Mobile 2.0

Es war kein geringerer als Börsenpapst André Kostolany der vor versammelten Investoren einmal dazu geraten hat, bei einem Goldrausch besser nicht in die Goldgräber, sondern in Schaufeln zu investieren. Man mag sich nun darüber streiten, ob der Goldrausch des mobilen Internets bereits begonnen hat oder – wie Branchenkenner schon seit einigen Jahren prognostizieren – gerade wieder einmal unmittelbar bevorsteht. In jedem Fall folgte die europäische Mobile-Szene dem Ruf von Rudy De Waele und Mike Rowehl und pilgerte vom 18. bis 19. Juni nach Barcelona, um sich auf der zweitägigen Konferenz Mobile 2.0 angeregt über den Stand und die Zukunft mobiler Technologien und Geschäftsmodelle auszutauschen.

Der erste Tag der Konferenz bot in Form eines Developer Days neben einem typisch spanischen, fast zweistündigen Mittagessen, Zugang zu reichlich Insider-Wissen in Bezug auf technologisch relevante Themen im Mobile-Bereich, wie die Vor- und Nachteile verschiedener Entwicklungsumgebungen. So berichtete etwa Ted Morgan, CEO von Skyhook Wireless, über seine Erfahrungen aus der nunmehr zweijährigen Zusammenarbeit mit Apple. Nach seiner Aussage lässt sich jeder iPhone Nutzer durchschnittlich sechs mal pro Tag orten und ist in der Regel auch bereit, für eine Applikation die den Standort in den Mittelpunkt stellt, im Durchschnitt knapp vier US-Dollar zu bezahlen. Des Weiteren stellte Kevin Smith von Vodafone die Initiative OneAPI vor, die Entwicklern in Zukunft einen größeren Umfang an Informationen von Seiten der Netzbetreiber zur Verfügung stellen möchte.

Die Konferenz am zweiten Tag stellte mobile Geschäftsmodelle und die Zukunft des mobilen Internets in den Mittelpunkt und sorgte für eine thematische Vielfalt und ein breites Spektrum der Teilnehmer. Im ersten Panel zum Thema „Openness“, das von Matthäus Krzykowski von VentureBeat moderiert wurde, diskutierten Vertreter von Mozilla, Symbian und Sun über die Notwendigkeit, dass sich Mobilfunktbetreiber in Zukunft kooperativer verhalten müssten, um nicht aus weiteren Geschäftsfeldern ausgeschlossen zu werden, wie etwa das erfolgreiche Beispiel des App-Stores von Apple jüngst gezeigt hatte.

Innerhalb des zweiten Panels „Context“ wurde einmal mehr das hohe Lied von ortsabhängig getargeten Informationen in Bezug auf Local-Advertising-Geschäftsmodelle besungen. Einen guten Einstieg lieferte Xavier Carrillo Costa, Gründer von Digital Legends Entertainment, der das Scheitern der meisten ortsabhängigen Dienste bisher darauf zurückführte, dass diese zu stark versuchten, die Wirklichkeit zu simulieren, während man heute diese hingegen vielmehr mit nützlichen Informationen anreichern müsse. Felix Petersen, ehemals Gründer von Plazes und heute für Nokia tätig, sah das größte Potenzial hierfür in Anwendungen, die das soziale Verhalten von Gruppen analyisieren und daraus Empfehlungen für den einzelnen Nutzer ableiten. Dieser Meinung schloss sich auch das spätere Panel „Beyond Free“ an, in dem vordergründig über die wirtschaftlichen Potenziale und die Finanzierungssituation im Mobile-Bereich debattiert wurde. Hier entwickelte sich eine hitzige Diskussion zwischen passionierten Entwicklern, die verständlicherweise vor allen Dingen auf die Qualität des Produktes Wert legen und anwesenden Investoren, die vor allem die Nachhaltigkeit und Profitabilität von Geschäftsmodellen hervorhoben.

Zwischen den Panels wurde jungen Startups wie Distimo (Analytics für Applications, Layar (Augmented Reality Browser), Zensify (Social Network Aggregator) oder das aus Berlin kommende StartUp Vulevu (Mobile Dating) die Chance gegeben, ihr jeweiliges Produkt und Geschäftsmodell den versammelten Mobile-Unternehmern und -Investoren vorzustellen. Unter den Zuhörern waren auch deutsche Internet-Investoren vertreten, unter anderem Claus Hilgers von Liqion Capital oder Kolja Hebenstreit von Team Europe Ventures. „Wir halten das Mobile Internet für einen Wachstumsmarkt mit großen Potenzialen, der bislang in Europa noch ein Nischendasein führt“, so Kolja Hebenstreit. Es gehe darum, sich jetzt strategisch mit mobilen Geschäftsmodellen am Markt zu positionieren, um dann mit dabei zu sein, wenn vor allem auch durch die zunehmende Verbreitung von mobilen Endgeräten der neuesten Generation, wie beispielsweise das iPhone, die zunehmende Nutzung auch in Europa skalierbaren Geschäftsmodellen den Weg bereiten werde.

Am Rande der Konferenz boten sich vor dem Hintergrund der pulsierenden, katalanischen Metropole Barcelona zudem zahlreiche Gelegenheiten verschiedene Perspektiven zu genießen und interessante Menschen und Unternehmen kennenzulernen. Unter anderem traf sich im Anschluss an die Konferenz der internationale Mobile ThinkTank m.LOVE, um sich in exklisiver Runde intensiv über die Zukunft der mobilen Kommunikation auszutauschen. „Die ideenreiche und inspirierende Vielfalt von passionierten Mobile-Spezialisten aus unterschiedlichen Bereichen und Teilen der Welt gibt einen Eindruck davon, welch enormes Potenzial noch innerhalb des Mobile Business existiert“, meint René Bellack von Vodafone MediaSolutions!.

Letztenendes war die Mobile 2.0 eine ausgesprochen gelungene Veranstaltung mit vielfältigem Programm und hochkarätigen Teilnehmern, die bereits Freude auf das nächste Event der Mobile 2.0-Reihe kommenden Oktober in San Francisco macht. Und in der Zwischenzeit werden von den mobilen Goldgräbern weiter fleißig die Schaufeln poliert…

Über den Autor:

Johannes HeinzeJohannes Heinze ist im Moment als Product Manager für den Mobile Ad Optimizer Smaato im Silicon Valley tätig. Zuvor stand er verschiedenen StartUps und Unternehmen beratend zu Seite und gründete neben seinem Studium an der Zeppelin Universität Friedrichshafen die auf Hochschulen spezialisierte Medien Agentur foursin.

In Barcelona war er für Gründerszene als Berichterstatter unterwegs.