Mentor: Der gemeinsame Nenner

Am 1. Mai 2012 war Stichtag. Vier Freunde hatten sich diesen Tag bereits lange in ihrem Kalender markiert: Wer beim verabredeten Treffpunkt in Berlin-Friedrichshain aufschlug, war dabei, wer nicht, hatte andere Pläne geschmiedet – alle vier Freunde schlugen mit gepackten Taschen auf.

Drei von ihnen kannten sich schon aus der Schule: Niclas Rohrwacher, Philipp Merlin Scharff und Jeremias Wolf. Lukas Kampfmann lernten sie in der Uni kennen. Alle vier verband schon immer ein Plan: Sie wollten gründen. Doch vorher wollten alle etwas Ordentliches lernen. Und so studierte Niclas Schauspiel, Lukas und Philipp gingen an die Universität der Künste und Jeremias studierte Jura.

Wie der Zufall es wollte schlossen alle das Studium fast zeitgleich ab. Die Angebote der einschlägigen Kanzleien und Kreativagenturen wurden abgelehnt. Aus Berlin-Friedrichshain machten sich die vier am 1. Mai auf in die Lüneburger Heide. Vier Wochen Bauernhof und 30 Ideen später stand ein Plan: Mentor (www.mentor-app.com).

„Mentor ist unser gemeinsamer Nenner“, sagt Niclas. Mit der App wollen die Gründer Menschen dabei helfen, ihre persönlichen Ziele zu erreichen: Gitarre spielen lernen, häufiger joggen, mit Freunden kochen. Das Prinzip, dessen sich Mentor bedient, ist dabei extrem simpel: sozialer Kontext. Feedback von Freunden und Interessensverbündeten soll helfen zu motivieren.

Relativ schnell fanden die vier Freunde mit ihrer Idee eine bunte Mischung Business Angels, eine sechstellige Summe haben diese gegeben, Höhe unbekannt. Zu den Geldgeber zählen: Amen-Gründer Felix Petersen, Spreadshirt-Gründer Matthias Spieß, Privatinvestor Frank Riedel, JMES Investments und andere. Wie es dazu kam erzählen die vier Freunde Gründerszene auf ihrem Büro-Balkon im Hinterhof der Berliner Factory.

Felix Petersen als ersten Angel

„Wir haben unser Netzwerk sofort aktiviert und explizit nach Kontakten zu Business Angels gesucht“, sagt Niclas. Einige Intros und Mails später sitzen die vier im Juni 2012 bei Amen-Gründer Felix Petersen. Er investiert und macht ein Intro zu Simon Schäfer. Simon holt die Mentor-Gründer in die Factory und investiert mit JMES Investment. Schäfers Partner Udo Schloemer bezeichnen die Mentor-Gründer mittlerweile als „persönlichen Schutz-Engel“. Die Bewohner der Factory, dass wird beim Besuch deutlich, sind eng zusammengewachsen und nutzen ihre Netzwerke intensiv, um sich gegenseitig zu unterstützen.

Von außen wirkt das Gebäude an der Bernauerstraße unscheinbar. Doch: Viel wurde schon über die Factory geschrieben. Unter der Klingel von Soundcloud findet sich die von Mentor. Auch die 6Wunderkinder, Toast und Versus haben ihre Zelte hier aufgeschlagen.

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Das Büro in der Factory öffnet den Gründern weitere Türen. Nicht nur der Besuch von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und der anschließende Pressetrubel vor einigen Wochen macht das deutlich. Das enge Beziehungsgeflecht rund um Simon Schäfer, Felix Petersen und die Factory dürfte mit ein bisschen Glück bald für weitere Finanzierung sorgen.

Mentor und das Geld verdienen

Die größte Herausforderung für die vier Freunde in der Factory dürfte es dann werden, ihre Pläne eines Partnerschaftenmodells mit großen Marken für den Nutzer und die Kunden so zu gestalten, dass sich Mehrwerte ergeben. „Zielerreichung ist immer mit mit Konsumsituationen verbunden, Menschen kaufen sich Joggingschuhe, bevor sie den ersten Meter gerannt sind, richten ihre Küche neu ein, um häufiger gesund zu kochen, bestellen sich Lektüre und melden sich bei einem Sprachkurs an, bevor sie die ersten 100 Vokabeln gepaukt haben. Bei Mentor sprechen Nutzer mit jedem Eintrag über ihre dringendsten Bedürfnisse – mit diesen Daten können wir arbeiten und das Produkt besser machen. Es wird Teil der Nutzungserfahrung sein, sich für bestimmte Milestones zu belohnen“, so das Mentor-Team.

Außerdem hätten verschiedene Unternehmen Interesse daran angemeldet, Lizenzen für private Gruppen in Mentor zu erwerben, um zum Beispiel zwischen Weiterbildungsseminaren einen Raum zu schaffen, in dem die teilnehmenden Führungskräfte nahtlos weiter an ihren Stärken und Schwächen arbeiten können. Desweiteren sei das Team im Gespräch mit Dienstleistern wie Sport- und Bildungszentren, die einen professionellen Mentor-Account als Instrument nutzen möchten, um ihre Schüler und Kunden nahtloser zu betreuen. Pläne Geld zu verdienen gibt es also.

In der dreimonatigen Beta-Phase legten die 5.000 Tester über 600 verschiedene Ziele an. Am 24. Mai startet Mentor dann offiziell und ist im App Store zu haben. Öffnet man www.mentor-beta.com direkt vom iPhone aus, kann man die App schon vor dem offiziellen Launch am 24. Mai testen.

Interview mit Simon Schäfer

Gründer, Investor, Business-Angel und Immobilienverwalter Simon Schäfer von der Factory traf Gründerszene im Oktober 2012, um mit ihm über seine Ambitionen mit der Factory zu sprechen.

Mentor-App: Das offizielle Video

Mentor: The App For Your Personal Goals from Mentor on Vimeo.

Bilder: Mentor