Florian Mück

Kupplung, Gaspedal, Bremse, Rückspiegel, nach hinten schauen, Gas geben, sich mit dem Beifahrer unterhalten, bremsen und bei all dem noch zahllose Verkehrsschilder beachten… Mit Schrecken erinnere ich mich an die erste Fahrstunde. Zum Autofahren schien ich wirklich nicht gemacht. Doch wie alle fuhr auch ich am Ende problemlos von Berlin nach München, und sogar Barcelonas Scooter-Horden gehören als Herausforderung der Vergangenheit an.

Was haben Fahrstunden mit der freien Rede zu tun?

Im Grunde genommen stehen wir bei der freien Rede vor der gleichen Herausforderung – auf viele Dinge auf einmal achten zu müssen: Augenkontakt halten, schnell sprechen, „Ähms“ vermeiden, langsam reden, laut werden, dann wieder leise, auf die Struktur achten, Inhalte vermitteln, mal komisch sein, dann wieder ernst, die Powerpoint nicht vergessen, enthusiastisch sein, ein Zitat einfließen lassen, lächeln – die Liste scheint endlos.

Genauso wie wir als Fahrschüler in der ersten praktischen Stunde dachten, wir werden nie Auto fahren können, so geht es dem Anfänger am Mikrofon. Doch am Ende ist alles nur eine Frage der Übung und des aktiven Auseinandersetzens mit diesem zugegebenermaßen komplexen Thema.

Was macht eine gute Rede aus?

Viele von uns waren schon Teilnehmer an Kongressen oder Vortragsreihen. Im Normalfall  beginnen alle Redner gleich: „Einen wunderschönen guten Tag, mein Name ist Johann Baier von der Firma Stories in Stereo, und ich werde Ihnen heute etwas über unsere neueste Produktentwicklung erzählen…“ Zu diesem Zeitpunkt schlafen die letzten drei Reihen im Saal bereits tief und fest…

Ein guter Redner erzeugt Spannung zwischen dem Publikum und sich selbst, vom ersten Satz an… „Als Hannibal vor 2.200 Jahren gegen Rom zog, … flohen ganze Legionen vor seinen Elefanten. Wir wollen nicht Rom erobern, sondern den Markt für Hörbücher. Aber auch wir haben Elefanten, und die heißen Stories in Stereo!“ Boom! Jetzt schläft keiner in den letzten drei Reihen.

Neben dem „Paukenschlag“-Einstieg wird eine als gut wahrgenommene Rede unabhängig vom Inhalt unterhaltsam sein, vorgetragen von einem sympathischen Redner, mit tiefgründigen Inhalten, die dem Publikum in verständlicher Form vermittelt werden.

Spannung erzeugen, Spannung halten

Ist die Spannung mit dem „anderen“ Eingangsparagraph erst einmal aufgebaut, wird der gute Redner alles daran setzen, diese zu halten. Spannungs-Killer wie monotones Reden, zu leise sprechen, dem Publikum den Rücken zuwenden, „Ähms“ nach jedem zweiten Halbsatz wird er vermeiden.

Pausen, Zitate, visuelle Hilfsmittel zur Unterstützung der Aussagen, abwechslungsreiche Stimmwahl in Höhe, Lautstärke und Geschwindigkeit, eine einfallsreiche Struktur, überraschende Übergänge, die das Publikum immer wieder zurückholen – all das wird der versierte Redner einsetzen.

Ohne Feedback keine Verbesserung

Übung macht den Weltmeister – auch in der freien Rede. Doch ohne die Ratschläge und das Feedback unserer Fahrlehrer hätten die meisten von uns das Autofahren nie richtig gelernt. Nehmen wir als Beispiel das unsägliche „Ähm“. Solange mir keiner sagt, daß ich in drei Minuten 27 „Ähms“ ausgeworfen habe, werde ich es nie bewusst wahrnehmen. Ein anderes Beispiel. Viele von uns haben, wenn sie vor Gruppen sprechen, einen Hang zu einseitigem Augenkontakt. So vernachlässigen sie etwa die linke Hälfte des Publikums. Die schließt sich dann irgendwann den letzten drei Reihen an, weil sie sich auf Dauer nicht angesprochen fühlt. Die freie Rede ist voller Verbesserungspotenziale. Nur konstruktives Feedback von Dritten kann helfen, diese zu realisieren.

Aber ich bin doch schon ganz gut!

Gerade bei der freien Rede ist die Selbstüberschätzung außergewöhnlich hoch. In der Regel sehen wir uns immer besser, als wir aus Sicht der anderen sind. Und selbst wenn ich schon ein sehr versierter Redner bin, das Bessere ist des Guten Feind. Nach oben gibt es keine Grenzen, nicht einmal für Tony Robbins

Auf der nie endenden Suche nach der perfekten Rede stärken wir, ohne es wirklich zu merken, positive Eigenschaften, die uns im Umgang mit Freunden, Familie, Geschäftspartnern, Kollegen und  Investoren dauerhaft helfen: positives Denken, Empathie, Kreativität, Transparenz, Sympathie, Überzeugungskraft, Motivationstalent, … George Eliot hat einmal gesagt: „Es ist nie zu spät, das zu sein, was Du hättest sein können.“ Wir haben gelernt, Auto zu fahren, wir können auch große Redner werden!

JETZT DAS FREIE SPRECHEN MIT GRÜNDERSZENE VERBESSERN!

Als Experte der freien Rede gibt Florian Mück auch Schulungen im Bereich. Unter dem Motto Speaking is Passion! gibt Florian jetzt auch in Gründerszenes neuem Workshop-Format entsprechende Hilfestellungen. Eigentlich für jeden StartUp-Unternehmer ein Muss, ist es doch heutzutage unerlässlich, bei Investoren-Pitches und VC-Gesprächen professionelle Reden halten zu können. Und selbst wenn es nur für das Firmenbankett ist: Mit Florians Programm bei Gründerszene wird jede Ansprache zukünftig ein bisschen leichter und besser. Alle notwendigen Infos dazu findet ihr auf der Gründerszene Education Seite.

Über den Autor

Florian Mück ist Gründer von thefestival.eu. Bevor Florian diese pro- und paneuropäische Bewegung ins Leben rief, war der in Barcelona und Berlin lebende Barça-Fan acht Jahre lang für KPMG als Berater und Business Development Manager tätig.

Seit 2009 bietet Florian Speaking is Passion! als professionelles Trainingsformat in Barcelona und Berlin an. Im Gründerszene Education-Programm bietet Florian im September den nächsten Workshop an, einige Plätze sind noch frei.