Mitfahrgelegenheit.de Startup-Helden

Die Mitfahrgelegenheit.de-Geschäftsführer Matthias Siedler, Markus Barnikel und Michael Reinicke (v.l.n.r.)

„Startup-Helden“ von Mitfahrgelegenheit.de im Interview

Mit der Einführung eines Gebührenmodells stießen sie viele Nutzer vor den Kopf – seit April steht Mitfahrgelegenheit.de im Zeichen des „Erwachsenwerdens“. Für ein bereits zwölf Jahre altes Unternehmen, welches die Bezeichnung Startup kaum noch verdient, war eine Erweiterung des Geschäftsmodells wohl abzusehen.

Matthias Siedler und Michael Reinicke (Foto, links und rechts, gemeinsam mit CEO Markus Barnikel, Mitte) gründeten 2001 die Online-Mitfahrzentrale Mitfahrgelegenheit.de (www.mitfahrgelegenheit.de). Die Dachgesellschaft Carpooling.com betreibt heute Plattformen in neun europäischen Ländern, welche über 4,6 Millionen registrierte Nutzer aufweisen. Im April 2013 führte Mitfahrgelegenheit.de eine Provision für Fahrten ab 100 Kilometer ein.

Mit Gründerszene sprechen die Carpooling-Geschäftsführer im „Startup-Helden“-Interview.

Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Wir, Matthias Siedler (38), Michael Reinicke (37) und Markus Barnikel (42), sind das Management von Carpooling.com, Europas größter Online-Mitfahrplattform und Betreiber von Mitfahrgelegenheit.de. Unser Ziel: Wir wollen die Welt dazu bringen, Autos gemeinsam zu nutzen und so nachhaltig und günstig mobil zu sein. Das gelingt uns auch ziemlich gut – seit mehr als zwölf Jahren und mit kontinuierlich wachsenden Nutzerzahlen. Daher sind wir auch kein wirkliches Startup mehr, sondern sehen uns als sehr junggebliebene Pioniere der Sharing Economy.

Wie seid Ihr auf die Idee zu Mitfahrgelegenheit.de gekommen?

Wie sich fast alle wirklich guten Ideen entwickeln: Aus einem eigenen Bedürfnis heraus. Im Studium lebten unsere Freundinnen in anderen Städten und wir waren immer auf der Suche nach Möglichkeiten, preiswert von A nach B zu kommen. Mitfahren gab es natürlich schon, allerdings noch nicht wirklich im Internet. Da lag die Idee nahe, diese günstige und nachhaltige Form des Reisens ins Netz zu bringen. Viel unkomplizierter als über schwarze Bretter an Unis oder Mitfahrzentralen an Bahnhöfen. Der Grundgedanke schon damals: Mitfahren immer und überall, unkompliziert möglich machen.

Mit der Einführung des Gebührenmodells wenden sich viele frühere Nutzer ab. Warum glaubt Ihr dennoch an Euren Erfolg?

Wir glauben nicht nur daran, sondern sind davon überzeugt. Mitfahren muss sich weiter entwickeln: Nur wenn es uns gelingt, unsere Plattform auszubauen und noch mehr Menschen davon zu überzeugen, Fahrten zu teilen, kann ein starkes, echtes Verkehrsmittel entstehen. Und das ist unser Ziel: Mitfahren erwachsen werden lassen. Deshalb haben wir das Buchungssystem entwickelt, mit dem wir neue Dienste anbieten können und Mitfahren noch sicherer und verbindlicher machen. Über die Gebühr finanzieren wir unser knApp 70-köpfiges Team und arbeiten kontinuierlich an der Weiterentwicklung.

Was wünscht Ihr euch für den Gründungsstandort Deutschland?

Viele mutige Gründer und Gründerinnen. Wir stehen im internationalen Vergleich schon sehr gut da, es gibt aber noch erhebliches Potenzial. Woran es in Deutschland zum Teil fehlt, ist, dass viele Ideen nicht konsequent und schnell genug verfolgt und gefördert werden. Das können die Amerikaner beispielsweise besser und wir können in puncto Risikobereitschaft lernen. Letztlich müssen sich alle Web-Portale künftig verstärkt mit dem Thema „Businessmodell“ auseinander setzen, denn Dienste im Internet kostenfrei anzubieten wird immer schwieriger. Die Nutzer fordern – zu Recht – erstklassige, fehlerfreie Angebote, ständige Verfügbarkeit, Smartphone-Apps, Datenschutz und vieles mehr. Das muss langfristig finanziert werden.

Welche Trends seht Ihr im Internet?

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Wir sehen extrem großes Potenzial, nicht nur, aber besonders, für die Sharing Economy. Heute ist Besitz nicht mehr so wichtig und es geht vielmehr um Zugang und Nutzung. Das Netz bietet hier unzählige Möglichkeiten, die nur entdeckt und genutzt werden müssen. Dabei wird es in den kommenden Monaten und Jahren sehr stark um Qualität und Verantwortung gehen. Die Nutzer fordern immer mehr von Services und Plattformen und als Anbieter muss man sich diesen Herausforderungen langfristig stellen.

Bild: Carpooling