Nick Clark Mimi

Weltweit haben mehr als 600 Millionen Menschen mit Hörproblemen zu kämpfen. Alleine in Deutschland leiden mehr als 14 Millionen Menschen unter einem Hörverlust. Nicht selten werden diese Menschen sozial ausgegrenzt – beruflich und privat.

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Das Startup Mimi geht dieses Problem an. Die App bietet sowohl einen Hörtest, als auch einen Player, der Umgebungsgeräusche und Musik aufwertet. Und das nicht nur für Hörgeschädigte, sondern für alle Personen, die ihr Hörerlebnis verbessern wollen.

Gegründet wurde das Unternehmen von Nick Clark, gemeinsam mit Philipp Skribanowitz und Pascal Werner. Die Technologie basiert unter anderem auf Algorithmen, die Clark als Senior Research Officer an der University of Essex mitentwickelte. Mittlerweile arbeiten 16 Mitarbeiter für das Berliner Unternehmen. Das Startup wird von Prof. Dr. Manfred Gross von der Berliner Charité beraten und von dem Wagniskapitalgeber Christophe Maire finanziell unterstützt. Die ersten Versionen der App stellte das Unternehmen bereits Anfang dieses Jahres auf Fachkonferenzen vor.

Nick Clark im Kurzinterview mit Gründerszene:

Wieso geht ihr das Problem mit einer Smartphone-App an?

Das Smartphone ist ein ziemlich fähiges Audiogerät. Es enthält Mikrofone, eine riesige Menge an Rechenleistung, um Klang zu modifizieren und Kopfhörer, die man verbinden kann, um den Klang zu liefern.

Wie funktioniert die App im Detail?

Mimi hat zwei unterschiedliche Technologiebereiche: Erstens haben wir einen Hörtest, der einen guten Überblick und Informationen über das Hörvermögen gibt. Das sogenannte Höralter wird kalkuliert, indem individuelle Ergebnisse mit einer Datenmenge bekannter Audiogramme von vielen Menschen verglichen werden und die größte Übereinstimmung gefunden wird. Dies gibt unseren Nutzern einen einzelnen Wert, der einfach zu verstehen ist. Der zweite Bereich der Technik bezieht sich auf unsere Echtzeit-Signalverarbeitung, die das Hörerlebnis des Einzelnen verbessert.

Ihr arbeitet derzeit an dem Mimi Player. Was ist die Idee dahinter?

Der Mimi Player gibt die Möglichkeit, besser zu hören und Umgebungsgeräusche und vor allem Musik ganz neu zu entdecken. Menschen mit altersbedingten Hörproblemen loben den Player dafür, dass sie wieder hohe Töne hören können. Aber auch Menschen ohne Hörprobleme geben uns begeistertes Feedback. Im Moment ist der Mimi Player noch im aktuellen Hörtest als Demo-Version integriert. Wir arbeiten gerade intensiv an der Weiterentwicklung, um ihn sobald wie möglich als eigenständige App verfügbar zu machen.

Wie wollt ihr mit der App Geld verdienen?

Es gibt viele potentielle Einnahmequellen. Wir sind im Moment dabei, unterschiedliche Wege und Möglichkeiten mit dem größten Potenzial zu testen.

Du forschst bereits seit vielen Jahren zu diesem Thema. Warum arbeitest Du nun in einem kleinen Startup?

Für mich war schnell klar, dass ich große Freude an anwendungsorientierter Forschung habe. Ein Startup mit aufzubauen, oder generell bei einem Startup mitzuarbeiten, ist für mich ein guter Weg, Forschung schnell anzuwenden und gleichzeitig immer noch ein gewisses Maß an Kontrolle über die Richtung der Forschung zu haben. Im Gegensatz zu traditionellen Hörtest-Geräten können wir als App-basierte Lösung jederzeit neueste Forschungsergebnisse in die Hörtest-App einfließen lassen.

Interessierst Du Dich auch privat für Musik? Oder hat sie durch Deine Arbeit etwas von ihrem Geheimnis verloren?

Der Grund, warum ich tue, was ich tue, ist wegen meiner Liebe zur Musik. Es ist aber nicht so, dass sich daran etwas verändert hat, da ich ja nicht direkt mit Musik arbeite. Vielmehr arbeite ich mit Modellen des Hörens, Software-Engineering und der angewandten Mathematik, die erforderlich für die Herstellung innovativer Signalverarbeitungen sind. Dies ermöglicht es, unseren Nutzern noch mehr emotionale Elemente aus Musik oder Klängen zu extrahieren. Um ehrlich zu sein, ist es wahrscheinlich so, dass ich durch meine Arbeit Musik heute noch viel mehr schätze!

Nick, danke für das Gespräch.

Bild: Mimi