MenorcaMillenials

Strandidyll auf Menorca: „Erst wenn du vollkommen entspannt bist, kannst du deine ganze Kreativität entfalten.“

40 Tage Startup-Basteln am Strand

Türkisfarbenes Wasser und pudriger Sand bei 25 Grad und Sonnenschein: Menorca klingt nach Füße hochlegen, nicht nach Arbeit. Vom Großstadtchaos auf dem spanischen Festland trennen die Balearen-Insel immerhin ein paar hundert Kilometer.

Trotzdem hat Ricard Garriga andere Pläne als Däumchen drehen. Zusammen mit seinem Mitstreiter Marcos Martín plant er, 100 junge Unternehmer aus der ganzen Welt aufzulesen. 20 von ihnen sollen 40 Tage auf Menorca verbringen und ihre Ideen mit Hilfe von Mentoren und Strategen so weiterentwickeln, dass sie am Ende einem Pitch vor Investoren standhalten – und sich im Idealfall viel Startkapital sichern. Die verbleibenden 80 sollen das Mentoren-Programm via Livestream mitverfolgen. Titel des Projekts: Menorca Millennials.

Anzeige
Garriga, bekennender Startup-Enthusiast und Berater bei der US-Competition-Plattform YouNoodle mit Sitz in San Francisco, zieht es im Sommer 2013 auf die Insel. Er hat sich vier Wochen Urlaub genommen, kommt aber mit der Absicht, am YouNoodle-Geschäftsmodell zu feilen.

Eine Freundin stellt ihm Martín vor, Gründer des Bioenergie-Unternehmens B-Strategies mit Wohnsitz auf Menorca. Der lädt ihn zu Paella und Kaltgetränken mit Freunden ein. „Man trinkt zusammen ein Bier in Flip-Flops oder Badehose und es stellt sich heraus, dass man dem CEO eines großen Unternehmens gegenüber sitzt,“ erinnert sich Garriga. „Von ihnen habe ich wertvolles Feedback für mein Startup erhalten. Im Arbeitsalltag wäre das nicht so ohne weiteres möglich gewesen.“ Diese Erfahrung will er mit anderen teilen. Martín gefällt die Idee, Gründer nach Menorca zu holen. Gemeinsam erarbeitet das Unternehmer-Duo das Millennials-Konzept. Losgehen soll es am 15. Mai 2015.

Menorca_Millenials_Martín_Garriga

Marcos Martín (links) und Ricard Garriga

Zugelassen wird jedoch nur, wer bestimmte Voraussetzungen erfüllt: Die „Millennials“ müssen vor Projektstart bereits ein Unternehmen gegründet und kräftig Kapital eingesammelt haben. Außerdem sollen sie technisch versiert sein, mindestens sechs Monate im Ausland verbracht haben und fließend Englisch sprechen. Das Bewerbungsverfahren beginnt Ende Januar.

Insgesamt 15 Geldgeber haben Garriga und Martín bislang für ihr Experiment gewinnen können. Dem Vernehmen nach wollen diese Investoren mindestens 100.000 Euro in die teilnehmenden Startups pumpen. Weiteres Geld stellt eine Roadshow in Aussicht, zu der die zehn erfolgreichsten Teilnehmer nach Abschluss der Quarantäne Ende Juni 2015 aufbrechen. Auf dem Fahrplan stehen Barcelona, Madrid, London und Paris. Ob ein Zwischenstopp in Berlin eingelegt wird, sei noch unsicher. Auch Tel Aviv komme in Frage.

Die Namen der vermeintlichen Hochkaräter, die sich als Mentoren oder Investoren an dem Vorhaben beteiligen werden, will Garriga nicht öffentlich machen. Nur so viel: Einige Investoren sollen hohe Tiere hinter Technologie-Startups sein und Milliarden-Dollar-Exits begleitet haben, die Mentoren Professoren an renommierten Universitäten oder erfahrene Unternehmer sein.

Anzeige
Das Projekt soll sich nach Garrigas Willen nicht auf Spanien beschränken, sondern ein internationales Publikum ansprechen. Dabei sieht er die Menorca Millennials als Teil eines Trends – denn in der spanischen Startupszene gebe es seit der Finanzkrise einen regelrechten Gesinnungswandel. Bei der Suche nach Investoren denke man nun in anderen Dimensionen: „Jeder versucht, etwas cooles auf die Beine zu stellen und jeder ist sich der internationalen Konkurrenz bewusst. Wer sich als spanisches Startup nur national positionieren will, hat gleich verloren. Das Limit ist nicht mehr Spanien. Das Limit ist die Welt.“

Bleibt die Frage, ob beim Aufenthalt auf einer Trauminsel überhaupt so etwas wie Arbeitsatmosphäre aufkommen kann. Ja, heißt es dazu von Garriga. Zugegeben, den ersten Tag wolle man am Strand verbringen. Mit der Zeit akklimatisiere man sich aber – und könne sich wieder voll auf die Arbeit fokussieren. „Erst wenn du vollkommen entspannt bist, kannst du deine ganze Kreativität entfalten“, glaubt der 32-Jährige.

Bild: Menorca Millennials