollte, musste er vor knapp einem Jahr aufgeben.

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Für die McKinsey-Abteilung soll er nun ein Digital-Team zusammenstellen. „Geplant ist ein 30-köpfiges Team, bestehend vor allem aus Designern, Coaches und Software-Entwicklern“, erklärt Berger-de León gegenüber Gründerszene. Das Ziel der Truppe: „Es geht um die Umsetzungen der Lösungen, die gemeinsam mit dem Beraterteam und den Klienten erarbeitet werden.“ Der Fokus soll nach Unternehmensangaben auf dem Bereich Big Data liegen: Advanced Analytics, Data Engineering und Machine Learning werden als Schwerpunkte genannt.

Das Berliner Labor soll den Angaben zufolge eng angebunden sein an die internationalen Digital-Aktivitäten der Unernehmensberatung. Die sind – natürlich – im Silicon Valley, zudem in New York, London, Bangalore oder Singapur beheimatet. Rund 500 Projekte seien von den weltweit 800 Digital-Experten insgesamt umgesetzt worden, wirbt McKinsey, ein Teil davon auch in Deutschland. Warum erst jetzt der Start in Berlin? „Bislang wurden die Klienten von London aus betreut, die meisten sind ja ohnehin international aktiv“, sagt Berger-de León. „Nun wird der Kontakt noch einfacher, und einige Projekte laufen schon.“

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Eine eigene Digital-Gesellschaft werde es aber nicht geben, betont McKinsey. In diesem Punkt unterscheidet man sich inbesondere vom Wettbewerber Boston Consulting Group: Dessen vom früheren Xing-Chef Stefan Gross-Selbeck geführte Tochter BCG Digital Ventures hatte zum offiziellen Start im vergangenen Herbst ganz bewusst betont: Man verstehe sich nicht als Berater, sondern als Gründer und Entrepreneure. Welcher Ansatz besser ist? „Das ist eine akademische Diskussion“, antwortet Berger-de León. „Wir wollen die Lösungen Stück für Stück mit den Unternehmen erarbeiten. Da ist ein integrierter Ansatz geeigneter.“

Einen ganz anderen Weg geht derweil Roland Berger. Die Strategieberatung hatte zuletzt mit dem Samwer-Inkubator Rocket Internet angebandelt, in dessen Aufsichtsrat zuvor der Firmengründer selbst einen Platz gefunden hatte. Zusammen mit den drei Brüdern will Unternehmenschef Charles-Édouard Bouée einen „Super-Inkubator“ aufbauen, hieß es vor einem Monat. Ob auch McKinsey direkt mit Startups zusammenarbeiten will, lässt Berger-de León für McKinsey offen. Nur so viel sagt er: „Wir setzen auf auf Opensource und wo es Sinn macht, auch auf Startup-Technologie. Gerade in der Digitalszene setzen Startups oft die Standards.“

Bei all dem Berater-Engagement drängt sich die Frage auf, warum die deutsche Konzernwelt überhaupt schon so lange mit der Digitalisierung hadert. Die Antwort des Laborchefs: „Wir  erleben gerade eine Revolution. Die Veränderungen für die Wirtschaft sind fundamental. Neue Fähigkeiten werden dazu gebraucht – diese in einem großen Unternehmen aufzubauen, braucht Zeit.“ Zu spät für den Schwenk ins Digitale sei es allerdings noch nicht, meint Berger-de León nicht ganz uneigennützig: „Wir sehen gerade die erste Welle von vielen – was nicht heißen soll, dass man es sich jetzt noch erlauben kann zu zögern.“

Bild: S. Hofschlaeger / pixelio.de