Media-Saturn startet mit dem Spacelab den europaweit ersten Accelerator für Startups aus dem Consumer-Electronics-Retail-Markt. Spacelab investiert in junge Unternehmen und gibt den Gründern zugleich die Möglichkeit, ihre Produkte oder Dienstleistungen über einen Zeitraum von 20 Wochen weiterzuentwickeln. Im Rahmen des Accelerators unterstützen Experten aus dem Management von Media-Saturn, sowie Partner wie Ernst & Young, Serviceplan oder Payback in Workshops und per Mentoring.

Voraussetzung für die Teilnahme am Spacelab-Accelerator sind ein vorzeigbares Produkt oder Geschäftsmodell, ein vollständiges Gründer-Team und Relevanz für den Consumer-Electronics-Markt, also Nähe zur Wertschöpfungskette von Media-Saturn.

Wir haben mit Martin Sinner gesprochen, er gründete einst die Preisvergleichsplattform Idealo und leitet nun bei Media-Saturn die Electronic Online Group, zu der unter anderem der Online-Versender Redcoon und das neue Spacelab gehören.

Du bist jetzt seit neun Monaten bei Media-Saturn/Redcoon. Was hast in Du in dieser Zeit gemacht?

Erstmal hab ich mich eingegroovt. Und dann hab ich für mich die Schwerpunkte definiert. Das ist auf der einen Seite, Neues ins Unternehmen zu tragen und auf der anderen Seite Redcoon. Denn dort gab es einiges aufzuholen.

Was fehlte denn dort?

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Funktionierendes Online-Marketing, funktionierende Online-KPIs, funktionierende Metriken, Distribution – lauter solche Sachen haben dort noch nicht optimal funktioniert. Wir haben hart daran gearbeitet, aus Redcoon ein richtiges Online-Unternehmen zu machen. Das Zweite, was nicht funktioniert hat, ist, dass Redcoon nicht die gleichen Preise wie Media-Saturn anbieten konnte. In der Vergangenheit war Redcoon im Wesentlichen auf „Grauware“ eingestellt. Mit allen Risiken, die damit einher gehen. Das haben wir abgestellt. In der Folge ist es dann umso wichtiger, dass man von den Lieferanten die richtigen Preise bekommt.

Gab es bei Redcoon und Media-Saturn auch einen kulturellen Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung?

Es sind manchmal die starken Marken, die überlagern, dass es im digitalen Bereich noch Schwächen gibt. Ich glaube aber, man hat das erkannt und wir machen viel, um diesen Nachholbedarf irgendwann sogar in einen kleinen Vorsprung umzubauen. Da bin ich optimistisch.

Bist Du der digitale Kulturbeauftragte?

Nein. Ich habe Lust auf operative Tätigkeiten. Herumwedeln, Vorträge halten, den Leuten dieses und jenes zu erzählen oder so eine lästige Modernisierungsfliege zu sein, das ist nicht mein Ding.

Wie passen die riesigen Einkaufstempel von Media-Saturn mit Onlineshopping zusammen?

Die großen Themen der Rocket Internets dieser Welt haben alle einen starken Online-Offline-Bezug. Das sieht man zum Beispiel auch bei Uber. Der Mensch findet ja trotzdem im öffentlichen Raum statt. Der Vorteil, den wir Online-Pure-Player einmal gehabt haben, war, dass die Stationären sich noch keine Gedanken gemacht hatten, wie sie ihr Online-Geschäft verbessern können. Das ist jetzt die zentrale Aufgabe für viele Stationäre.

Was plant ihr jetzt in Sachen Startups?

Die EOG hat neben Redcoon noch einige andere Firmen in ihrem Portfolio. Um die kümmern wir uns, weil dort großes Potential ist, zum Beispiel iBOOD. Außerdem betätigen wir uns auch als Inkubator für neue Ideen, in die wir unsere Stärken tragen wollen. Biwigo ist ein Beispiel dafür, wie wir Automatisierungen im Online-Shopping testen, die dann den großen Marken zugutekommen können.

Der Accelerator ist für uns der dritte Baustein. Wir machen das, weil wir immer sehr viele Anfragen bekommen, ob wir investieren wollen. Aber wir sind keine Venture-Capital-Firma. Darum haben wir uns überlegt, dass wir eine Plattform schaffen, um interessante Startups zu kanalisieren. Dort kann man sich per Formular bewerben. Und dann investieren wir nach einem Auswahlverfahren zwei Mal im Jahr in fünf Startups. Wir hoffen auf mehr als 400 Bewerbungen, schauen uns die Businesspläne und Ideen an und laden die besten Firmen zu Auswahl-Workshops ein.

Was haben die Startups davon?

Wir wollen nicht nur investieren, sondern die Startups vier Monate durch eine richtige Business-School jagen. Am Ende kennen wir die so gut, dass wir wissen, ob wir uns weiter engagieren wollen oder nicht. Hierbei unterstützen uns renommierte Partner aus Industrie und Beratung, das wird ein richtig tolles Programm für die Startups.

Wo sitzt der Accelerator?

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Unser Spacelab wird in München sitzen. In einer wunderschönen Fabriketage. Neben den Investments geht es uns auch darum, ein Ökosystem rund um innovative Unternehmen aufzubauen, von dem wir dann auch über Kooperationen zum Beispiel im Bereich Internet of Things profitieren. Ich kann mir vorstellen, dass wir hier gemeinsam Hardware- oder Service-Konzepte entwickeln, die im Jahr darauf über Media-Saturn in den Handel getragen werden. Aber am Ende sollen es natürlich gute Investments sein.

Gibt es schon Startups, die ihr im Auge habt?

Es gibt ein paar Startups, die wir gerne einladen und ansprechen wollen. Und dann müssen wir sehen, wer sich alles bewirbt. Die offizielle Bewerbungsfrist geht erst heute los.

Warum sind Acceleratoren so wichtig?

Früher waren es Ingenieure, die Firmen gegründet haben. Die haben erlebt, dass Kunden etwas Bestimmtes haben wollten. Ihre Firma hat das nicht hergestellt. Also haben sie selber ein Unternehmen gegründet. Dann kamen die Business-Schools und haben vieles verändert. Die jungen Leute haben angefangen in Business-Cases zu denken. Daraus ist die erste Welle von neuen Gründern entstanden. Jetzt sind es oft die Programmierer, die Startups aufbauen. Man denke nur an Mark Zuckerberg.

Denen fehlt aber die Erfahrung und das Know-how wie man eine Unternehmen führt und skaliert. Sie programmieren ein Produkt, laden es in den Appstore und es geht los. Sie lernen durch Erfahrung. Aber durch Acceleratoren können sie nun für ihr Business relevante Fachkenntnisse sehr effektiv erwerben. Deshalb haben wir unser Business-School-Konzept mit tollen Partnern aufgebaut, um diese jungen Gründer auf ein anderes Level zu heben.

Die Bewerbung für das Spacelab läuft ab sofort bis Mitte Oktober. Weitere Informationen sind unter www.ms-spacelab.com verfügbar. Dort kann man sich auch bewerben.

Foto: Media-Saturn/redcoon