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Die Kanzlerin auf Startup-Tour: In Berlin-Mitte machte sie Station bei Bloomy Days von Gründerin Franziska Hardenberg

Fast vier Jahre nach ihrer letzten großen Startup-Besuchstour geht Angela Merkel wieder auf Tuchfühlung mit der Gründerszene. Die Kanzlerin besuchte am Donnerstagabend zwei Jungunternehmen in Berlin und traf anschließend eine Runde von knapp 40 Startup-Gründern zu einem privaten Kamingespräch.

Startups sind auch 2017 ein Modethema – im Herbst ist Bundestagswahl, viele Bundespolitiker suchen daher die Nähe zur Szene. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner war erst am Montag in die Berliner Factory zu einem Podiumsgespräch mit Investor Klaus Hommels gekommen. Lindner versucht seit einiger Zeit, das Thema für sich und seine Partei zu besetzen.

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Merkels Besuch war durch eine Initiative von Franziska von Hardenberg, Gründerin des Schnittblumenversands Bloomy Days, sowie von Tom Kirschbaum, Geschäftsführer von Door2Door (ehemals Ally beziehungsweise Allryder), zustande gekommen. Die beiden Gründer, die auch im Vorstand des Startup-Bundesverbands aktiv sind, haben zusammen eine exklusive Gesprächsreihe namens „Salon Privé“ initiiert, in der sich Politik und Digitalwirtschaft zum Austausch treffen sollen.

Bei dem Kamingespräch in der Berliner In-Location „Clärchens Ballhaus“ war neben von Hardenberg und Kirschbaum zum Beispiel Delia Fischer von Westwing anwesend, außerdem Lea Lange (Junique), Project-A-Vordenker Florian Heinemann, Hubertus Bessau von MyMüsli, Outfittery-Gründerin Anna Alex, Verena Pausder von Fox & Sheep, Google-Managerin Isa Sonnenfeld, Einhorn-Gründer Philip Siefer sowie Amorelie-Chefin Lea-Sophie Cramer.

Das Event fand ohne Pressebegleitung statt, selbst im öffentlichen Terminkalender der CDU-Vorsitzenden war kein Eintrag für das Gründertreffen vermerkt. Die Gäste seien von der Möglichkeit, mit Merkel ins Gespräch zu kommen, begeistert gewesen, sagte Hardenberg zu Gründerszene. „Es herrscht eine wahnsinnig positive Grundstimmung. Als wir das Save-the-Date im Dezember rausgeschickt haben, haben sofort alle zugesagt. Delia Fischer kam sogar extra aus Mailand.“

Die Kanzlerin löse „als Person eine wahnsinnige Begeisterung unter Gründern aus“, gab sich Hardenberg überzeugt. „Für viele in der Startup-Szene ist sie eine beeindruckende Politikerin, weil sie wie wir Unternehmer diese visionäre Sichtweise hat. Ihr häufig zitierter Satz ‚Wir schaffen das!‘ ist ja ein Satz, der sehr unternehmerisch und typisch für Gründer ist.“

Vor der Gesprächsrunde besuchte Merkel die Hauptquartiere der Startups Door2Door und Bloomy Days in unmittelbarer Nähe zum Rosenthaler Platz in Berlin-Mitte. Für die Bürotour war Presse zugelassen. Zum Tross der Kanzlerin gehörten auch CDU-Generalsekretär Peter Tauber und Business Angel Christophe Maire.

Bei Door2Door sprach die Kanzlerin mit den Gründern Kirschbaum und Maxim Nohroudi auch über selbstfahrende Fahrzeuge. „Ich freue mich, dass diese Entwicklung in eine Zeit fällt, in der ich auch älter werde“, sagte die Kanzlerin laut dpa. Sie habe sich aber vorgenommen, jung genug zu bleiben, um das Wagnis des autonomen Fahrens noch einzugehen, wenn die Technik ausgereifter sei. „Gerade für Ältere könnte das eine sehr interessante Sache sein.“

Auch beim Bürobesuch von Bloomy Days zeigte sich Merkel interessiert, fragte nach den wichtigsten Geschäftszahlen, nach Kunden und wann der Break-Even erreicht werden würde. Von der Gründerin des Blumenversands wollte sie wissen, wie lange es dauern würde, wenn sie gleich 50 Sträuße bestellen würde. Und in welchem Zustand die Blumen bei den Kunden ankämen.

Bild: Bloomy Days; Mitarbeit: Hannah Scherkamp, Anne-Katrin Schade