MobileBeat 2009

Einer der zahlreichen VCs auf der Mobilebeat 2009 in San Francisco verglich jüngst das Verhalten von Risikokapitalgebern mit dem von Ameisen: In der Hoffnung auf den großen Futterfund schwirren sie diffus in alle Richtungen aus. Sobald eine neue Nahrungsquelle gefunden wurde, wird über diese kommuniziert. In der Angst, das Festmahl zu verpassen, folgen hastig immer mehr der Spur, bis letztendlich eine gut sichtbare Straße mit einem eindeutig identifizierbaren Ziel entsteht. Im Moment scheint dieses Ziel augenscheinlich ein vermeintlich erfolgsversprechendes Investment in das nächste große Mobile StartUp zu sein. Zumindest drängt sich dieser Eindruck auf, da es letzten Donnerstag neben Vertretern der großen Namen wie Accel, KPCB oder Sequoia auch etliche weitere Kapitalgeber nach Downtown San Francisco zog, um dort mit neuen Gründern und den Größen der Branche die richtungweisenden Trends zu diskutieren.

Gleich im ersten Panel „The recipe for a winning mobile platform“ erhielt man einen sehr guten Eindruck davon, was die Branche im Moment bewegt: iPhone, App Store, Applications. Nach nunmehr 1,5 Milliarden heruntergeladenen Applikationen auf über 40 Millionen Multitouch-Geräten versuchten hochrangige Vertreter von Google, Nokia und Palm ihre Antwort auf den Erfolg von Apple ins rechte Licht zu rücken. Vic Gundotra, VP of Engineering bei Google, betonte die Vorteile von webbasierten Applikationen als ultimatives Mittel, um die Fragmentation des Marktes zu überwinden. Den Vertretern von Nokia und Palm hingegen stand die Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben. Dr. Tero Ojanperä, Executive Vice President Service von Nokia, verwies vorwiegend darauf, dass Nokia weiterhin die meisten Smartphones verkaufe und sich Symbian deshalb durchsetzen werde. Michael Abbott, SVP Application Software & Services bei Palm, hob wenig überzeugend die einfache Handhabung der Entwicklungsumgebung des neuen Palm-Betriebssystems WebOS hervor.

Der Eindruck, dass Apple und Google das Rennen machen werden, wurde in dem späteren VC-Panel noch bestärkt. So spekulierte Matt Murphy vom Kleiner Perkins iFund darauf, dass die meisten Entwickler zuerst für das iPhone entwickeln und erst im Falle des Erfolges die Applikation auf andere Plattformen bringen werden. Im Moment sieht er die größten Potenziale für Unternehmen, die die Monetarisierung von Applikationen ermöglichen bzw. unterstützen.

Genau diesem Thema widmete sich auch das ausgezeichnete Panel „Paid vs. Free Apps – How to grow your App into a real Business“. Sam Altman, der CEO der erfolgreichen iPhone Applikation Loopt und Andrew Lacy, COO von Tapulous, Entwickler der bisher erfolgreichsten iPhone-Applikation Tap Tap Revenge (nach eigenen Aussagen 17 Millionen Downloads) waren sich darin einig, dass In-Application Payments für virtuelle Güter den viel versprechendsten Weg zur Monetarisierung darstellten. Richard Wong von Accel Partners ergänzte hierzu, dass das iPhone ein Erlebnis-Medium sei. Für ein solches Erlebnis seien Nutzer auch bereit zu zahlen. Auch funktionierten in manchen Fällen monatliche Zahlungen oder Freemium-Modelle. Was hingegen noch nicht richtig funktioniere, sei aus seiner Sicht die Monetarisierung durch Mobile Ad Networks.

Im Mobile Marketing Panel wurde hingegen auf die Bedeutung von Mobile Ad Networks eingegangen. Alex Moukas, CEO von Velti bemerkte hierzu: „Man braucht Mobile Ad Networks, um eine kritische Masse an Usern zu erreichen. Letztendlich zählt jedoch die Conversion Rate, die bislang längst noch nicht alle Erwartungen erfüllen kann.“ David Smith, CEO von Mediasmith sah als Experte für Marketing-Strategie und -Planung das größte Problem von Mobile Advertising darin, dass man sich zwanghaft an den Werbeformaten orientiere, die bereits in der OnlineWerbung funktionierten. Hierdurch mache man aber bislang kaum von den speziellen Eigenschaften des Mobiltelefons wie zum Beispiel dem Standort des Nutzers Gebrauch. Insofern solle man vielleicht darüber nachdenken, sich andere, adäquatere Marketingkonzepte wie beispielsweise OutdoorAdvertising zum Vorbild zu nehmen.

MobileBeat 2009

Zwischen den Panels erhielten verschiedene StartUps die Möglichkeit, ihr Geschäftsmodell vor einem Kreis von VCs zu präsentieren. Die Auszeichnung für den besten Service erhielten IQEngines, die eine Plattform zur Erkennung von Objekten und Labels anbieten. Der zweite Award ging an das in München gegründete Unternehmen Aloqa, das sich erst kürzlich eine 1,5 MillionenDollarRunde unter Beteiligung von Wellington Partners sichern konnte und eine Plattform zur Einblendung von kontextual relevanten Empfehlungen anbietet.

Zusammenfassend kann man den beiden Orginisatoren, Matt Marshall von Venturebeat und Matthäus Krzykowski nur gratulieren, ein fachlich ausgezeichnetes Event ausgerichtet zu haben. Das Thema Mobile wurde aus vielen interessanten Winkeln beleuchtet und bot ein optimales Umfeld zum emsigen Austausch von StartUps und VCs. Man darf also gespannt sein, wer aus der Meute die fetteste Beute findet und den anderen den Weg weisen wird.

Über den Autor:

Johannes HeinzeJohannes Heinze ist im Moment als Product Manager für den Mobile Ad Optimizer Smaato im Silicon Valley tätig. Zuvor stand er verschiedenen StartUps und Unternehmen beratend zu Seite und gründete neben seinem Studium an der Zeppelin Universität Friedrichshafen die auf Hochschulen spezialisierte Medien Agentur foursin.

In San Francisco war er für Gründerszene als Berichterstatter unterwegs und wird auch zukünftig aktiv die Mobile-Branche für die deutschen Leser begutachten.

(CC) Nandor Fejer and MobileBeat 2009. Feel free to use this picture. Please credit as shown or link back to the picture. Thank you.