Mediamarkt versus Internet

Erst auf das Internet schimpfen, dann den eigenen Online-Shop anpreisen, als habe es nie etwas anderes gegeben. Wie sehr einige der „alten Giganten“ des Einzelhandels mit dem Internet hadern, wird wohl an kaum einem Beispiel so deutlich wie dem der Media-Saturn-Gruppe. Mancherorts wird E-Commerce sogar gänzlich ignoriert, während sich andere aber mit pfiffigen Konzepten in die schöne (nicht mehr ganz so) neue Netzwelt trauen.

Media-Saturns neuer Anlauf mit Redcoon

Von Amazon über eBay und Mister Spex (www.misterspex.de) bis hin zu Zalando (www.zalando.de) – das Online-Geschäft scheint von Anbietern dominiert zu sein, die sich von Anfang an das Internet als Vertriebsweg ausgesucht haben. Blickt man auf die Marktgiganten von einst, scheinen diese das Online-Geschäft mitunter völlig ignoriert zu haben. Etwa kommt der jüngste und vermeintlich endgültige Vorstoß der beiden großen Elektronik-Ketten Media Markt (www.mediamarkt.de) und Saturn (www.saturn.de) ins Internet reichlich spät.

Nach der (teuren) Übernahme des reinen Online-Händlers Redcoon (www.redcoon.de), mit dem zunächst die Präsenz im Internet gestärkt – und Know-how eingekauft – werden sollte, hat Saturn im Oktober 2011 den Startschuss für das Mehrkanalgeschäft in Deutschland gegeben. Im Januar 2012 ging dann auch Media Markt mit viel Brimborium online. Lässt sich so Avitos, Alternate, Cyberport oder auch Amazon (www.amazon.de) Konkurrenz machen?

Von E-Commerce-Schwerfälligkeit…

Bedenkt man, dass von 2005 bis 2007 mit Mediaonline.de bereits ein dritter, eigenständiger Elektronik-Vertriebsarm bestand, wird das (Strategie-)Debakel bei Media-Saturn deutlich. Die Online-Tochter war an internen Widerständen insbesondere der regionalen Marktleiter gescheitert, die Angst um die Margen hatten. Und auch die neuerliche Verzahnung des stationären Geschäfts mit dem Online-Handel wirkt eher wie ein Zeichen von Machtlosigkeit denn wie eine ausgeklügelte Strategie: Rund drei Viertel der Kunden, so ist in der Branche zu hören, bestellen zwar online, holen die Ware aber trotzdem im Markt ab.

Wie sehr die Gruppe unter Druck steht, zeigt der Blick auf den Segmentbericht der Konzernmutter Metro (www.metrogroup.de). So verringerte sich zwar der Umsatz lediglich um 0,9 Prozent auf 20,6 (20,8) Milliarden Euro. Gleichzeitig brach aber der Vorsteuergewinn deutlich um 13,4 Prozent auf 542 (625) Millionen Euro ein. So geil war der Geiz dann wohl doch nicht.

Ein besseres Verhältnis zum Netz scheint der Douglas-Konzern zu haben. Bei beiden wichtigen Ertragssäulen, den Douglas-Parfümerien (www.douglas.de) und den Thalia-Buchhandlungen (www.thalia.de), konnte zuletzt trotz einer weiter andauernden Verlagerung des Marktes ins Internet ein Anstieg der Umsatzerlöse ausgewiesen werden. Mit über 1,3 Millionen Kunden und einem Umsatz von knapp 70 Millionen Euro sieht sich der Douglas-Online-Shop als „mit Abstand größter Beauty-Shop im Internet“.

Auch im schwer verkäuflichen Buchbereich, in dem man vor dem Hintergrund einer steigenden Beliebtheit von eBooks und den Vorstößen von Apple und Google immer stärker in die Zange genommen wird, konnte die Gruppe mit Buch.de (www.buch.de) punkten: Während die Umsätze der 295 Thalia-Buchhandlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz um 1,5 Prozent zurückgingen, stiegen die Online-Umsätze um über 20 Prozent deutlich an – dem Vernehmen nach wird es auch nicht mehr lange dauern, bis die Buch.de-Stores ebenfalls in Thalia umbenannt werden. Insgesamt entfallen etwa 14 Prozent des Thalia-Gesamtumsatzes auf das Internet. Zwar steigt dieser Anteil tendenziell, allerdings allein wegen eines veränderten Kundenverhaltens und nicht auf der Basis von Innovationen im Vertriebskonzept. In der Konsequenz werden die Verkaufsflächen reduziert und der Anteil der Non-book-Angebote ausgebaut.

… bis zur bewussten Online-Abkehr

Da freuen sich Mister Spex & Co.: Viele Handelsgrößen wie etwa Fielmann zieht es gleich gar nicht ins Internet. Die Website dient dann lediglich dazu, sich die Kollektion anschauen zu können. Modemarken wie H&M (www.hm.com) oder Zara (www.zara.de) bieten demgegenüber zwar die Möglichkeit des Online-Kaufs an, setzen ihren Schwerpunkt allerdings weiterhin deutlich auf das Filialgeschäft. Der Online-Shop wird hier genau wie beim Wettbewerber C&A (www.c-and-a.com) zu nicht viel mehr als dem Abladen übrig gebliebener Stücke verwandt. Einen interessanten Ansatz verfolgt derweil der Rossmann-Konkurrent DM (www.drogeriemarkt.de): Eigenmarken des Drogeriemarkts kann man mittlerweile über Amazon bestellen.

Völlig dem Trend entgegen stellt sich unter anderem Apple (www.apple.de). Gibt es den (Online-)Store des iPhone-, iPad- und Mac-Herstellers schon lange und bald auch in einer aufgepeppten Version, hat sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren ein weltweites Netz an eigenen Ladengeschäften aufgebaut. In Deutschland gibt es mittlerweile acht, mindestens ein weiterer in Berlin befindet sich im Aufbau. Einen vergleichbaren Ansatz testet Zalando bekanntlich mit seinen ersten Outlet-Stores, und auch Amazon spielt angeblich mit dem Gedanken eines „brick-and-mortar“-Shops. Mit dem richtigen Ansatz – und natürlich den notwendigen finanziellen Mitteln – lässt sich also auch offline noch Geschäft betreiben.

Chancen für Startups

Das alles heißt freilich nicht, dass sich mit E-Commerce kein, oder zumindest kaum Geld verdienen ließe, ganz im Gegenteil. Zwar müssen auch Zalando & Co. noch beweisen, wie belastbar und wie beständig ihre Geschäftsmodelle sind. Allerdings haben reine Online-Shops auch nicht die Probleme, gleichzeitig an ihr lange aufgebautes Filialnetz samt Mitarbeitern und Management denken zu müssen.

Das bringt Flexibilität. Schaut man auf die langsame Entwicklung der stationären Platzhirsche, die selbst einmal angetreten waren, um den Einzelhandel zu revolutionieren, steht Newcomern also noch eine ganze Reihe an Marktlücken offen – eine gute (Online-)Strategie vorausgesetzt. Wenn das keine gute Nachricht für Startups ist!