Mikrotasking Tipps

Was ist Mikrotasking?

In Unternehmen (und gerade in Startups) fallen häufig Aufgaben an, die erledigt werden müssen, aber von Kernaufgaben im täglichen Business abhalten. Um dieses Problem zu umgehen, setzen immer mehr Unternehmen auf Mikrotasking, eine Unterform des Crowdsourcing. Im Gegensatz zu anderen Arten des Crowdsourcing (Crowdfunding, Wettbewerbe et cetera), geht es hier um das direkte Erledigen von Arbeit.

Die Idee: große Projekte werden in kleine Aufgaben zerlegt – sogenannte Mikrotasks oder Mikrojobs – und online von einer Crowd aus tausenden Crowdworkern erledigt. Als einfaches Beispiel: Ein Unternehmen besitzt eine Datenbank mit 5.000 B2B-Kundenadressen, die aktualisiert werden müssen. Aus diesem Projekt ergeben sich 5.000 einzelne Aufgaben.

Die besten Aufgaben – aus Sicht von Mikrotaskern – sind solche, die in Firmen neben den Hauptaufgaben nur ungerne gemacht werden: einfache und sich wiederholende Arbeiten in großer Menge.
Darunter fallen beispielsweise:

  • Recherche von potenziellen Kunden und Kontaktdaten im B2B-Bereich und Vertriebsoptimierung durch gezielte Datenanreicherung
  • Echtzeitüberprüfung von User-generated Content auf Einhaltung vorgegebener Richtlinien
  • Erstellen von Produkttexten für den E-Commerce
  • Ausgefallenere Arbeiten wie das Optimieren eines Algorithmus durch manuelle Überprüfung der Algorithmus-Ergebnisse im großen Stil

Auf die Aufgabe kommt es an

Wer überlegt, ein Projekt oder einen Prozess an eine Crowd auszulagern, sollte sich zunächst folgende Fragen stellen:

1. Lässt sich das Projekt in einfache Aufgaben zerlegen und kann man die Arbeit nach einem konkreten Schema erledigen?

Damit viele Crowdworker gleichzeitig an einem Projekt arbeiten können, muss dieses aus kleinen Teilaufgaben bestehen. Wichtig ist, dass man diese nach einem möglichst einheitlichen Schema bearbeiten kann. Bei zu viel Variation in der Aufgabenstellung stößt das Konzept schnell an seine Grenzen.

2. Lohnt sich Mikrotasking für den Projektumfang?

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Eine klare Kennzahl, ab wann sich das Auslagern rentiert, existiert nicht. Man sollte am konkreten Projekt abwägen zwischen der Zeit, die man intern für die Bearbeitung der Aufgabe brauchen würde, und dem Zeitaufwand, um das Projekt an die Crowd abzugeben. Sinnvoll kann Mikrotasking auch sein, wenn das Arbeitspensum nicht klar definiert oder schwankend ist. Denn die Crowd ist sehr flexibel und kann für ein Unternehmen je nach Bedarf und ohne vorher festgelegten Umfang arbeiten.

3. Ist das Projekt online umsetzbar?

Das ist die Grundvoraussetzung für Mikrotasking. Was nur offline bearbeitet werden kann, eignet sich nicht. Manchmal lassen sich Offline-Projekte (wie das Abtippen eines Lieferantenkatalogs) mit etwas Vorbereitung (Einscannen, Aufsplitten in bearbeitbare Teilaufgaben) aber auch einfach online realisieren.

4. Kann man die Aufgabe auch ohne Expertenwissen lösen?

In einer Crowd gibt es natürlich Experten für unterschiedliche Dinge. Dennoch sollte sich die einzelne Aufgabe so erklären lassen, dass jeder sie mit gesundem Menschenverstand nach einem anschaulichen Briefing lösen kann. Tatsächlich benötigt man für sehr viele Aufgabe vorab gar kein Fachwissen.

5. Sind alle nötigen Mittel zur Aufgabenbewältigung verfügbar?

Alle Informationen, welche die Crowd braucht, müssen entweder frei zugänglich sein oder man muss sie bereitstellen. Das gilt auch für spezielle Tools und Software.
Wenn man all diese Fragen bejahen kann, erfüllt das Projekt die Voraussetzungen für Mikrotasking und es kann an die konkrete Ausführung gehen.

Genaue Vorgaben und klare Worte

Bei der Umsetzung sollte man unbedingt Folgendes beachten, um am Ende keine unzureichenden Ergebnisse zu erhalten: Mit dem Briefing steht und fällt erfolgreiches Mikrotasking. Die Anleitung muss so klar formuliert sein, dass jeder die Aufgabe verstehen und lösen kann. Im Klartext heißt das, dass man die Vorgaben aufs Einfachste herunter bricht. Wer bei der Aufgabenstellung Spielraum für Interpretationen lässt, läuft Gefahr, später ein ungenaues Resultat zu erhalten. Denn an einem Projekt arbeiten hunderte Menschen, die nur mit einer genauen Anleitung ein homogenes Ergebnis liefern können.

Um die spezifischen Anforderungen zu identifizieren, kann man die gewünschte Arbeit selber bewusst ausführen und den Prozess schriftlich festhalten:

  • Welche einzelnen Schritte nimmt man vor, um zum Ergebnis zu gelangen?
  • Welches Know-how benötigt man?
  • Auf was achtet man speziell?

Probedurchlauf machen

Das fertige Briefing sollte man dann in jedem Fall testen. Zunächst intern, am besten von Mitarbeitern, die nicht ins Projekt involviert sind. So kann man schnell erkennen, wo möglicher Klärungsbedarf besteht und davon ausgehend das Briefing optimieren. Auch beim richtigen Start mit der Crowd ist es ratsam, die Aufgabe erst in kleinem Rahmen durchzuspielen. Falls das Ergebnis nicht den Wünschen entspricht, wird die Anleitung nochmal überarbeitet. Erst dann sollte man die tatsächliche Bearbeitung anstoßen.

Kosten nicht vergessen

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Mikrotasking kann Kosten senken und bringt den Vorteil, dass keine Fixkosten entstehen. Man zahlt pro erledigter Aufgabe, nicht pauschal oder nach aufgewendeter Zeit. Unternehmer sollten aber unbedingt einplanen, dass sie die Crowd angemessen vergüten. Denn Crowdworker sind kleine Dienstleister, die, wie jeder andere auch, entsprechend entlohnt werden möchten. Sie suchen sich ihre Aufgaben frei aus, natürlich auch nach der Verdienstmöglichkeit. Wird das nicht bedacht, kann der große Vorteil des Mikrotaskings – die hohe Geschwindigkeit, mit der ein Projekt erledigt wird – schnell auf der Strecke bleiben.

Fazit: Fünf Schritte zum erfolgreichen Projekt mit Mikrotasking

  1. Prüfen, ob sich das Projekt grundsätzlich für Mikrotasking eignet
  2. Aufgabe selber durchspielen und eine erste klare und nachvollziehbare Arbeitsanweisung erstellen
  3. Kosten kalkulieren
  4. Aufgabe in der Crowd testen und je nach Ergebnis die Arbeitsanweisung optimieren
  5. Gesamtvolumen an die Crowd abgeben, die dann schnell Ergebnisse liefert
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