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Ein Beitrag von Katharina Böhnke, Mitgründerin der Kreativ- und Innovationsagentur Berliner Ideenlabor. Im ersten Beitrag der Reihe beschäftigte sich ihr Kollege mit der Frage, wie menschliche Kreativität in Mitarbeitern gefördert wird. Der zweite Artikel drehte sich darum, welche Umgebung Kreativität braucht. Dieser Beitrag beleuchtet, wie Arbeitsprozesse im Hinblick auf kreative Leistungen strukturiert werden müssen.

Die drei Phasen des kreativen Prozesses

Alle kreativen Arbeitsprozesse folgen einer Grundstruktur aus drei Phasen, die iterativ durchlaufen wird. Die erste Phase ist das Verstehen: Das Problemfeld muss durchdrungen werden, Rahmenbedingungen und Einflussfaktoren klar sein.

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Die zweite Phase ist die Kreation: Auf Basis der gesammelten Erkenntnisse und des vorhandenen Wissens werden neue Ideen, Produkte, oder Strategien entwickelt.

Die dritte Phase umfasst die Implementierung: Entwickelte Lösungskonzepte werden umgesetzt, gebaut, angewandt – die Idee wird Wirklichkeit. Verstehen, Kreieren und Implementieren bilden die Grundstruktur kreativer Prozesse, wobei jeder Prozessschritt gezielt gesteuert werden kann.

Verstehen

Dauerhafte kreative Leistungen sind nur auf der Grundlage fachlicher Expertise möglich (siehe Artikel 1 dieser Reihe). Eine Expertise als umfassendes Verstehen eines Feldes ist der Startpunkt, der je nach Problem um weitere Recherchen ergänzt werden muss. Diese spezifischen Recherchen können Befragungen, Beobachtungen, Experimente oder Datensammlungen sein.

Mehr Innovationsfähigkeit durch Verstehen: Zeit investieren, Experten hinzuholen, in Schleifen arbeiten.

  1. Bevor ein Problem bearbeitet wird, muss es verstanden sein. Investiert Zeit und Energie in Analyse und Aufarbeitung von Problem und Fragestellung, sodass die Mitarbeiter zielgerichtet arbeiten.
  2. Bedient Euch der Intelligenz anderer. Euer Unternehmen muss nicht alles notwendige Wissen selbst besitzen – es reicht zu wissen, welcher Experte gefragt werden kann.
  3. Ein Projekt muss nicht unbedingt mit großer Recherche beginnen. Es kann auch in Schleifen gearbeitet werden, indem immer dann tiefergehend recherchiert wird, wenn neue Fakten oder neue Probleme auftauchen.

Übung:

  • Woran erkennt Ihr, ob ein Problem umfassend verstanden wurde? Was sind Anzeichen dafür, dass das Problem nicht ausreichend begriffen ist?
  • Fragt Ihr Euch ausreichend, was die Frage hinter der Frage ist? Beziehungsweise das Problem hinter dem Problem?
  • Was braucht es, um in Eurem Arbeitsbereich als Experte gelten zu können? Wie viele Menschen kennt Ihr, die diese Anforderungen erfüllen?
  • Fällt Euch ein Problem ein, dass man besser lösen kann, je weniger Ahnung man davon hat?

Kreation

Unter Kreativität wird häufig ausschließlich Kreation verstanden. Das liegt daran, dass die Kreation am ehesten wie Kreativität „aussieht“: Hier geschieht die „Magie“. Man kann der Magie allerdings mit Kreativitätstechniken und Arbeitsmethoden gehörig auf die Sprünge helfen.

Mehr Innovationsfähigkeit durch Kreation: Methodisch arbeiten, Quantität und Qualität, Raum für Magie lassen.

  1. Eine Kreationsphase, die tatsächliche Entwicklung von Ideen, kann methodisch sehr gut gelenkt werden. Ansätze wie Design Thinking oder Creative Problem Solving bieten ein umfassendes Repertoire an Kreativmethoden.
  2. Innerhalb der Kreationsphase gibt es Phasen der Quantität – so viele Ideen wie möglich entwickeln – und Phasen der Qualität, also Ideen auswählen. Trennt diese beiden Phasen unbedingt klar voneinander.
  3. Strukturiert Kreationsprozesse, aber nicht zu sehr: Kreativität muss überraschend, unvorhersehbar und wild bleiben. Es braucht immer noch Raum für ein wenig Magie.

Übung:

  • Häufig haben Menschen eine Präferenz zu analytischem oder zu intuitivem Denken. Was für Typen arbeiten in Eurem Unternehmen?
  • Was ist Eure schlimmste Brainstorming-Erfahrung? Wisst Ihr, was damals schief gelaufen ist?
  • Könnt Ihr in Eurer eigenen Arbeit klar trennen zwischen Phasen der Quantität (Möglichkeiten suchen) und der Qualität (Entscheidungen treffen)?
  • Welche Kreativmethoden könnten Eure Mitarbeiter stärker nutzen? Welche Kreativmethode würdet Ihr selbst gern mal ausprobieren?

Implementierung

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Problemverständnis und kreative Ausbrüche allein helfen wenig, wenn die Resultate anschließend nicht umgesetzt werden. Ein kreativer Prozess beinhaltet daher immer auch die Implementierung der Ideen – das unterscheidet eine bloße Erfindung (Invention) von einer marktfähigen Neuerung (Innovation).

Die Umsetzung und Einführung der Idee fordert selbst häufig Kreativität und vor allem die Bereitschaft, in einzelnen Aspekten noch mal zurück zu gehen zu Recherche und Kreation und Dinge zu überarbeiten.

Mehr Innovationsfähigkeit durch Implementierung: Konsequenz, Budget, Change Management.

  1. Gute Ideen auf dem Weg in die Implementierung versanden zu lassen ist ein sicherer Weg, Motivation der Mitarbeiter zu vernichten. Nehmt Implementierung ernst und setzt Ideen konsequent um.
  2. Ideen umzusetzen kostet. Haltet Ihr die nötigen finanziellen Mittel bereit. Außerdem müsst Ihr für etwas Neues vielleicht etwas Altes aufgeben. Seid bereit dazu.
  3. Neue Ideen zu implementieren bedeutet Veränderung. Moderiert die Veränderung bewusst.

Übung:

  • Wo seid Ihr einmal bei der Umsetzung einer guten Idee auf Granit gestoßen? Hat die Idee überlebt? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?
  • Wer sind die entscheidenden „Gatekeeper“ für die Umsetzung von Ideen in Eurem Unternehmen?
  • Macht eine Liste aller Totschlagsargumente und Killerphrasen, die Euch einfallen. Schafft Ihr mehr als 25?
  • Wie könntet Ihr Ideen entwickeln, die nicht nur einen Plan A haben, sondern auch noch Plan B, C und D?

Die Autorin gibt am 11. Mai ein Gründerszene-Seminar zum Thema Design Thinking. Sichere Dir jetzt Dein Ticket!

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