mebelrama rocket internet

Verstößt Rocket gegen russische Gesetze?

Neue Kontroverse um Rocket Internet: Der Inkubator hat vor kurzem damit begonnen, seinen russischen Online-Versandhandel für Möbel und Haushaltswaren, Mebelrama (www.mebelrama.ru), abzuwickeln – weitesgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit, denn zur selben Zeit konnte Rocket mit einer Erfolgsmeldung aufwarten: Der russische Zalando-Klon Lamoda bekam 130 Millionen Euro in einer rekordverdächtigen Finanzierungsrunde. Anton Ovchinnikov will nun für die fehlende Öffentlichkeit sorgen und hat einen Blog eröffnet, in dem er beschreibt, wie Rocket das gescheiterte E-Commerce-Projekt aus Moskau abwickelt.

Der Hauptvorwurf: Rocket pfeift auf russische Gesetze, indem es etwa nicht den gesamten noch ausstehenden Lohn auszahlen will. „Anstatt einer Entschädigung in Höhe von zwei Monatsgehältern, worauf wir nach dem russischen Arbeitsrecht einen Anspruch haben, wurde mir das Gehalt vom Juni und eine Woche Urlaubsgeld angeboten. Eigentlich habe ich nicht nur einen Anspruch auf zwei Monatsgehälter, sondern auf drei wenn ich keinen Job innerhalb dieser zwei Monate nach meiner Entlassung finde“, schreibt Ovchinnikov.

Anzeige

Mebelramas Begründung folgt im nächsten Absatz: „Die Argumentation von Geschäftsfürern? Sehr einfach. Das Unternehmen hat kein Geld. Die Investoren haben sich entschieden, kein Geld mehr reinzustecken.“

Verhandlungen mit der Chefetage seien gescheitert, Accounts geblockt und damit Ovchinnikovs Arbeitsgrundlage für die Zeit bis zum Abwicklungsende entzogen worden.

Erst im Dezember 2012 hatte Mebelrama noch eine Zehn-Millionen-Euro schwere Finanzierung von Rocket bekommen, ein halbes Jahr später wird das Startup jetzt dicht gemacht. Der Inkubator der Samwer-Brüder war aber auch schon in der Vergangenheit nicht sonderlich zimperlich beim Abwickeln gescheiterter Projekte. So wurden etwa im vergangenen Sommer sämtliche Türkei-Aktivitäten in einem Handstreich beendet.

Update: Stellungnahme von Mebelrama-CEO Stoll

Mebelrama-Geschäftsführerin Manuela Stoll – auch Geschäftsführerin des russischen Ablegers des Möbel-Shoppingclubs Westwing – hat sich nun zu Anton Ovchinnikovs Vorwürfen geäußert:

Anzeige

„Zunächst einmal kurz zum Hintergrund: Mebelrama wird geschlossen, weil das Management-Team und die Investoren sich gemeinsam entschlossen haben, dass es sinnvoll ist, unsere Anstrengen im Bereich Home & Living auf nur ein Geschäftsmodell zu fokussieren, statt wie bisher zweigleisig zu fahren.

Westwing.ru hat sich als das bessere Modell für diesen noch jungen Markt herausgestellt, daher wird dieses Modell fortan im Fokus stehen“, erklärt Stoll. Das Management-Team von Mebelrama werde daher Westwing in Russland weiter ausbauen.

„Glücklicherweise konnten wir einen Großteil der Mebelrama-Angestellten für Westwing übernehmen. Leider war dies aber nicht für das gesamte Team der Fall, jedoch freut es mich sehr sagen zu können, dass fast alle Angestellten, die wir bisher gehen lassen mussten, schon einen neuen Job gefunden haben – viele davon bei anderen Ventures von Rocket Internet in Russland oder im Ausland“, so Stoll weiter. Zudem verweist sie auf gute Jobaussichten von E-Commerce-erfahrenen Leuten auf dem Arbeitsmarkt in Moskau.

Zu Ovchonnikov selbst äußert sie sich: „Er wird zur Zeit ganz regulär weiter beschäftigt, um uns bei der Abwicklung zu helfen. Er erhält sein normales Gehalt, ist aber insofern ein Spezialfall, als er im August in den Urlaub fährt und daher wenig Aussichten hat, sofort einen neuen Job zu finden. Es ist zu erwarten, dass er im September nach seinem Urlaub im August einen neuen Job beginnen wird und uns dann erst verlässt.“

Foto: Sergey Tchernyakov / Flickr
GD Star Rating
loading...
Russlands Mebelrama unfair abgewickelt?, 4.1 out of 5 based on 19 ratings
Alle Bilder in diesem Artikel unterliegen der Creative-Commons-Lizenz (Namensnennung-Keine Bearbeitung, CC BY-ND; Link zum rechtsverbindlichen Lizenzvertrag). Ausgenommen sind anders gekennzeichnete Bilder unter anderem von Panthermedia, Fotolia, Pixelio, Morguefile sowie Pressefotos oder verlagseigenes Bildmaterial.