Die Modomoto-Geschäftsführer Corinna Powalla und Andreas Fischer

Modomoto: Mehr als 4.000 weitere Quadratmeter für schnelles Wachstum

Seit drei Jahren löst Modomoto eines der größten Probleme der Männer: Das Startup schickt ihnen Boxen mit Outfits, die von Stilberaterinnen zusammengesucht werden. Als Modomoto 2011 in einem Berliner Hinterhof startete, war Curated Shopping noch ein Nischenmodell.

Mittlerweile hat das Startup nach eigenen Angaben 200.000 Kunden und 180 Mitarbeiter – aber auch große Konkurrenz: Das Berliner Unternehmen Outfittery startete fast zeitgleich mit Modomoto und sammelte in diesem Jahr schon mehrere Millionen für weiteres Wachstum ein. Und auch Zalando will im kommenden Jahr einen Curated-Shopping-Service anbieten.

Im Interview blicken die Geschäftsführer Corinna Powalla und Andreas Fischer zurück, geben die aktuellen Zahlen preis und verraten ihre Pläne für 2015.

Modomoto ist jetzt drei Jahre alt. Was waren die Highlights?

Corinna Powalla: Ein großes Highlight, an das ich mich erinnere, war ein Bericht bei Galileo auf ProSieben, der im September 2012 lief. Danach sind wir durch die Decke gegangen! Da sind uns die Männer wirklich die Bude eingerannt. Mittlerweile haben wir 180 Mitarbeiter und alle Prozesse, die am Anfang total improvisiert waren, laufen jetzt sehr professionell ab. Das ist schon toll.

Andreas Fischer: Unsere Erwartungen wurden in den letzten Jahren total übertroffen. Wir wussten anfangs ja nicht was passiert und das, was dann kam, war einfach gigantisch!

Und was lief in den drei Jahren nicht so rund?

Corinna: Wir haben die interne Kommunikation unterschätzt. Wir haben anfangs nicht verstanden, wie kriegsentscheidend die Kommunikation zwischen den einzelnen Abteilungen ist und dass das nicht von alleine passiert, sondern dass wir alles in die Wege leiten müssen. Da hätten wir viel früher bessere Strukturen etablieren sollen.

Über welche Panne lacht Ihr noch heute?

Andreas: Wir haben einmal eine rote Lederjacke eingekauft – dafür war ich sogar noch mitverantwortlich. Und diese rote Lederjacke wollte einfach niemand haben. Schließlich mussten wir sie aus dem Sortiment nehmen.

Corinna: Wir haben erst mit der Zeit erkannt, welche Produkte wirklich gut geeignet sind für unseren Service. Ich erinnere mich auch noch an einen Pulli mit schwarz-grauen Rauten, der irre flippig aussah. Für Berlin Mitte wäre der super gut geeignet gewesen. Aber man lernt schnell: Wenn der Kunde sagt, er sei trendbewusst, mag er nicht die Trends, die hier in Berlin hip sind. Sondern doch eher die schlichten Teile, die man auch in München und Düsseldorf tragen kann.

Andreas: Das ist wirklich so. Ich würde auch nie eine rote Lederjacke tragen (lacht).

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Kommen wir zu den harten Fakten: Wie hoch ist der Umsatz von Modomoto drei Jahre nach dem Start?

Andreas: Mit 200.000 Kunden machen wir aktuell einen Umsatz im zweistelligen Millionenbereich.

200.000 Kunden? Im März habt Ihr noch von 100.000 Kunden gesprochen.

Andreas: Ja, wir sind in diesem Jahr sehr schnell gewachsen.

Im Sommer konnte man in einem Artikel in der „Süddeutschen Zeitung“ lesen, dass ihr 150.000 Kunden habt, die im Schnitt alle zwei Monate Boxen im Wert von 800 bis 1.000 Euro bestellen. Selbst bei einer sehr hohen Retourenquote müsste der Umsatz dann doch deutlich höher sein, oder?

Andreas: Nicht jeder unserer Kunden bestellt im Schnitt alle zwei Monate. Das ist möglicherweise falsch zitiert worden.

Sondern?

Andreas: Einige der Kunden, die wir in der Datenbank haben, haben das Modell nur einmal getestet. Andere Kunden bestellen regelmäßig einmal im Jahr, andere wirklich sechsmal im Jahr.

Wie häufig im Schnitt bestellen Eure Kunden also eine Box?

Corinna: Die meisten bestellen zum Saisonwechsel eine neue Box.

Wie hoch ist Eure Retourenquote?

Andreas: Die Quote sinkt von Box zu Box und ist auch abhängig von dem Wert einzelner Boxen. Das können wir also nicht so pauschal sagen. Entscheidend ist letztendlich sowieso die Höhe der Warenkörbe und nicht die Höhe der Retouren.

Und wie hoch ist der durchschnittliche Warenkorb?

Corinna: So viel können wir sagen: Wir arbeiten mit ganz anderen Warenkorbhöhen als andere Online-Händler. Es ist bei uns schließlich nicht wie beispielsweise bei Zalando, wo man ein Teil in verschiedenen Größen kauft, den Großteil zurückschickt und dann am Ende etwas für 80 bis 100 Euro behält. Die Größen und Stilrichtungen in der Box sind passgenau für den Kunden zusammengestellt, weshalb er nichts „auf gut Glück“ kauft.

Ihr werdet gerne mit Outfittery verglichen, die im März 13 Millionen Euro von Investoren einsammeln konnten. Bei Euch hat sich laut Handelsregister seit letztem Januar nichts mehr getan. Wie kommt’s?

Andreas: Wir ticken ganz anders als Outfittery und wirtschaften auch anders als die. Unser Investorenkreis ist auch unterschiedlich: Wir haben nicht die klassischen VCs an Bord, sondern Family-Offices, die dem Gründerteam sehr nahe stehen. Das hilft uns natürlich dabei, unabhängig zu arbeiten und das Business vernünftig hochzuziehen – immer mit dem Blick auf die schwarze Null. Ganz anders also als bei vielen anderen Berliner Startups.

Corinna: Häufig werden Startups ja mit viel Geld aufgeblasen und dann hoffen die Gründer, dass der Tag X kommt, an dem irgendwer sie kauft.

Andreas: Für uns ist es viel wichtiger, dass jede Box immer noch so toll ist wie die erste Box. Das ist für uns eine ganz natürliche Bremse beim Wachstum.

Wann wollt Ihr profitabel sein?

Andreas: Wir sind nicht allzu weit vom Break-Even entfernt. Einen genauen Zeitpunkt haben wir aber nicht festgelegt.

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Bild: Gründerszene / Hannah Loeffler

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