Innovation durch menschliche Kreativität


Ein Beitrag von Pascal Ackerschott, Co-Founder der Kreativ- und Innovationsagentur Berliner Ideenlabor.

Der Weg zur Innovation

Innovationen sind die wirtschaftlichen Erfolge von morgen, die heute schon verborgen in den Köpfen von Unternehmern und Mitarbeitern schlummern. Damit diese vagen Ahnungen zu konkreten Ideen und diese Ideen zu konkreten Produkten, Services und Geschäftsmodellen werden, braucht es vor allem eins: Kreativität.

Innovation selbst kann nicht erzwungen werden – sie kann nur ermöglicht werden. Und zwar, indem Kreativität im Unternehmen gefördert wird. Dazu braucht es ein Führungsverständnis, welches Kreativität und Innovation als zentrale Faktoren wirtschaftlichen Erfolgs definiert und gezielt fördert. Das bedeutet in erster Linie ein Management der drei Grundelemente von Kreativität: Menschen, Umgebung und Prozesse.

Dieser Artikel beschäftigt sich damit, wie menschliche Kreativität in Mitarbeitern gefördert wird.

Die drei Komponenten menschlicher Kreativität

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Jeder Mensch, der einmal Kind war, ist kreativ. Kreative Fähigkeiten werden allerdings im Laufe des Lebens häufig verschüttet, da Schule, Ausbildung und Beruf hauptsächlich analytisches Denken trainieren. Es ist daher wichtig, dass Mitarbeiter Schritt für Schritt wieder Selbstbewusstsein in die eigenen, kreativen Fähigkeiten entwickeln. Kreativität ist schließlich nichts anderes als lösungsorientiertes Denken und Handeln – im besten Fall strukturiert mit anderen verbunden. Menschliche Kreativität besteht dabei immer aus drei Komponenten: fachlicher Expertise, intrinsischer Motivation und kreativen Fähigkeiten.

Fachliche Expertise

Kreative Leistungen – wenn sie mehr sein sollen als glücklicher Zufall – benötigen immer ein solides Fundament von Fachwissen und Selbstvertrauen in die eigene Expertise. Nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern auch die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens hängt von gut ausgebildeten und fähigen Mitarbeitern ab.

Mehr Innovationsfähigkeit durch fachliche Expertise: Einstellen, fortbilden, vernetzen.

  1. Stellt Experten ein. Sucht exzellente fachliche Expertise und lasst Euch das etwas kosten. Erfahrung und Fachwissen sind das Fundament jeder Kreativität.
  2. Menschen ausbilden. Investiert in die professionelle Weiterbildung Eurer Mitarbeiter. Neues Wissen zu erwerben bedeutet auch immer, existierendes Wissen zu hinterfragen. Beides ist wertvoll.
  3. Fördert den Dialog innerhalb des Unternehmens. Bringt unterschiedliche fachliche Perspektiven miteinander in Austausch. Ermutigt Grenzgängertum und vermehrt Schnittstellen.
  4. Fördert neben interner auch externe Vernetzung. Sorgt für Schnittstellen über die Grenzen Eures Unternehmens hinaus. Vernetzt die Experten Eures Unternehmens mit anderen Unternehmen, Branchen und Gesellschaftsbereichen.

Übung:

  • Haben meine Mitarbeiter einen klaren fachlichen Standpunkt, von dem ausgehend sie Sachverhalte beurteilen können?
  • Haben meine Mitarbeiter die Fähigkeit, ihren Standpunkt zu verlassen und sich auf andere Sichtweisen einzulassen?
  • Ist die Vernetzung innerhalb des Unternehmens eng genug, dass Ideen unvorhergesehen zirkulieren können?
  • Besitzt das Unternehmen genügend Außenschnittstellen, damit Inspirationen unvorhergesehen eindringen können?

Intrinsische Motivation

Der zweite entscheidende Punkt für die kreativen Leistungen eines Menschen ist seine Motivation. Von außen kommende Motivation – Geld, Druck, Angst – hilft bei kreativen Leistungen kurzfristig nicht viel und schadet langfristig sogar. Angst, aber auch Geld-Boni, blockieren mutiges, freies und experimentelles Denken. Motivation, die zu kreativen Höchstleistungen führt, ist immer intrinsische Motivation. Sie entspringt dem Willen und dem Wunsch zu erschaffen, zu gestalten und zu formen.

Mehr Innovationsfähigkeit durch Motivation: Zuhören, beteiligen, erlauben.

  1. Intrinsische Motivation beruht auf drei Faktoren: Autonomie, fachlicher Meisterschaft und Sinn. Gebt Euren Mitarbeitern Freiräume (Autonomie), ermöglicht Weiterentwicklung (Meisterschaft) und vermittelt die übergeordnete Bedeutung Ihrer Unternehmung (Sinn).
  2. Hört den Mitarbeitern zu. So findet Ihr heraus, wo Freiräume fehlen, Stillstand empfunden und Sinn vermisst wird. Nutzt dieses Wissen für den nächsten Punkt:
  3. Beteiligt Mitarbeiter an der Gestaltung ihrer Arbeitswelt. Partizipation ist ein weiterer, wesentlicher Aspekt intrinsischer Motivation. Entwickelt das Unternehmen gemeinsam mit Euren Mitarbeitern
  4. Vertraut. Stattet Mitarbeiter mit Verantwortung aus und vertraut ihnen. Helft, wo gewünscht und nötig, aber erlaubt den Mitarbeitern, eigene Schritte zu gehen.

Übung:

  • Wird den Mitarbeitern zu wenig Eigenverantwortung gegeben? Oder eher zu viel?
  • Haben die Mitarbeiter Entwicklungs-Perspektiven? Haben sie selbst gesteckte Ziele, die sie antreiben?
  • Kann man sich in die Gestaltung des Unternehmens einbringen, wenn man das möchte? Ist es schwer, muss man dazu viel riskieren? Oder ist es eher zu leicht und zu wenig Risiko?
  • Wird im Unternehmen Vertrauen mit der Pipette verteilt oder mit dem Rasensprenger? Welche Gefahr entsteht bei uns durch Unterforderung, welche durch Vertrauensmissbrauch?

Kreative Fähigkeiten

Damit fachliche Expertise und intrinsische Motivation sich voll entfalten können, brauchen Mitarbeiter kreative Fähigkeiten. Damit sind Fähigkeiten gemeint, die es Menschen erlauben, Wissen und Erfahrungen für sich selbst zu ordnen und für andere verständlich zu machen.

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Jede Profession hat dabei ihre eigenen Methoden, Gedanken zu entwickeln und zu vermitteln: Von Excel-Charts und technischen Datenblättern bis hin zu Skizzen, Mind-Maps und Mood-Boards. Je vielfältiger die kreativen Ausdrucksmöglichkeiten, desto besser. Kreative Fähigkeiten dienen dazu, das gesamte Potenzial eines Menschen kommunizierbar zu machen und das häufig jenseits von Sprache. Statt nur miteinander zu reden, wird gezeigt, erlebt und gemeinsam gehandelt.

Mehr Innovationsfähigkeit durch kreative Fähigkeiten: Ausprobieren, vorantreiben, weiterentwickeln.

  1. Etabliert kreative Fähigkeiten. Nehmt die Einführung ins Unternehmen ernst: Je diffuser und realitätsferner die Methoden, desto unwahrscheinlicher ist später die Nutzung.
  2. Geht mit gutem Beispiel voran. Kreative Fähigkeiten zu nutzen bedeutet immer, sich die Hände schmutzig zu machen und Unsicherheit auszuhalten. Verlangt nichts, was Ihr selbst nicht tun würdet.
  3. Wendet kreative Fähigkeiten systematisch an. Integriert die Nutzung kreativer Fähigkeiten gezielt in Projekte und überlasst die Nutzung nicht dem Zufall. Kreative Fähigkeiten sollten normaler Bestandteil von Arbeitsprozessen sein.
  4. Reflektiert gemeinsam Vor- und Nachteile von Methoden und passt diese an die Bedürfnisse des Unternehmens an. Methoden frei variieren zu können ist ein deutliches Merkmal kreativen Selbstbewusstseins und hoher Methodenkompetenz.

Übung:

  • Welche kreativen Fähigkeiten nutzen meine Mitarbeiter bisher? Wo haben Sie diese Fähigkeiten her? Warum nutzen Sie sie?
  • Was sind die üblichen Arbeitsroutinen im Unternehmen? Wo wären gute Ansatzpunkte, kreative Methoden auszuprobieren?
  • Welche kreative Fähigkeit (Skill oder Methode) würde ich gern beherrschen? Worauf würde ich mich persönlich niemals einlassen?
  • Welche Regeln und Arbeitsprinzipien braucht es, damit die Nutzung kreativer Fähigkeiten in Ihrem Unternehmen gelingen kann? Wo könnten Konflikte mit ungeschriebenen Gesetzen Ihres Unternehmens entstehen?

Der folgende Artikel wird sich damit beschäftigen, welche Umgebung Kreativität braucht.

Bild: © panthermedia.net / Dmitriy Shironosov