Kenias Hauptstadt Nairobi gilt als Silicon Savannah

Im August hatte der Pharma- und Chemiekonzern die ersten drei deutschen Startups aus dem Bereich Healthcare in sein Programm aufgenommen. Jetzt ist die zweite Runde ausgeschrieben. Diesmal sollen aber nicht nur in Darmstadt drei Startups in ein Innovationslab einziehen. Zeitgleich will Merck drei Health-Startups mit einem neuen Accelerator-Programm in Kenias Hauptstadt Nairobi fördern.

Im Interview erklärt uns Michael Gamber, Chef des Accelerator-Programms, warum das Unternehmen mit seiner Startup-Förderung nach Kenia expandiert und wie das Programm dort abläuft.

Michael, die erste, naheliegende Frage: Warum Nairobi?

Sehr gute Frage. Wir sind im Grunde einfach den Weg des geringsten Widerstandes gegangen. Wir haben in Nairobi schon ein Büro, wo unser Mitarbeiter Alexander Hoffmann für die digitale Strategie von Merck in Afrika verantwortlich ist. Außerdem unterstützen wir schon seit zwei Jahren den Venture Bus, eine Kooperations-Initivative von verschiedenen Sponsoren. Auf seiner Tour durch Ostafrika lädt das Team lokale Startups ein, bei Coachings mitzumachen und ihre Ideen einer Jury vorzustellen. Dadurch haben wir uns bereits eine Infrastruktur an Startups in Ostafrika aufgebaut.

Das Innovations-Potential dort ist nicht zu unterschätzen und alles läuft dort über Smartphone. Dadurch haben sich speziell in Nairobi schon einige Startups im Bereich IT installiert, die international schon Beachtung erfahren haben. Darauf wollen wir jetzt aufbauen.

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Wer ist die Zielgruppe dieses Programms?

Wir halten die Ausschreibung gezielt offen, sodass sich theoretisch Startups aus ganz Afrika bewerben können. Aber unser Fokus ist schon auf Ostafrika und Kenia, wo wir auf unsere bisherigen Strukturen aufbauen können. Da wir durch unsere Aktivitäten dort schon viele Startups kennen, können wir dort auch gezielt nach Teilnehmern für das Programm suchen.

Von dem Venture Bus kennen wir beispielsweise ein Startup, dass den Beipackzettel von einem Medikament online verfügbar macht. Die Leute dort wissen ja oft überhaupt nichts über die Medikamente, die sie vom Arzt bekommen. Oder eine App für Krankenhaustermine. Wenn man so weit vom nächsten Krankenhaus entfernt wohnt, dass ein halber Tag für die Anreise drauf geht und es kaum Transportmöglichkeiten gibt, ist das eine wirklich sinnvolle Sache.

Wer profitiert von den Ergebnissen?

Die Startups in Afrika suchen vor allem nach Lösungen für akute, gesellschaftliche Probleme. Wir unterstützen sie dabei, Lösungen vor Ort zu entwickeln und umzusetzen. Dabei können sie vor allem von unserem Know-how profitieren, da wir im Bereich Gesundheit in Afrika Vorreiter sind. Es gibt ja schon einige Accelerator-Programme und Initiativen zur Förderung der Startup-Szene in Afrika, aber in der Pharma-Sparte ist unser Angebot bisher einzigartig.

Was erhofft sich Merck von dem Angebot?

Merck will sich durch diese Förderung einen Überblick über den Markt verschaffen und austesten, wie Afrika funktioniert. Langfristig wollen wir auch investieren und unser Geschäft in Afrika ausweiten. Aber zum aktuellen Zeitpunkt geht es uns mit dem Programm hauptsächlich darum, dieses Gefühl für den afrikanischen Markt zu entwickeln. Deshalb wollen wir für die Förderung auch keine Unternehmensanteile.

Sind die Rahmenbedingungen dort wirklich ausreichend, um Startups die nötige digitale Infrastruktur zu bieten?

Ich war selbst positiv überrascht, was in Nairobi möglich ist. Als ich kürzlich dort war, konnte ich mich davon überzeugen, dass die Infrastruktur dort nicht dem nachsteht, was wir hier haben. Selbst, wenn mal der Strom ausfällt, ist das eine Sache von zehn Sekunden. Und in manchen Dingen sind sie uns dort sogar voraus. Zum Beispiel habe ich Bananen gekauft, an einer kleinen Blechhütte – selbst dort konnte ich mit meinem Smartphone online bezahlen!

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Warum bekommen die Startups in Nairobi 10.000 Euro weniger als ihre deutschen Kollegen? Ein Coworking-Space in der Nairobi Garage kostet mit 20 Euro ungefähr genauso viel wie in Berlin.

Naja, wir haben einfach verglichen, was andere Programme investieren und uns daran orientiert. Was wir den Startups bieten, ist ja viel mehr als Geld. Wir bringen denen unser Know-how und darauf kommt es an. Außerdem bieten wir ein Netzwerk. Zum Beispiel kooperieren wir mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit vor Ort, wir sind in ganz Afrika aktiv und denken auch darüber nach, die Schulungen, die in Darmstadt laufen, online zu übertragen. Durch die geringe Zeitverschiebung von zwei Stunden, haben wir die besten Voraussetzungen für eine solche Zusammenarbeit der Standorte und können Synergie-Effekte erzeugen.

Und wenn das Geld nicht ausreicht?

Wenn es wirklich nicht reichen sollte, haben wir auch noch die Möglichkeit, finanziell nachzujustieren.

Danke für das Interview.

Bild: RCKT. Rocket Communications