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Navigation als kostenlose Massenanwendung

Am letzten Donnerstag wurde die nächste Entwicklungsphase der „Location-based Services“ (LBS) eingeläutet, indem Nokia verkündete, dass die dritte Version von Ovi Maps in über 70 Ländern samt offener APIs kostenlos zur Verfügung stehen wird. Ab März sollen alle Nokia-Smartphones mit GPS-Modul standardmäßig mit dem neuen Ovi Maps ausgestattet sein. Bereits heute steht die Software für zehn Endgeräte zum Download zur Verfügung.

Navigation wird in Zukunft zu einer kostenlosen Massenanwendung mit hoher Verweildauer der Endkunden und hoher Werberelevanz. So beinhaltet Ovi Maps detailliertes Kartenmaterial mit Navigationsfunktionen und Zusatzinformationen für Fußgänger und Autofahrer sowie neuerdings eine Vorab-Synchronisationsfunktion, die ein Navigieren auch ohne Internetverbindung in abgelegenen Regionen ermöglicht, sofern die Route vorher abgespeichert wurde. Der TomTom-Aktienkurs brach am Tag der Pressemitteilung um mehr als 14 Prozent ein und auch andere Hersteller von Navigationssoftware und -endgeräten dürften mittelfristig unter Druck geraten. Es ist nur eine Frage der Zeit bis Endanwender bei jeder browserbasierten Suche mit lokalem Bezug, die Vorteile einer Kartenvisualisierung nicht mehr missen möchten, sowohl auf Computern als auch Handys.

Google Maps zeigt bereits, wie erfolgreich das „Mashen“ von lokalen Branchendaten, Nutzerbewertungen und Routenplanung auf Basis einer karten- und textbasierten Suche betrieben werden kann. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob Nokia und Microsoft dem Suchgiganten Google bei der browsergestützten Suche im mobilen Bereich wirklich das Wasser werden reichen können. Denn auch Google verkündete Mitte Januar, dass die mobile Google-Suche umgebungsbezogene Vorschläge auf Basis des letzten Standorts ausliefert. Noch hat Nokia allerdings bei der Navigation einen kleinen Vorsprung. Microsoft und Google werden sicher schon bald nachziehen.

Die großen Software- und Hardwarebetreiber als auch die Netzbetreiber werden allesamt ihre Landkarten-Plattform-Strategien weiter ausbauen, um mit Hilfe von externen Entwicklern und Content-Lieferanten mächtige Vermarktungsplattformen hochzuziehen. Die mobilen Suchvorlieben, Standorte und Routen der Endanwender bieten ein großes Potential für zielgerichtete Anzeigen und Werbeumsätze.

Neue Chancen im Web- oder Mobilfunkumfeld

Ovi Maps beinhaltet bereits zum Start 25 externe Anwendungen mit lokalem oder persönlichen Bezug, so unter anderem Facebook und Lonely Planet. Die offenen APIs bieten für jedes StartUp im Web- oder Mobilfunkumfeld Chancen, um neue Nutzergruppen und Einnahmequellen zu erschließen. Vor einer zu großen Euphorie sei derzeit jedoch noch gewarnt, denn bereits seit zehn Jahren wird über „Location-based Services“ im Mobilfunkbereich gesprochen, doch massenmarktfähige Softwareprodukte ließen lange auf sich warten und wurden erst dank des iPhones wirklich populär.

Zudem reichen die Rechenleistung und Akkuleistung der Endgeräte sowie die Bandbreiten der Netze noch nicht aus, um weitere Ausbaustufen, wie eine wirkliche „Augmented Reality“ beispielsweise mit 3D-Umgebungen und 3D-Bilderkennung einzuläuten. Datenpläne sind zudem noch recht teuer und ob diese langfristig sinken werden, bleibt abzuwarten. Nokia rechnet vor, dass Ovi Maps für einen 20 KM langen Trip 200 KB an Datentraffic verursacht, wo hingegen Google Maps ganze 2 MB verschlingen würde.

Ratsam ist es für Softwareunternehmen aber allemal zu prüfen, ob für die eigenen Kunden Mehrwerte und Usability-Verbesserungen durch LBS zu erzielen sind, zumal die offenen APIs und verfügbaren SDKs mittlerweile eine solide Technologiebasis bilden. Ortungsfunktionen werden schon in diesem Jahr zu einem Standard-Feature von Apps und Widgets werden, die wir genauso bereitwillig und ohne Datenschutzbedenken akzeptieren, wie Cookies im Browser. Durch App-Stores sowie In-App-Purchasing oder mobile Werbenetzwerke wie Admob oder Madvertise stehen zudem spezialisierte Monetarisierungsmöglichkeiten bereit und in einigen Jahren werden auch rein browserbasierte Applikationen auf mobilen Endgeräten reibungslos ablaufen. Hier könnte der Firefox Mobile (Codename: Fennec) eine Vorreiterrolle übernehmen. Es bleibt spannend.

Technische LBS-Informationsquellen für StartUps:

Über den Autor:

bjorn-behrendtBjörn Behrendt ist Geschäftsführer von Hiogi (www.hiogi.de) und Service-Community.net. Die Hiogi GmbH ist eine SMS-Community, der per SMS eine Frage zugeschickt werden kann, die dann wiederum per Message durch die Community beantwortet wird. Service-Community.net ist eine flexible Software-as-a-Service (SaaS) der hiogi GmbH, die es Unternehmen ermöglicht, in kürzester Zeit ein eigenes Community-Forum für Kunden auf der Unternehmenswebsite einzubinden. Mit seinem Team bloggt Björn Behrendt auch unter http://blog.service-community.net zu Mobile- und LBS-Themen.

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