miito

Ein neuartiger, ressourcenschonender Induktions-Wasserkocher mit hohem Design-Anspruch: Das war die Idee von Miito, einem Crowdfunding-Projekt zweier Berliner Design-Studenten, die dafür im Frühjahr 2015 auf Kickstarter über 800.000 Euro einsammeln konnten.

Miito liegt unter den finanziell erfolgreichsten Kickstarter-Kampagnen aus Deutschland auf Platz drei, nur der Lasercutter Mr Beam II und die Drahtlos-Kopfhörer Dash sammelten mehr Geld ein. 6.000 Nutzer unterstützen das Projekt, die meisten davon mit 90 oder 120 Euro – in der Hoffnung, dafür zum angekündigten Lieferdatum im April 2016 ein Modell des Wasserkochers zugeschickt zu bekommen. 

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Vor einem Jahr musste Miito den Termin zum ersten Mal verschieben, auf November 2016; später wurde erst Februar und dann Mitte 2017 als Lieferdatum genannt. Nun ist klar: Es wird überhaupt keine Miito-Wasserkocher geben – das Projekt ist gescheitert. 

Nachdem die Gründer Nils Chudy und Jasmina Grase vergangenen Freitag ihre Unterstützer auf Kickstarter informierten, reichte die Miito GmbH gestern auch formell den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht ein. Als Insolvenzverwalter wurde der Berliner Rechtsanwalt Stefan Ludwig eingesetzt.

Die Gründer kündigen in einem Update auf der Projekt-Seite an, „alle verbliebenen Gelder“ an ihre Kickstarter-Unterstützer zurückgeben zu wollen. Wie viel Geld noch auf dem Firmenkonto liegt, das verteilt werden könnte, will das Startup mit Verweis auf das strenge deutsche Insolvenzrecht nicht verraten. Presse-Anfragen lehnt das Startup wegen des derzeitigen hohen Email-Aufkommens ab.

Eine formelle Verpflichtung auf eine Entschädigung der Unterstützer gibt es nicht. Kickstarter fordert zwar von Gründern, die ihre Projekte nicht erfolgreich zu Ende bringen und die versprochenen Belohnungen nicht aushändigen können, eine „Wiedergutmachung“. Dazu heißt es in den Nutzungsbedingungen, der Projektgründer sollte „sich nach besten Kräften bemühen, das Projekt auf andere Weise zu einem für seine Unterstützer bestmöglichen Abschluss zu bringen“. 

In dem Update für die Geldgeber geben Chudy und Grase eine dreigeteilte Erklärung für das Scheitern von Miito: Zum einen habe es mit dem beauftragten Entwicklungs- und Fertigungspartner Streit gegeben, an dessen Ende sie der Firma den Auftrag hätten entziehen müssen. Zweitens sei es nicht gelungen, für den Prototyp in der aktuellen Fassung die für die Marktreife notwendige Zertifizierung zu erlangen. Beides hätte drittens dazu geführt, dass sämtliche Zeit- und Kostenplanungen hinfällig gewesen wäre.

Die Gründer, die zwischenzeitlich ein Team von knapp zehn Leuten führten, betonen, sie hätten in den vergangenen zwei Jahren „alles getan, um dieses Projekt zum Leben zu erwecken“. Von Anfang an sei man sich bewusst gewesen, „dass wir einen extrem schwierigen Weg eingeschlagen haben, die Herstellung unseres ersten Produkts zu versuchen“. Erst im letzten Monat sei klar geworden, dass das Projekt nicht zum Erfolg geführt werden konnte. „Aus Respekt für unsere Unterstützer haben wir die Entscheidung getroffen, Insolvenz anzumelden.“

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Schon früh bekam Miito, das ursprünglich als Studienabschlussprojekt begonnen hatte, weltweit große Aufmerksamkeit. Guardian oder Wired berichteten über das schicke Design und die innovative Idee, einen Wasserkocher zu bauen, der Flüssigkeiten in anderen Gefäßen erhitzen kann. Die Tee-Tasse auf die Induktionsfläche stellen, Stab ins Teewasser stecken – und blitzschnell ist die Flüssigkeit am Kochen. Das war die Idee.

Am Ende sei man insbesondere von der „Komplexität der Elektronikentwicklung“ frustriert gewesen, schreiben die beiden Gründer. „Wir sind vielen Hindernissen begegnet – Hindernisse, von denen wir nicht einmal wussten, das sie existieren.“ 

Bild: Miito