Misereor

Ich habe es wahrscheinlich nur total falsch verstanden – dieses Plakat, das seit einigen Wochen in Berlin in meiner Straße hängt. Hoffentlich! Die Hilfsorganisation Misereor benutzt darauf das Schlagwort „Startup“, um sich modern und zeitgemäß zu präsentieren. Wir sehen eine Frau, die an ihrem Stand landwirtschaftliche Erzeugnisse verkauft. Ein liebenswerter Einfraubetrieb. Schön fotografiert und inszeniert. Exotisches Ambiente, aber keimfrei und die Waren sind perfekter angerichtet als im Lidl bei mir um die Ecke. Dazu lesen wir den Spruch: „Mein Startup bietet keine satten Gewinne, aber satte Menschen.“

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Kann es sein, dass Misereor auf diesem Plakat insinuiert, dass es sich bei den restlichen Startups, um seelenlose Unternehmen handelt, die es auf nichts anderes als schnellen Gewinn abgesehen haben? Und dass sie dabei nicht die wirklichen Bedürfnisse der Menschen berücksichtigen, sondern lediglich ihr eigenes Geschäftsinteresse? Ist die Botschaft des Plakates, dass Startups in den seltensten Fällen ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden? Und dass sie vor lauter Umtriebigkeit und digitaler Modernität vergessen haben, dass es in vielen Teilen der Welt schwierig ist, Grundbedürfnisse wie essen zu befriedigen?

Nein, das kann eigentlich nicht sein. Aber es klingt leider ein wenig so. Wahrscheinlich will das Hilfswerk der römisch-katholischen Kirche mit Sitz in Aachen lediglich freundlich darauf hinweisen, wie es in benachteiligten Ländern hilft, kleine Betriebe aufzubauen und den Menschen eine Perspektive gibt. Etwas anderes würden wir der Misereor auch gar nicht zutrauen. Oder?

Foto: Frank Schmiechen